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20. November 2017 | 07:07 Uhr

Danziger Gespräche : Polizeifahndung per Facebook?

vom

120 Experten von Verlagen, Sozialen Medien, Polizei und Justiz beraten über das Spannungsverhältnis von Sozialen Medien und Sicherheitsbehörden

svz.de von
erstellt am 05.Mai.2015 | 19:56 Uhr

7 Mai 2015
 

Sicherheitsbehörden in Europa nutzen soziale Medien bereits weit umfangreicher als angenommen. So demonstrierte die Rotterdamer Polizei Viepräsidentin Martine Vis, wie die niederländische Polizei etwa Facebook und Twitter gezielt einsetzt, um größtmögliche Transparenz über die Polzeiarbeit herzustellen, sondern diese Medien und daraus gewonnene Informationen auch für Fahndung und Aufklärung nutzt.

Der polnische Regionaldirektor von Microsoft demonstrierte technische Überwachungs- und Auswertungssysteme, mit denen der Softwarekonzern im Auftrag von Behörden und Kommunen Sicherheitslösungen anbietet, die dem Klischee einer Totalüberwachung nahe kommen.

Ein faszinierendes Geschäftsmodell, das durch gezielte Sammlung, Systematisierung und Analyse von Informationen aus diversen sozialen Medien konkrete Entscheidungshilfen und handlungsempfehlungen ableitet , präsentierte der Direktor des Warschauer Instituts für Medienmonitoring, Pawel Sanowski. Grosse deutsche Unternehmen zählen zu den Kunden dieses Instituts, dessen Leistung man eher als Geschäftsfeld deutscher Verlagshäuser vermuten würde. Doch ein vergleichbares Angebot aus Deutschland ist bislang nicht bekannt .

Das hätte ein toller Disput Werden können: ein FBI-Experte und der Whistleblower Daniel Domscheit-Berg sollten aus ihrer jeweiligen Perspektive über das Spannungsverhältnis von üblicherweise eher verschlossenen Sicherheitsbehörden und in der Regel völlig transparenten sozialen Netzwerken debattieren. Doch zunächst hatte der fest gebuchte FBI-Vertreter kurzfristig abgesagt. Gestern Abend meldete sich dann Domscheit-Berg überraschend krank - und vergab damit die Chance, Polizisten, Staatsanwälte, Zöllner und weitere Sicherheitsfachleute aus Europa vom Sinn oder Unsinn der neuen Medienwelt zu überzeugen.

Dennoch hochinteressante Themen:

- die Journalistin und Islamwissensxchftlerin Katharina Pfannkuch lieferte erschütternde Einblicke in den "digitalen Dshihad" der IS- Milizen. Sie wies nach, wie der IS sich mithilfe sozialer Medien zu einer Marke stilisieren konnte, die mit allen Insignien eines Markenartiklers die größtmögliche Öffentlickeit für sein mittelalterliches Gesellschaftsbild erreichen will. Als einen der mutmaßlichen Köpfe der IS-Medien nannte Pfannkuch den ehemaligen Berliner Rapper Denis Cusbert alias "Deso Dogg".

6. Mai 2015
Lifshitz: Soziale Medien sind in zweierlei Hinsicht kritisch: erstens seien sie ein möglicher Angriffspunkt für Cyberangriffe. Andererseits könnten sie als Frühwarnsystem-Indikator dienen, wenn sie vernünftig eingesetzt würden. Lifshitz mahnte indes, dass die permanente Beschäftigung mit und in sozialen Netzwerken im Sinne von verkümmernden Sozialkompetenzen selbst zu einer "Bombe" für die künftige Gesellschaft entwickeln könnte.

