Zwischen Tradition und Sport

Das amtierende Königshaus der Gilde beim  Schützenfest 2010. Wie wird 2011 gefeiert?Barbara Haak
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Das amtierende Königshaus der Gilde beim Schützenfest 2010. Wie wird 2011 gefeiert?Barbara Haak

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20. November 2010, 01:57 Uhr

Wittenberge | Zwischen zwölf und 85 Jahre sind die Mitglieder der Wittenberger Schützengilde alt. In der Gilde werden deutsche Meister gemacht und wird auf Tradition geschworen. Der Verein gehört mit seinen 196 Mitgliedern zu den großen in Wittenberge, ist finanziell aber auch stark belastet. In diesem Spannungsfeld muss sich der Vereinsvorsitzende behaupten. Seit der Jahreshauptversammlung Ende Oktober hat Ingo Rodowski diesen Posten inne. Die Mitglieder wählten den 57-Jährigen, der 1993 Mitglied im Schützenverein wurde, mit kaum zu überbietender Einmütigkeit. Für den "Prignitzer" sprach Barbara Haak mit Ingo Rodowski.

Sie sind täglich in Ihrem Beruf als Polizist gefordert. Warum nun auch noch der Vorsitz in der Schützengilde, der ja viel Zeit und Engagement fordert. Ihr Vorgänger im Ehrenamt, Manfred Bleß, hat das ja immer wieder vorgelebt...

Ingo Rodowski: Manfred Bleß als unser langjähriger Vorsitzender hatte sich entschieden, nicht mehr zur Wahl anzutreten. Die Gilde benötigte einen neuen Vorsitzenden. Ich gehöre seit etlichen Jahren zum Vorstand, habe mehrfach signalisiert, dass ich bereit wäre, auch noch mehr Verantwortung zu übernehmen, wollte das aber erst, wenn ich in Pension bin. Nun hatte sich die Situation aber anders entwickelt. Ich musste mich entscheiden. Es war nicht leicht, weil ja eine hohe Verantwortung damit verbunden ist. Ich habe mit Manfred Bleß und Vereinsmitgliedern gesprochen, das hat mich bestärkt.

Sie sind jetzt Chef eines Vereins mit sehr jungen und auch schon sehr gestandenen Sportschützen. Wie bekommt man die verschiedenen Interessen unter einen Hut?

Der Verein ist das Dach, das uns als Sportschützen alle eint. Ich weiß, dass es hier und da auch mal Konflikte gibt. Aber ich denke, wenn man zuhören, auf die Mitglieder eingehen kann, dann funktioniert Vereinsleben. Das Wichtigste dabei ist, dass wir alle an einem Strang ziehen.

Und in welche Richtung wird gezogen?

Wir als Vorstand möchten die Mitgliederzahl stabilisieren und nach Möglichkeit erhöhen. Ein zweiter sehr wichtiger Punkt ist die Intensivierung des Sportbetriebs.

Warum ist das so wichtig?

Die Gilde hat Kredite zu tilgen. Sie belasten uns erheblich. Mehr Mitglieder bedeuten auch mehr Beiträge. Auch der Schießbetrieb bringt Einnahmen, ich denke beispielsweise an die Standgebühren. Außerdem ist das Sportschießen ja der vordergründige Zweck unseres Vereins.

Sie sprechen von den erwachsenen Mitgliedern?

Ja, denn die 50 Kinder bzw. jungen Leute im Verein trainieren regelmäßig, bereiten sich auf Wettkämpfe vor.

Welchen Stellenwert hat der Leistungssport?

Für den Nachwuchs sind wir Landesleistungsstützpunkt des Brandenburgischen Schützenbundes. Das wollen wir unbedingt bleiben. Mit unserem Trainer Jörg Dittmann, der weitgehend ehrenamtlich arbeitet, haben wir zum Glück einen hervorragenden Fachmann. Wir sind mit ihm einer Meinung: Um Leistungsträger zu gewinnen, muss man früh beginnen. Unter meinem Vorsitz werden wir kontinuierlich wie bisher weitermachen und gleichzeitig vermehrt alle Schulen in der Umgebung zu uns einladen.

Ich möchte noch einmal auf Jörg Dittmann zurückkommen: Es ist hauptsächlich sein riesiger Verdienst, dass die Wittenberger Gilde seit Jahren deutschlandweit beim Nachwuchs mitmischt.

Stehen Leistungssport und Traditionspflege in Konkurrenz?

Derartiges Denken lehne ich grundsätzlich ab. Beides gehört zu unserem Verein. Zumal ja auch Senioren bei Meisterschaften antreten. Gleichzeitig pflegen sie die uns wichtigen Traditionen.

Zur Tradition haben sich seit Wiedergründung der Gilde gleich nach der Wende die Schützenfeste entwickelt, deren Markenzeichen es ist, für alle Wittenberger offen zu sein. Allerdings wird die Festivität von Jahr zu Jahr weniger angenommen.

Welche Konsequenzen leiten Sie und der neue Vorstand daraus ab?

So wie bisher, werden wir die Schützenfeste nicht mehr feiern können. Wenn Angebote nicht angenommen werden, muss man sich von ihnen trennen. Wir überlegen, wie künftige Schützenfeste aussehen sollen. Wer hindert uns beispielsweise daran, für uns allein zu feiern, so dass wir uns finanziell nicht verausgaben? Sehr gern kommen die Senioren zur großen Kaffeetafel zu uns. Das sollten wir beibehalten. Auch mit der Stadt wird es Gespräche geben, um das eine oder andere abzuchecken.

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