Universeller Stichheiler : Mit Wärme gegen Insektenstiche

Der Stichheiler ist leicht selbst zu benutzen. Foto: Riemser Pharma GmbH
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Der Stichheiler ist leicht selbst zu benutzen. Foto: Riemser Pharma GmbH

Die Firma Riemser Pharma GmbH Greifswald hat eine Waffe gegen unliebsame Insektenstiche erfunden. Das Gerät ist durch einen Mikrochip gesteuert und bekämpft Juckreiz und Entzündungen mit Hitze.

svz.de von
19. Juni 2013, 11:37 Uhr

Kein Gartenfest ohne Wespen, kein Skandinavien-Urlaub ohne Mücken. Der Mensch reagiert mit Hautschwellungen oder Rötungen, schlimmstenfalls mit allergischen Symptomen. Die Insekten selbst sind unvermeidlich, doch es gibt eine Waffe gegen die unangenehmen Folgen ihrer Attacken: den "bite away®", zu Deutsch Stichheiler, den die Firma Riemser Pharma GmbH Greifswald herstellt.

Der Trick: Das Gerät erhitzt für drei bis sechs Sekunden seine Spitze auf etwa 50 Grad - angetrieben von einer simplen Batterie, gesteuert durch einen Mikrochip, um Verbrennungen zu verhindern. Wichtig: Zeitspanne und Temperatur sind jedes Mal konstant. Ein paar Sekunden Hitzeempfinden auf der Haut steht dem viel länger währenden Schmerz, etwa bei einem Bremsenstich, gegenüber. Der Juckreiz lässt sofort nach, eine Schwellung wird verhindert oder geht zumindest zurück, wenn der Stich schon älter ist. Sogar Menschen mit einer Allergie gegen Wespengift berichten, dass der Stichheiler ihnen geholfen hat.

Was passiert da in der Haut? Die konzentrierte Wärme verhindert die Ausschüttung von Histamin, einem Botenstoff, der an der Abwehr körperfremder Stoffe beteiligt ist. Fehlt er, reagiert der Körper auch nicht, das heißt, die betroffene Stelle schwillt nicht an und juckt nicht. Außerdem wird durch die für den menschlichen Körper recht hohe Temperatur der Reaktionsmechanismus durchbrochen - mit positivem Effekt.

Der "bite away®" wirkt nicht nur gegen Insektenstiche aller Art, sondern auch gegen Quallenverbrennungen oder Flohbisse, bei Pickeln oder Warzen. Es gibt sogar Anzeichen, dass das Gerät gegen Neurodermitis oder in der Wundheilung einsetzbar ist. "Das klingt schon fast unglaubwürdig", weiß Jörg Zippenfennig, der entscheidend an der Entwicklung des Stiftes beteiligt war. "Aber wir haben Studien und Reaktionen von Dermatologen, für Neurodermitis und Wundheilung Erfahrungsberichte, die uns bestätigen."

Zippenfennig, ursprünglich Ingenieur für Werkstofftechnik und Materialprüfung, beschäftigte sich bereits im Jahr 2000 mit der Entwicklung eines ähnlichen Gerätes. Doch erst viel später gründete er selbst eine Firma, um den Stichheiler zu vermarkten. Dieses ging vor fünf Jahren in der Riemser Pharma GmbH auf, die es nach wie vor in Greifswald herstellt. Seit 2004 wird das Gerät verkauft, heute europaweit und bis nach Neuseeland. Es ist in Apotheken, Outdoor-Läden und manchem Versandhaus erhältlich. Rettungsdienste entlang der Küste haben es an Bord. Ein Satz Batterien reicht für etwa 300 Anwendungen. Natürlich kostet das Gerät mehr als ein Kühlgel, aber es hat kein Verfallsdatum und muss nicht immer wieder neu gekauft werden. Inzwischen gibt es ein ähnliches Gerät speziell für Herpes-Patienten. Der Stift wirkt auch gegen die schmerzhaften Bläschen, denn durch den Hitzeschock setzt die Abwehrreaktion des Immunsystems sofort ein.

"Die Anwendung ist ein bisschen unangenehm - 50 Grad direkt auf der Haut fühlen sich heiß an", weiß Zippenfennig. "Aber die Wärme verhindert den Ausbruch der Krankheit, die immerhin ein bis zwei Wochen dauert."

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