 

Enttäuschender Auftritt von Facebook-Sicherheitschefin Vic Baines: zunächst bat Baines die Teilnehmer darum, ihre persönlichen FB-Seiten nicht zu fotografieren oder zu posten. "Das möchte ich nicht", sagte sie.
Die Nutzung sozialer Medien ist zu einem festen Bestandteil des Alltags, nicht nur für junge Menschen, geworden. Die Möglichkeiten, die sich daraus für private als auch beruflicheZwecke ergeben, sind nahezu grenzenlos. Dr. Victoria Baines von Facebook London  war viele Jahre bei EUROPOL als Leiterin des Bereichs Cybercrime Strategie und Prävention tätig, bevor sie beruflich zu Facebook wechselte. An aktuellen Beispielen schilderte Baines, welche Anstrengungen Facebook für einen seriösen Umgang mit Nutzerdaten unternehme. So stellte sie neue Instrumente vor, mit denen User ihre Privatsphäre besser schützen könnten. Zudem verwies sie auf Projekte zur medienkompetenzförderung oder zur Sensibilisierung vor allem junger Nutzer für einen bewussteren Umgang mit der Preisgabe persönlicher Daten. Über die Präsentation neuer Produkte und Anwendungen ging Baines indes kaum hinaus.

 

Eröffnet Danziger Gespräche mit der Frage, welchen Wert recherchierender, einordnender,  kommentierender Journalismus angesichts der Vielfalt sozialer Medien künftig noch haben wird. Mager verwies darauf, dass die Menge unverlässlicher Informationen beständig steige. Der Preis für digitale Vernetzung sei die Preisgabe persönlicher Daten. Journalismus dagegen Folge selbst gesetzten Regeln. "Eine verlässliche, objektive Presse hat im Rechtsstaat eine wichtige Funktion. Das Netz hat ein vergleichbares Regelwerk nicht !"

 

IM Lorenz Caffier hat Seine Reise zu den Danziger Gesprächen abgebrochen. Begründet würde dies mit dienstlichen Aufgaben bei der Bewältigung der Unwetterfolgen in MV.

 

Polnischer Vizeminister für Digitalisierung begrüßt Konferenzteilnehmer.

Generalkonsulin Cornelia Pieper würdigt Beitrag der seit 16 Jahren etablierten Konferenz für Deutsch-polnische Annäherung.  Wojwode Ryszard Stachurski erinnerte daran, dass Danziger Gespräche zunächst dazu dienten, Polen in osteuropäische Staaten an europäische Standards heranzuführen. Seit Schengen und Eu--Beitritt habe Konferenz Sehr zeitgemäße Themen gesetzt. Voriges Jahr "Zusammenarbeit bei Bewältigung von Migration und Flüchtlingsströmen" - dieses Jahr sei das akutes Thema für EU-Politik. Das Thema dieses Jahres "Soziale Medien und Sicherheitsbehörden" greift wichtige gesellschaftliche Debatte auf. Hochrangige Experten aus ganz Europa lassen neue Impulse erwarten.

 

5.Mai 2015
Personalrekrutierung über Xing? Was haben Soziale Medien und Sicherheitsbehörden miteinander zu tun? Für die Arbeit von Sicherheitsbehörden haben soziale Medien, wie Facebook, Instagram und Google+ in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Sei es einerseits für Fahndungen oder Ermittlungen, der Bewältigung von Einsätzen oder andererseits zur Personalgewinnung und Öffentlichkeitsarbeit. Die steigende Zahl an Nutzern und das veränderte Nutzungsverhalten der Konsumenten – hin zu einer fast permanenten und transparenten Präsenz im Internet - haben zu einem Wandel des Verhältnisses von Medien und Sicherheitsbehörden geführt.

Bei den morgen beginnenden „Danziger Gesprächen“ im polnischen Seebad Sopot diskutierten rund 120 Experten von Verlagen, Sozialen Medien, Polizei und Justiz aus Mittel- und Osteuropa sowie den USA über das Spannungsverhältnis von Sozialen Medien und Sicherheitsbehörden.  Im Mittelpunkt der Konferenz steht die Frage, welche Auswirkungen die sozialen Medien auf die künftige Arbeit von Sicherheitsbehörden und deren Zusammenarbeit mit Medien haben werden. Gäste der vom Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern und dem Wojewodschaftsamt Pommern initiierten Konferenz sind unter anderem die Europa-Sicherheitschefin von Facebook, Victoria Baines, der  Direktor für Konzernsicherheit der Axel Springer AG, Yitzhak Lifshitz, sowie der WikiLeaks-Mitbegründer Daniel Domscheit-Berg.

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