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Parchimer Asklepios Klinik behandelt Mädchen aus Afghanistan : Zwei Mädchen können wieder lachen

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Die Mädchen hüpfen behände auf einem Bein durch das Spielzimmer. Das konnten die afghanischen Kinder nicht, als sie im Februar in die Parchimer Asklepios Klinik kamen.

svz.de von
erstellt am 08.Apr.2011 | 08:42 Uhr

Parchim | Die Mädchen hüpfen behände auf einem Bein durch das Spielzimmer. Fröhlich mustern sie den fremden Besucher mit der Fotokamera, blicken dann kichernd nach unten. Bald werden die sechsjährige Bibi - was Mädchen heißt - Zainab und Bibi Zohra (8) auf beiden Beinen gehen. Das konnten die afghanischen Kinder nicht, als sie im Februar in die Parchimer Asklepios Klinik kamen. Auch mit der Fröhlichkeit war es nicht weit her. Inzwischen hat Dr. Rüdiger Wenzel, Chefarzt der Chirurgie und Ärztlicher Direktor, die Mädchen operiert, und sie machen große Fortschritte.

Zainabs rechter Fuß ist in ihrem Heimatland schon mehrfach operiert worden, blieb aber verkrüppelt, und vom Mittelfußknochen fehlte ein Stück. "Das war gar kein richtiger Knochen mehr, sondern eher ein Klumpen", beschreibt der Chefarzt. Fortbewegen konnte sich die Sechsjährige ihr Leben lang nur mit Gehhilfen, unterschiedlich lang, aus Holz und mit Lappen umwickelt. Die wurden in Parchim ausgetauscht, bevor Wenzel operierte. Er hat den Fuß begradigt, in den Defekt Knochenersatzmaterial eingesetzt und mit Mini-Platten befestigt. Mitte April werde der Gehgips entfernt, und dann würden die Reha-Maßnahmen intensiviert. Der Parchimer Chefarzt ist davon überzeugt, dass die Kleine künftig gehen kann. Das gelte auch für Zohra. Sie hatte eine ausgedehnte Eiterung im Knochen des linken Unterschenkels, die schon an mehreren Stellen nach außen drang. "Der Knochen war so weit zerstört, dass er irgendwann gebrochen und kaum noch Hilfe möglich gewesen wäre", erklärt der Mediziner.

Solche Diagnose werde hier nur noch selten gestellt. Infektiöse Erkrankungen könnten eine derartige Eiterung hervorrufen, die werde in der Regel aber mit einem Antibiotikum erfolgreich behandelt. Das stehe in Afghanistan vermutlich nicht ausreichend zur Verfügung. "Eine OP endet meist in der Katastrophe, weil der Knochen abstirbt", so Dr. Rüdiger Wenzel. Jetzt half allerdings nur noch eine Operation. Der Chirurg hat alles tote Material samt Infektionen entfernt und einen Ersatzknochen geformt, durchtränkt mit Antibiotikum, das den Knochen zur Neubildung anregt. Gleichzeitig baut sich das Ersatzmaterial ab. Sind Schwellung und Infektionszeichen völlig abgeklungen, braucht die Achtjährige keine Gipsschiene mehr. Physiotherapeutisch wird sie schon jetzt behandelt, damit das Kniegelenk beweglich bleibt.

Wie andere deutsche Krankenhäuser nimmt die Asklepios Klinik Parchim seit etwa zwölf Jahren schwer kranke oder verletzte Kinder aus Krisen- und Kriegsgebieten auf, vermittelt über die private Organisation "Friedensdorf international" mit Sitz in Remscheid. Zunächst aus Afrika und Südamerika, kommen die kleinen Patienten mit Frakturen, die nicht heilen, oder schwersten Knochen- und Gelenkentzündungen in den letzten Jahren aus Afghanistan. Einheimische Ärzte entscheiden, ob die Behandlung in ihrem Land möglich ist, und wählen die Kinder für die Flüge jeweils im Februar und September nach Deutschland aus. "Dabei hält sich das Friedensdorf völlig heraus, um die Leute vor Ort nicht zu brüskieren", unterstreicht Wenzel.

Von den kleinen Patienten kennt die Klinik nur die Namen, keine genauen Krankengeschichten. "Wir untersuchen die Kinder und stellen die Diagnosen", bringt es Wenzel auf den Punkt. Bei der Aufnahme stehe noch jemand zum Übersetzen zur Verfügung, danach erfolge die Verständigung mit Händen und Füßen, aber auch mit Blicken. "Kinder verstehen Mimik und Gestik sehr schnell", weiß der Mediziner. "Und sie geben sich viel Mühe, Deutsch zu lernen."

Ein afghanischer Junge, dem ein Teil eines Unterschenkels fehlte, war anderthalb Jahre in der Asklepios Klinik Parchim. Mit einer speziellen Technik wurde der Knochen täglich um einen Millimeter verlängert. "In der Zeit hat er gelernt, akzentfrei Deutsch zu sprechen. Jetzt möchte er Lehrer werden", erzählt der Chefarzt, in dessen Arbeitszimmer mehrere Fotos hängen. Auch die von Sayed und Mohammad, für die voriges Jahr in Parchim ein neues Leben auf eigenen Beinen begann. Ihre Eltern haben über "Friedensdorf international" mitgeteilt, dass es den Jungen gut geht.

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