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Busbrände Plau

21. November 2017 | 09:19 Uhr

Busbrände : Gutachten wertlos?

vom

Über Zweifel am Brand-Gutachten und an der Täterschaft eines Mitangeklagten verhandelt das Schweriner Landgericht

svz.de von
erstellt am 24.Feb.2013 | 06:27 Uhr

parchim / Schwerin | Im Prozess um Busbrandstiftungen, die von 2011 bis 2012 die Region Plau am See und Parchim in Atem hielten, scheint es für die Staatsanwaltschaft eng zu werden. Über Zweifel am Brand-Gutachten und an der Täterschaft eines Mitangeklagten verhandelt das Schweriner Landgericht ab heute.

Ein freier Sachverständiger für spurentechnische Untersuchungen aus Niedersachsen nimmt das Gutachten des heimischen Brandsachverständigen zum Brand am Plauer VE-Gut im September 2011 ins Visier. Sein Urteil fällt nicht eben schmeichelhaft aus. Das Gutachten lasse "viele Fragen offen". So habe es keine Ursachenforschung gegeben. Der freie Sachverständige kritisiert, dass Witterungsbedingungen nicht berücksichtigt worden seien und "auch keine Brandmittelspürhunde" zum Einsatz kamen.

"Angebliche Teelichte auf den Reifen können es nie gewesen sein", führt er weiter aus. Einig sei er sich mit dem heimischen Brandsachverständigen der hiesigen Staatsanwaltschaft, dass Brandstiftung die Ursache des Busbrandes gewesen sei und Brandbeschleuniger im Spiel gewesen sein muss. Nach seinen Informationen und Befragungen von Zeugen vor Ort, die Angaben zu Farben der Flammen und Explosionsgeräusche machten, "muss das Feuer vom Innenraum der Busse ausgegangen sein". Auch schätzt der Niedersachse, dass der Brandstifter "sich sehr gut im Umgang mit Feuer ausgekannt haben muss". Nach seiner Meinung seien zu viele Fragen bei der Bewertung der Brandursache und der möglichen Zusammenhänge offen geblieben. Nach SVZ-Informationen soll es in MV derartige Spezialhunde gar nicht geben.

Angeklagter mit Titanplatte und acht Schrauben in Schulter

Brisant dürfte ein anderer Beweisantrag der Verteidigung werden. Er stellt in Frage, dass ein Mitangeklagter über den Zaun des Reisedienstes Parchim geklettert sein könnte, um dort Busse anzuzünden. "Mein Mandant Daniel S. hat auf Grund eines Verkehrsunfalls mit einem Quad Verletzungen erlitten, die darin endeten, dass sich im Schulterbereich eine Titanplatte mit acht Schrauben befindet. Dadurch ist ihm ein Übersteigen eines Zaunes beim Reisedienst Parchim unmöglich und würde ihn als möglichen Täter entlasten", so der Verteidiger. Allerdings gibt es unterschiedliche Angaben darüber, ob der Täter über den Zaun geklettert ist oder unter ihm hindurchgekrochen ist.

Am heutigen Montag geht der Prozess zunächst mit weiteren Zeugenbefragungen weiter. So werden unter anderem ehemalige Mitarbeiter und auch Polizeibeamte in den Zeugenstand treten. Das Gericht hat jetzt auch die nächsten Verhandlungstermine angesetzt, die bis in den Monat April reichen.

Eine Schlappe musste die Verteidigung einstecken: Am Freitag lehnte das Gericht einen Antrag ab, der einem Plauer Brandschützer ein "Feuerwehrmannsyndrom" attestieren wollte und eine Untersuchung des Mannes forderte. Die Verteidigung wollte nicht ausschließen, dass der Feuerwehrmann als Täter in Frage komme.

 

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