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Hamburger Elbphilharmonie - Das Jahrhundertbauwerk : So klingt die Zukunft

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach zehn Jahren Bauzeit und Skandalen um Kostenexplosionen und Bauverzögerungen wird am kommenden Mittwoch die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet. Eine Geschichte mit Happy End.

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2017 | 20:45 Uhr

Jeden Abend, wenn ich von der Redaktion an den Landungsbrücken vorbei nach Hause fahre, genieße ich die Elbphilharmonie. Ob die weißen Dachkacheln und die Spiegelfassade im Sonnenuntergang erstrahlen oder die geschwungenen Wellen-Fenster wie ein mythisches Segelschiff im Nebel dahin gleiten: Immer wieder neu zeigt sich „Elphi“, wie die Medien und die Hamburger sie inzwischen liebevoll getauft haben.

Mit der Elbphilharmonie hat das Architekturbüro Herzog & de Meuron auf dem alten Klotz von 1963, dem Backstein-Kaispeicher A, eine architektonische Hymne an die Weite, das Wasser und den Hafen sowie die Weltoffenheit Hamburgs gesetzt. Wie mit dem mächtigen, 110 Meter hoch ragenden Konzerthaus eine maritime und magische Ausstrahlung geformt wurde, ist eine einzigartige Kombination von Ingenieurskunst und architektonischer Inspiration; und die sachlich-hochwertige Innenausstattung sorgt für zeitlose Eleganz. Wie sagt doch Architekt Jacques Herzog über sein Selbstverständnis: „Häuser sind keine modischen Hosen. Architekturen, vor allem öffentliche Gebäude und Kulturräume, sollten über Generationen hinweg funktionieren. Gute Architektur hat ja immer etwas Zeitloses. Das ist wahre Nachhaltigkeit.“

Inzwischen ist viel Zeit vergangen. Zum Millennium wurde die Idee der Elbphilharmonie in dem neuen Quartier Hafencity geboren. 2001 fingen Herzog & de Meuron an zu entwerfen und 2010 sollte die Elbphilharmonie das erste Mal eröffnet werden; doch Streit um bauliche Maßnahmen, Verteuerungen und unprofessionelle städtische Bauaufsicht brachten das Jahrhundertprojekt monatelang zum Stillstand. Dass der Hamburger Konzertleuchtturm erfolgreich vollendet wurde, haben die Menschen und Hamburg einem strategisch und pragmatisch agierenden Ersten Bürgermeister Olaf Scholz und einer unbeirrbaren und leidenschaftlich kämpfenden Kultursenatorin Barbara Kisseler (†) zu verdanken.

>> Das Elbphi-ABC zum Download

Sprechen wir über Geld. Aus 77 Millionen Euro Baukosten beim Start des Projekts sind nun 789 Millionen Euro geworden. Das ist ein stolzer Preis für ein Kulturgebäude. Aber unabhängig von allen Geburtswehen, Preissteigerungen und Streitereien: Die Elbphilharmonie ist auch ein Zeichen dafür, dass die Mehrheit Hamburger Politiker, Senat und Bürgerschaft, wichtige Zukunftsentscheidungen im Schulterschluss mit hanseatischen Persönlichkeiten und Stiftern unabhängig und ohne Volksabstimmung treffen können. Alle weltweit anerkannten Leuchtturm-Projekte in Architektur, Kunst und Kultur wären bei Volksbefragungen nie zustande gekommen.

Dass das Konzerthaus vor der offiziellen Eröffnung am 11. Januar 2017 nun schon viele tausend Besucher und Fans gefunden hat, ist neben der öffentlichen Platz-Idee „Plaza“ auch dem wochenlangen Voreröffnungskonzept seit Anfang November 2016 geschuldet. Was eigentlich der Feststellung technischer und organisatorischer Schwächen dient, ist hinten herum zu einer sanften Betörung des Publikums geworden. Dass die Besucher die Plaza tausendfach besucht haben, senkt ganz unaufgeregt die Schwellenangst gegenüber klassischen Kulturstätten. So ist die Elbphilharmonie schon vor ihrer offiziellen Eröffnung zu einem kollektiven Treffpunkt der Hamburger und ihrer Gäste gewachsen. Nun müssen nur noch die Künstler halten, was ihnen Hamburgs neues Kulturhaus ermöglicht: Musikalische Spitzenqualität – mit überraschenden Klangerlebnissen. Dann steht Elphi als Musentempel neuer und klassischer Musik nichts mehr im Wege. Die herausragende Architektur sowie das musikalische Konzept von Generalintendant Christoph Lieben-Seutter und die besuchsöffentliche Idee machen Hamburg und die Elbphilharmonie zu einem Sehnsuchts-Ort. So klingt die Zukunft.
 

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