Letzte Frist für insolventes CD-Werk

Steht zum Verkauf: das CD-Werk Dassow
Steht zum Verkauf: das CD-Werk Dassow

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12. Mai 2011, 01:22 Uhr

Grevesmühlen | Nach zwei Insolvenzen droht dem einst größten CD-Werk in Europa nun das endgültige Aus und eine Zerschlagung der verbliebenen CD-Produktion in Dassow: Ohne Klarheit bei den derzeit laufenden Investorengesprächen oder ohne eine andere Übergangslösung, könne sich das Werk "aus eigener Kraft nicht mehr über Wasser halten", teilte der Insolvenzverwalter, der Hamburger Rechtsanwalt Dirk Decker, mit. Für Februar gebe es keinen "hinreichenden Auftragsbestand mehr". Im Dezember hatte Decker zwar Millionenaufträge für das Werk angekündigt. Die Umsätze seien aber doch deutlich geringer ausgefallen als zunächst noch vor einigen Wochen geplant, sagte Decker. Lizenzprobleme hätten dazu geführt, dass nicht alle Aufträge erfüllt werden konnten.

Ohne tragfähiges Konzept wird das Werk filetiertDas Werk in Dassow zählte bis vor eineinhalb Jahren noch mehr als 1000 Beschäftigte. Die zum Jahresende überraschend eingegangenen Aufträge sicherte den verbliebenen etwa 100 Mitarbeitern nach dem Ende des Insolvenzausfallgeldes Ende Dezember zumindest noch bis Ende Januar ein Einkommen. Nach dem Ausbleiben neuer Order bleibt ihnen jetzt aber nur noch eine Hoffnung: Derzeit würden noch Gespräche mit zwei Investorengruppen geführt, sagte Decker. Einzelheiten wollte er nicht nennen. Fest steht nur: Es muss kurzfristig eine Entscheidung getroffen werden, so Insolvenzverwalter Marc Odebrecht.

Bei den Investoren handelt es sich eigenen Angaben zufolge um die spanische Iberdisc-Gruppe. Daneben, so heißt es in der Branche, bemüht sich auch eine britische Investorengruppe um das CD-Werk. Hinter den Engländern sollen in Dassow Altbekannte stecken: So tritt offenbar der wegen seines rüden Umgangs mit Mitarbeitern umstrittene Ex-Manager des CD-Werkes, Wilhelm F. Mittrich, offen als Interessent auf. Das wollten Decker und Odebrecht weder bestätigen noch dementieren. Der einst als Arbeitsplatzbeschaffer gefeierte Mittrich hatte die CD-Schmiede durch seine aggressive Billigpreisstrategie in die Insolvenz getrieben. Bleiben tragfähige Investorenkonzepte aus, droht dem CD-Werk die endgültige Filetierung. Wie es heißt, drängt die beteiligte Bank darauf, die verbleibenden Vermögenswerte zu Geld zu machen.

Das von Landespolitik in der Vergangenheit hofierte Vorzeigeunternehmen musste im Sommer 2007 trotz hoher Subventionen Insolvenz anmelden. Vor einem halben Jahr übernahm der dänische Dicentia-Konzern Teile der CD-Schmiede. Andere Teile des insolventen Werkes waren zuvor an das Lübecker Medizintechnik-Unternehmen Euroimmun Lübeck verkauft worden. Bis zu 500 Mitarbeiter stellte Euroimmun in Aussicht. Zudem hatte sich ein Entsorgungsunternehmen in den ehemaligen Werkshallen angesiedelt.

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