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Lokales

23. November 2017 | 10:36 Uhr

Zweierlei Maß an der Autobahn?

vom

svz.de von
erstellt am 07.Jan.2010 | 09:12 Uhr

Dämelow | Haben die Planer beim Bau der Autobahn 14 in Sachen Lärmschutz mit zweierlei Maß gemessen? Einwohner von Dämelow fordern Schutzwände und einen sanfteren Übergang an den Brückenenden, um den Lärm durch vorbeifahrende Autos und Lkw zu reduzieren - so wie an der Brücke bei Liessow. Bürgermeister Dettlef Lukat hat jetzt einen Brandbrief nach Schwerin geschickt. "Unzumutbar laut" sei der Lärm; etwas, "das so nicht akzeptiert werden kann".

Ortstermin an der A 14. Die SVZ macht den Lauschtest: Lkw fahren über die Autobahn-Brücke bei Liessow, zu hören ist in etwa 300 Metern Entfernung davon fast nichts. Ganz anders an der Mühlenbach-Brücke in Dämelow, Entfernung: 300 Meter: Hier poltert es laut, wenn ein Fahrzeug die Brücke befährt und verlässt. Zu hören bereits aus einigen Kilometern Entfernung. Zu spüren ist dies auch für den Autofahrer, der die A 14 nutzt: Poltern bei Dämelow, Ruhe bei Liessow. Noch ein Unterschied: Während die Liessower Brücke etwa einen Meter hohe Schutzwände neben der Fahrbahn hat, fehlen diese bei Dämelow.

"Warum gelten in Liessow andere Maßstäbe als in Dämelow?", fragt Johannes Nagat. Der Dämelower vermutet, "dass die Brücke noch gar nicht fertig ist". Sie sei erst einen Tag vor der offiziellen Übergabe befahrbar gewesen. Nagat und andere Anwohner sind überzeugt: Lärm-Werte bei vollem Verkehr könnten noch gar nicht gemessen worden sein. "Manche Leute im Ort denken sogar, dass die Brücke kaputt ist." Seine Kritik richtet sich an Thomas Taschenbrecker, Leiter des Straßenbauamtes Schwerin. Der hatte gegenüber SVZ erklärt: Alle Grenzwerte würden eingehalten. Nachbesserung schloss er aus.

Aber eben diese fordern die Anwohner: bessere Brücken-Übergänge, Schutzwände auf der Brücke, Wälle oder Bäume zwischen der Autobahn und dem Ort. Gemeindevertreter Dirk Wöller erklärt: "Wir kriegen nachts kein Auge mehr zu." Anwohner Reinhold Berg hat sich selbst einen Lärmschutzwall anschütten lassen - der reiche aber nicht (SVZ berichtete). Dettlef Lukat übermittelt dem Straßenbauamt Schwerin: Anwohner bezweifelten, "dass die Grenzwerte des Lärmschutzes eingehalten werden".

Offenbar ein heißes Eisen: Das Straßenbauamt verweist auf Nachfrage ans Verkehrsministerium. Von dort hieß es gestern: Lärmschutz müsse/dürfe dort angebracht werden, wo Grenzwerte überschritten werden. "Bei der Brücke in Liessow sind die Grenzwerte überschritten", so Sprecherin Claudia Hermann-Becker. In Dämelow dagegen nicht - "sodass kein Anspruch auf Lärmschutz besteht". Dies sei bereits im Planfeststellungsbeschluss festgelegt worden. Ergo: keine Wand für Dämelow.

Auch lärmdämmende Fahnbahnübergänge seien nur in Liessow notwendig. Grund: unterschiedliche Ausdehnung der Beton- und Stahlkonstruktion im Winter und Sommer. "Für die Brücke bei Dämelow bestand dieses Erfordernis nicht", so die Sprecherin. Es sei dem Straßenbauamt schlicht "nicht gestattet" gewesen, "diese kostenintensive Konstruktion einzusetzen". Auch Baumängel gebe es an der Brücke nicht.

Die Dämelower kündigten bereits an, sich mit einer solchen Antwort nicht zufrieden zu geben.

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