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Wohnungsmarkt : Jetzt gilt „Hauptsache schnell“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach und nach werden in diesem Jahr anerkannte Flüchtlinge auf den Wohnungsmarkt drängen

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Wohnviertel in Deutschland werden bald am Fließband gebaut. Bauunternehmer planen schon neue Fertigungsstraßen, denn es häufen sich Anfragen von Wohnungsgesellschaften und Bürgermeistern: Sie wollen stapelbare Mini-Wohnungen. Fertige Haus-Module aus Beton, die der Tieflader liefert – das ist nur ein Lösungsversuch von Großstädten und Ballungsräumen, um die Wohnungsnot in ihren Vierteln zu bekämpfen. Denn dorthin drängt es Menschen aus den Kleinstädten seit Jahren. Und der Flüchtlingsandrang verschärft das Problem, wie eine neue Studie darlegt.

„Ohne die starke Zuwanderung von Flüchtlingen wäre das Bild für 2016 ziemlich eindeutig“, erklärt Studienautor Harald Simons, Vorstand des privaten Forschungsinstituts Empirica. „Der Mietpreiszyklus hätte seinen Zenit erreicht.“ Nun geht die Preisrallye in die Verlängerung.

Denn sobald Flüchtlingen Asyl zugestanden wird, verlassen sie die Gemeinschaftsunterkünfte und suchen Wohnungen. 7,4 Prozent Mietanstieg für München verzeichnet Simons' Bericht für den Zentralen Immobilienausschuss binnen Jahresfrist, 6,8 Prozent in Stuttgart, 4,4 Prozent in Berlin. Auch Eigentum wird in solchen Städten weiter teurer. Vom bezahlbaren Wohnen hänge der soziale Frieden ab, warnt der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Gunther Adler. Mindestens
350 000 neue Wohnungen pro Jahr seien nötig.

Doch in welchen sollen die Flüchtlinge wohnen? „Keine grauen Beton-Ghettos an den Stadträndern“, sagt Adler. In den Innenstädten werden jedoch meist teuere Wohnungen gebaut, warnt Harald Herrmann, der Direktor des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung – und entsprechend teuer vermietet. Außerdem dauert es meist drei Jahre von der Idee bis zur Schlüsselübergabe.

Deshalb interessieren sich viele Städte für Angebote wie das von Franz Seemeier. Sein Bauunternehmen Max Bögl aus der Oberpfalz hat für Berlin gerade eine Unterkunft für 420 bis 870 Flüchtlinge geplant – gebaut aus drei mal sechs Meter großen Betonmodulen. „Die sind in fünf Monaten montiert“, sagt Seemeier. Angeliefert werden sie schon komplett mit Fußboden, Bädern, Heizung.

„Sie sind so gebaut, dass man sie später zu normalen Wohnungen zusammenlegen kann“, erklärt Seemeier. Sein Stand und die der Konkurrenten sind auf der Fachmesse Bautec in Berlin (16.-19.2.) gut besucht. Jeder zweite Mitgliedsbetrieb wolle das modulare und serielle Bauen ausprobieren, heißt es beim Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. „Alles, was nutzt, muss schnell kommen“, sagt Präsident Axel Gedaschko.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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