Hängepartie um Dassower CD-Werk - Mitarbeiter sorgen sich um ihre Löhne, Lizenzstreit sorgt für ungewisse Zukunft

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21. Januar 2009, 04:28 Uhr

Grevesmühlen - Neues Pokerspiel um die einst größte CD-Schmiede Europas: Noch vor zwei Monaten hatten die 60 von einst 1100 Beschäftigten verbliebenen Mitarbeitern neue Hoffnung geschöpft. Nach der Pleite des DVD-Werkes hatte der neue dänische Investors Dicentia schon für August 170 neue Jobs im Werk versprochen – vergebens.

„Die Hängepartie geht von vorn los“, meinte Betriebsratschef Jürgen Thiergart am Montag. Für diese Woche hatten die derzeit 90 Beschäftigten der neuen Disctech GmbH damit gerechnet, dass ihnen ihr Lohn überwiesen wird. Doch nachdem das Unternehmen nur kurz nach dem Neustart vergangene Woche wegen drohender Zahlungsunfähigkeit erneut Insolvenzantrag stellen musste, geht in Dassow wieder die Angst um.

Keiner weiß, wer die Löhne zahlen wird, erklärte Thiergart. Der von der bisherigen Geschäftsführung der DTC GmbH eingereichte Antrag sei ohne Abstimmung mit der Gesellschafterin erfolgt, teilte Disctech am Montag mit. Wann beim Amtsgericht über den Antrag entschieden werde, sei derzeit noch offen, sagte Richter Jens Brenne am Montag.

Auch nach der gestrigen Belegschaftsversammlung weiß keiner der Mitarbeiter, wie es weitergehen soll. Das Unternehmen habe lediglich mitgeteilt, dass derzeit geprüft werde, ob es eine Chance gebe, das Insolvenzverfahren abzuwenden, teilte Thiergart im Anschluss mit. Am Montag hatte eine von den dänischen Gesellschaftern eingesetzte neue zweiköpfige Geschäftsführung Posten bezogen.

Neue Aufträge hätten sie in Aussicht gestellt, sagte Thiergart. Nur: Das hatte Dicentia auch schon vor zwei Monaten erklärt. Trotzdem blieben die Aufträge weitgehend aus, so Thiergart.

Die Zukunft des Werkes droht erneut an einem Rechtestreit zu scheitern. Wie schon beim Zusammenbruch des ODS-Werkes des einstigen Firmenchefs Wilhelm F. Mittrich pocht der Lizenzgeber auf Millionenzahlungen. Der Haken: Vor der Vergabe der Rechte an die neue Dassower Gesellschaft sollen die dänischen Investoren die von ihnen selbst noch nicht bezahlten millionenschweren Lizenzgebühren für die dänische Produktion zahlen.

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