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Lokales

23. Oktober 2017 | 04:42 Uhr

Zwei Münchner in Rühstädt

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erstellt am 17.Sep.2010 | 07:57 Uhr

Rühstädt | In einem Vorort von München haben sie gewohnt und sich dort nicht mehr wohl gefühlt. Die Hektik störte Stephanie (34) und Peter Schiller (45), das Zur-Schau-Stellen. "Fünf Porsche in direkter Nachbarschaft, es wird dort gar nicht gegrüßt, wer mit einem Opel unterwegs ist", sagt Stephanie Schiller. Weg von der Oberflächlichkeit wollte das Paar - aber zwischen München und Rühstädt liegen 700 Kilometer.

Der Tipp "Prignitz" kam aus der Glaubensgemeinschaft der beiden. Stephanie und Peter Schiller sind Zeugen Jehovas "und hier gibt es noch nicht so viele davon", sagt die 34-Jährige. Deswegen der Weg gen Norden, die Breeser Gemeinde habe die Süddeutschen sofort freundlich aufgenommen. Fehlte nur noch eine Bleibe. Erst sollte es eine Wohnung werden, das Paar suchte im Umkreis von 50 Kilometern, aber es fand sich nichts Passendes. Dann der Besuch Rühstädts, wo die Schillers sich eine Immobilie anschauten - und nebenbei auch ihr heutiges Grundstück streiften. Aber es hieß, es sei schon verkauft. Im Internet aber wurde das Objekt weiterhin angeboten, "wir dachten, man hatte bloß vergessen, es herauszunehmen", erinnert sich Peter Schiller. Pustekuchen! Ein Anruf und es war klar, das alte Fachwerkhaus samt Scheune und Grundstück am Ortsausgang von Rühstädt war noch zu haben. Und die Schillers schlugen zu. Sofort verliebt in das Fleckchen Erde, waren sie froh darüber, dass der Grundstock in punkto Renovierung bereits getan war. Seit gut einem Jahr, seit dem 18. Juli 2009, sind die Schillers nun Rühstädter. Im sonnigen Hinterhof sitzend, bei einer Tasse Tee vor einem Meer Bauernblümchen sagen die beiden unisono: "Wir haben hier unsere Ruhe gefunden."

Aber leben müssen sie auch von etwas. Peter Schiller, der als Konditormeister zuletzt per Hand Pralinen gefertigt hat, ist heute eingeschränkt. Er bekommt aus Krankheitsgründen Frührente. Eine Ferienwohnung - sie läuft gut - bringt Geld in die Familienkasse, außerdem Stephanie Schillers selbst gemachter Schmuck. Die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte hatte bereits in München die Nase voll von ihrer Arbeit. "Ganz schnöde" sei das Aktenwälzen gewesen. Da kam die Sache mit dem Schmuck wie gerufen. Stephanie Schiller holte sich Anregungen und entwickelte ihren eigenen Stil. Die Grundlage von Ketten und Ohrringen bildet gehäkelter Silberdraht. Verknüpft mit weißen Schmuckelementen wird daraus Brautschmuck, mit dem sich Stephanie Schiller einen Namen gemacht hat. Sie verkauft unter anderem auf dem Kunsthandwerkermarkt Lenzen, auf der Plattenburg und über das Internet. Eine Arbeit auf jeden Fall, die der Rühstädterin großen Spaß bereite.

Noch klappert kein Storch auf dem Grundstück. Den Schillers genüge auch, wenn sie die Adebars von den Nachbargrundstücken hören. In Verhandlung liegen die beiden indes noch, was die Anschaffung eines Hundes betrifft. Sie möchte ja gerne, er sieht die damit verbundenen Einschränkungen. Die beiden werden sich einigen.

Schon manches Mal haben die Schillers ihre Bekannten und Verwandten durch ihre Geschlossenheit beeindruckt. Wie nur konnten sie in den Osten gehen? So war ihr Weggang aus München von Zweiflern begleitet. Heute werden die Schillers die Besucher aus dem Süden "gar nicht mehr los".

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