Verbleib des Entführungs-Flugzeugs : Luftfahrt-Fan will die „Landshut“ nach Flensburg holen

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Aus der Onlineredaktion

1977 wurde die Maschine von Terroristen entführt und in Mogadischu befreit. Dem Stück Geschichte droht die Verschrottung.

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erstellt am 24.Feb.2017 | 18:24 Uhr

Das frühere Lufthansa-Flugzeug „Landshut“, das im Herbst 1977 durch seine Entführung und Befreiung in der somalischen Hauptstadt Mogadischu zu einem Stück deutscher Geschichte geworden ist, parkt seit neun Jahren im brasilianischen Fortaleza und wartet auf seine Verschrottung. Doch die kann womöglich verhindert werden: Der Flensburger Luftfahrt-Enthusiast Thomas Liebelt möchte sie auf dem Flugplatz der Fördestadt zu einem begehbaren Museum machen.

Die damals neue Sondereinheit GSG-9 hatte im Oktober 1977 mit der Befreiung der über 80 Landshut-Geiseln im somalischen Mogadischu Geschichte geschrieben. Palästinensische Terroristen wollten mit der Aktion auf dem Höhepunkt des „Deutschen Herbstes“ inhaftierte Terroristen der Rote-Armee-Fraktion freipressen.

Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange ist begeistert von der Idee. Zuvor jedoch müsste die Bundesregierung das Flugzeug kaufen und nach Deutschland bringen. Außenminister Gabriel kennt die Flensburger Initiative, die Fördestadt ist in der engeren Wahl bei der Suche nach einem Standort für die „Landshut“.

Die Boeing-737 flog noch bis 1985 für die Lufthansa, wurde dann verkauft und war danach unter anderem in Frankreich, Indonesien und Südamerika in Einsatz; seit 2002 flog sie als Frachtmaschine in Brasilien, wo sie 2008 nach einem schweren Defekt stillgelegt wurde. Sie ist nicht mehr flugfähig und in einem schlechten Zustand. Die Außenhaut ist verwittert, Kabinenfenster sind zugeklebt, die Reifen platt, die Turbinen beschädigt. Neben Kosten für Kauf, Demontage und Transport kämen für eine mögliche Ausstellung noch Kosten für Restaurierungsarbeiten hinzu.

Zuletzt war die „Landshut“ als Transportflugzeug der Airline TAF Linhas Aereas unterwegs. Die Fluggesellschaft habe angehäufte Schulden für die „Parkkosten“ der Maschine nicht beglichen, deshalb sei ein Gericht eingeschaltet worden, teilte der staatliche Flughafenbetreiber Infraero Mitte Februar der dpa mit. Man versuche, eine Erlaubnis für einen Verkauf oder die Verschrottung zu bekommen. Da der Flughafen kurz vor der Teilprivatisierung steht und wohl spätestens dann mehrere flugunfähig herumstehende Maschinen entfernt werden sollen, wächst der Zeitdruck für eine Lösung.

Die ARD zeigt die Geschichte der „Landshut“ bis heute:

Seit gut zwei Wochen kursieren Berichte, dass die Bundesregierung darüber nachdenkt, eine Verschrottung der „Landshut“ zu verhindern. „Die Landshut ist am Ende ihres aktiven Lebens in Lateinamerika gestrandet und wird nie wieder fliegen, aber sie ist doch eine lebendige Zeugin eines wichtigen Moments der Geschichte der jungen Bundesrepublik“, sagte Außenminister Sigmar Gabriel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner forderte den Bund auf, bei der Versteigerung mitzubieten.

Der Flensburger Liebelt, Vorsitzender des Luftsportvereins, hat erfahren, dass die Bundesregierung das Flugzeug vor der Versteigerung erwerben kann. Die in der FAZ genannten Kosten von einer einer Million Euro für Erwerber und Verschiffung nach Deutschland nannte er eine Obergrenze; die Kosten könnten auch deutlich darunter liegen.

„Ich bin bereit, auf dem Flugplatz Schäferhaus eine Halle für das Flugzeug zu bauen, mit Caféteria und Toiletten“, verspricht Liebelt. Er schlägt vor, einen Teil des leer geräumten Innenraums wieder zu bestuhlen. Für die Verfilmung des Entführungsdramas sei ein Teil der Sitzausstattung nachgebaut worden; die könnte man unter Umständen erwerben.

Im Rumpf der Maschine soll eine Ausstellung an die Ereignisse von 1977 erinnern. Bei der Gestaltung und Betreuung der Ausstellung denkt Liebelt an eine Zusammenarbeit mit dem etablierten Flensburger Science-Center Phänomenta.

<p>Das am 13. Oktober 1977 entführte Flugzeug „Landshut“ nach der Landung in Mogadischu (Somalia). Fast 40 Jahre nach der Entführung der Lufthansa-Maschine gibt es in der Bundesregierung Überlegungen, eine Verschrottung des Flugzeugs zu verhindern.</p>

Das am 13. Oktober 1977 entführte Flugzeug „Landshut“ nach der Landung in Mogadischu (Somalia). Fast 40 Jahre nach der Entführung der Lufthansa-Maschine gibt es in der Bundesregierung Überlegungen, eine Verschrottung des Flugzeugs zu verhindern.

Foto: dpa

Der Flugplatz Schäferhaus beherbergte von 1965 bis 1968 die erste Pilotenschule der Lufthansa.

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