Arriva-Verkauf : Zukunftsangst im Bahnwerk

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Der bevorstehende Verkauf des Bahn- und Busbetreibers Arriva Deutschland sorgt bei hunderten Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern für Zukunftsängste. Die Ungewissheit belaste die 140 Beschäftigten in Neustrelitz.

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01. Dezember 2010, 09:15 Uhr

Neustrelitz | Unruhe auf der Schiene: Der bevorstehende Verkauf des Bahn- und Busbetreibers Arriva Deutschland sorgt bei hunderten Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern für Zukunftsängste. Die Geschäftsführung lasse die gesamte Belegschaft im Unklaren, kritisierte Andreas Hermann, Betriebsratschef im Arriva-Bahnwerk Neustrelitz, das Verfahren. "Es gibt null Informationen." Die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmervertreter würden ins Abseits gestellt, kritisierte Konzern-Betriebsrat Hans-Jürgen Hau schild.

Die Ungewissheit belaste die 140 Beschäftigten in Neustrelitz zusehens, sagte Hermann. Das Werk, in dem hauptsächlich Lokomotiven und Triebwagen aber auch Waggons instandgesetzt werden, sei derzeit zwar gut ausgelastet. Auch gebe es in der Branche erheblichen Instandsetzungsbedarf, meinte Hermann. Keiner wisse aber, welche Zukunftschancen der Standort mit einem neuen Eigentümer habe.

Nach der 2,8 Milliarden Euro teuren Übernahme der britischen Arriva-Muttergesellschaft durch die Deutsche Bahn, hatte das Kartellamt Deutschlands Verkehrsprimus zum Verkauf der deutschen Unternehmensteile verpflichtet. Neben dem Bahnwerk Neustrelitz sind davon auch das Busunternehmen B.B. Reisen Neustrelitz, die Prignitzer Eisenbahn mit mehr als 180 Mitarbeitern (Strecke Neustadt/Dosse - Pritzwalk - Karow - Priemerburg bei Güstrow und Karow - Waren) sowie die 50-Prozent-Beteiligung an der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft ODEG betroffen, die unter anderem die Nahverkehrsstrecke Hagenow-Ludwigslust-Neustrelitz betreibt. Arriva hat sich nach eigenen Angaben mit einem Umsatz von 460 Millionen Euro im vergangenen Jahr, 30 Millionen gefahrenen Zugkilometern sowie mehr als 31 Millionen Buskilometern pro Jahr zu einem der größten privaten Verkehrsdienstleister in Deutschland entwickelt. Insgesamt bringt das Unternehmen bundesweit 240 Züge und 830 Busse auf den Weg.

Trenitalia übertrumpft Franzosen

Indes steht der Verkauf unmittelbar bevor. Dem Vernehmen nach soll am 8. Dezember eine Entscheidung fallen, heißt es beim Betriebsrat. Einem Bericht zufolge hat in dem Bieterverfahren offenbar der Bahnbetreiber Trenitalia die Nase vorn. Die Tochter der staatlichen italienischen Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato soll zusammen mit dem luxemburgischen Infrastrukturfonds Cube mehr als 300 Millionen Euro geboten haben. Nach Angaben der Bahn war in der Vergangenheit mit fünf bis zehn Interessenten verhandelt worden. Der Financial Times Deutschland zufolge sollen die Italiener ein besseres Angebot als der einzige Gegenbieter, ein Konsortium des Pariser Veolia-Konzerns und dem Infrastrukturfonds Antin, vorgelegt haben. Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte in der Vergangenheit angekündigt, die von der Europäischen Kommission erteilte Verkaufsauflage zum Höchstgebot zu erfüllen. Die Bahn will dem Bericht zufolge noch in dieser Woche den Zuschlag erteilen, bevor der Aufsichtsrat in der kommenden Woche entscheiden soll.

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