Flüchtlinge : Integration durch Arbeit

Emad Alsheikh an seinem Arbeitsplatz bei der AOK
Emad Alsheikh an seinem Arbeitsplatz bei der AOK

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18. August 2016, 05:00 Uhr

„Bitte sprechen Sie Deutsch mit mir.“ Das war das erste, was Emad Alsheikh beim Vorstellungsgespräch in der Geschäftsstelle der AOK Nordost in Schwerin sagte. „Ich muss und will Deutsch lernen. Sprache ist ein Grundstein für eine gute Ausbildung“, sagt er noch heute. Die Einstellung des 18-jährigen Flüchtlings aus Syrien beeindruckte. Vor drei Wochen begann er ein Praktikum bei der Krankenkasse. „Er ist jetzt schon eine große Hilfe“, sagt Landesgeschäftsführer Frank Ahrend. „Er bildet eine Brücke zwischen den Flüchtlingen und den Mitarbeitern vor Ort“. Der Praktikumsplatz wurde ihm auch durch den Willkommenskurs durch das Sozialamt vermittelt. Bundesweit waren im Juli rund 322    000 Flüchtlinge als arbeitssuchend gemeldet. Nur zehn Prozent der Flüchtlinge finden nach den bisherigen Erfahrungen im ersten Jahr eine Arbeit.

Dabei sei eine sichere und ausreichend bezahlte Arbeit der Dreh- und Angelpunkt für Integration, betont Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. „Das ist das Wie hinter dem Satz „Wir schaffen das‘“, ergänzt er. Sein Institut hat deshalb untersucht, wie erfolgreich lokale Initiativen sein können. Mitautor Stephan Sievert geht von 20 bis 50 Prozent Erfolgsquote aus.

Deshalb hält er professionelle lokale Initiativen beim Thema Integration durch Arbeit für unverzichtbar, um nicht Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Danach hat nur die Hälfte der Migranten nach fünf Jahren in Deutschland einen Job. Repräsentativ ist die Studie nicht. Doch sie zeigt, wo der Hebel ansetzen kann: Eher nicht im Integrations- oder Sprachkurs, sondern durch die schnelle Vermittlung in Praktika und Helferjobs mit Perspektive. Schlecht sind die Voraussetzungen nicht. Nach Deutschland flüchten zu zwei Dritteln junge Männer unter 30, rechnet Klingbeil vor. Für sie gibt es Interessenten.

Auch Emad Alsheikh wollte eine Perspektive. In Syrien hatte er die nach dem Schulabschluss nicht. Auf Anraten seines Vaters floh er nach Europa. Kam schließlich nach Deutschland. Damals war er noch 17. Sein Wunsch ist es nun, Bauingenieurwesen zu studieren. Die Welt der Krankenversicherung ist für ihn ganz neu. „So etwas gibt es in Syrien nicht. Da kann man nur das Auto versichern“, sagt er. In der AOK hat er nun die Möglichkeit alle Bereiche besser kennenzulernen. Der größte Unterschied zu der Arbeit in Syrien sei die Pünktlichkeit.

Durch das Praktikum gewinne jeder, meint Frank Ahrend. Alsheikh könne sein Deutsch verbessern, Erfahrungen sammeln. Die AOK profitiere durch seine Dolmetschertätigkeiten. In anderen AOK-Gruppen gebe es ähnlich gute Erfahrungen. Hier hätten erste Flüchtlinge bereits einen Ausbildungsplatz.

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