Zünftige Kulisse nimmt Gestalt an

Bodo Tick: Vom Rettungskreuzer zum Traditionsschiff 'Hamburg'
Bodo Tick: Vom Rettungskreuzer zum Traditionsschiff "Hamburg"

Die zünftige Kulisse der Sail nimmt Gestalt an. Stände und Karussells wachsen empor, der Mastenwald am Kai wird dichter. Die Männer vom Hafenamt haben alle Hände voll zu tun.

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06. August 2009, 08:50 Uhr

Rostock | "Mehr als 70 Schiffe haben bereits festgemacht", berichtet Hafenkapitän Gisbert Ruhnke, als wir seine Crew gestern Vormittag im kleinen weißen Häuschen auf der Haedgehalbinsel besuchen. Seit Montag kommen die Schiffe, sind Olaf Altmann, Jochen Drohla und Karl-Heinz Schindler im Stadthafen sowie Udo Dix und Manfred Wulf in Warnemünde einsatzbereit. Die Telefone klingeln sich heiß. Schiffe fragen nach ihren Liegeplätzen, wie sie Wasser und Strom bekommen, wo sie Müll entsorgen können. Segler sind festzumachen und in "Päckchen" zu legen. Für den mit seinem Liegeplatz unzufriedenen Skipper der "Lilleholm" werden mögliche Alternativen aufgezeigt. Das Schnellboot "Ozelot" kündigt sich für heute an, um am Querkai der Haedgehalbinsel zum Open Ship zu laden. Ein Schiff nach dem anderen trifft ein. So hat am Liegeplatz 71 gestern Morgen bereits die Schonerbrigg "Greif" festgemacht.

So wie der heimische Segler aus Greifswald ist auch Victor Gottlow mit seiner "Baltic Beauty" von der ersten Sail an als Stammgast beim bunten Spektakel in Rostock dabei. Der Schwede freut sich bereits wieder auf den Wettstreit mit der Crew um Wolfgang Fusch.

Er ist mit einigen Mitseglern am Montag in Rostock eingetroffen. Nur eineinhalb Tage hat er von Ystad benötigt. In Rostock sind einige Ausfahrten geplant, ehe am Sonntag im Rahmen der Baltic Sail als nächster Hafen das schwedische Gävle angesteuert wird. Das Schiff des 66-jährigen Skippers ist 1926 in Holland als Aalfrachter gebaut worden. 1979 hat es Gottlow gekauft und als Traditionssegler aufgebaut. Durch Veränderung des Riggs wurde aktuell aus dem Schoner eine Brigantine.

Blumen erhielt der einstige U-Boot-Fahrer gestern von der Sail-Betreuerin Henriette Thielk, die schon in den vergangenen Jahren wiederholt die "Baltic Beauty" betreut hatte, ehe sie in Schweden ihr Tätigkeitsfeld fand. Nebenan wird mit Hilfe von Hafenmeister Olaf Altmann gerade ein Schiff besonderer Art verholt.

Ehemaliger Rettungskreuzer nun TraditionsschiffDie "Hamburg" ist ein ehemaliger Rettungskreuzer. 1960 ist es auf der Weser bei Abeking & Rasmussen gebaut worden - einer von vier Einheiten, deren Typschiff "Theodor Heuss" im Deutschen Museum München zu sehen ist. Eingesetzt auf der Ostsee in Grömitz und Burgstaaken endet 1985 für die "Hamburg" der Einsatz bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Bis in die Karibik zur Yachtbergung führt die weitere wechselvolle Geschichte. Nach den Stationen Brest, Riga, Sassnitz und Wilhelmshaven ist nun Bodo Tick, ein 41-jähriger Architekt aus Saal bei Ribnitz, neuer Eigner des Kreuzers. Er hat im vorigen Jahr die Zulassung als Traditionsschiff bekommen und eine gemeinnützige SAR GmbH gebildet, die für die Rettungsgesellschaft die Werbetrommel rührt. Nach Hamburg-Övelgönne wird Rostock nun ständiger Liegeplatz sein. Ab heute heißt es Open Ship. Nachdem gestern Abend die "Gorch Fock" eintraf, wird heute gegen neun Uhr die Viermastbark "Sedov" und gegen 16 Uhr das Vollschiff "Mir" erwartet. Das Schwesterschiff "Dar Mlodziezy" muss noch auf Reede warten, bis der Kreuzliner "Saga Ruby" ausläuft.

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