Zu wenige altersgerechte Wohnungen

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14. April 2010, 12:20 Uhr

Ludwigslust / Hagenow | Der demographische Wandel in Deutschland sorgt dafür, dass altersgerechte Wohnungen immer dringender gebraucht werden. Im Landkreis Ludwigslust ist das nicht anders. Auch hier sinkt die Bevölkerungszahl, der Altersdurchschnitt steigt.

Dem steigenden Bedarf stehen jedoch nur vergleichsweise wenige Wohnungen gegenüber, die altersgerecht gebaut sind. Derzeit sind nach Angaben der IG Bau deutschlandweit etwa 250 000 Wohnungen seniorengerecht ausgebaut. Innerhalb der kommenden zehn Jahre werde der Bedarf jedoch auf 800 000 benötigte Wohnungen ansteigen. Klaus Wiesehügel, Vorsitzender der IG Bau, spricht von einem "drastischen Mangel an altengerechten Wohnungen".

Auch im Landkreis Ludwigslust machen sich die fehlenden Wohnungen für Senioren bemerkbar. "Noch sind wir nicht in der Lage, dem steigen Bedarf der nächsten Jahre zu begegnen", gesteht Harry Lutzke, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Vewoba in Ludwigslust. Derzeit gebe es 76 Wohnungen, die altersgerecht ausgebaut worden seien. Allerdings können diese Wohnungen allein den steigenden Bedarf der kommenden Jahre nicht decken. "Es muss noch eine Reihe von Veränderungen geben, in diese Richtung arbeiten wir", bekräftigt Lutzke.

Die Wohnungsbaugenossenschaft Ludwigslust ist ebenfalls gerade erst dabei, ihr Konzept umzustellen. "Sicherlich haben wir in diesem Bereich Nachholbedarf", sagt Vorstand Volker Möring. Genaue Zahlen, wie viele Wohnungen altersgerecht sind, hat er noch nicht. "Wir sind gerade dabei, das aufzunehmen", so Möring. Die Nachfrage nach Wohnungen in den unteren Geschossen sei in den vergangenen zwei Jahren jedenfalls stark angestiegen. Auch das sei ein Indiz dafür, dass in Richtung altersorientiertes Wohnen gedacht und geplant werden müsse. In diesem Jahr will die Wohnungsbaugenossenschaft noch etwa 20 Wohnungen altersorientiert sanieren.

Altersgerechtes Wohnen hat viele verschiedene Komponenten. Wichtigste ist die Barrierefreiheit. Die Wohnungen müssen also auch für gehbehinderte Menschen problemlos erreichbar sein. Treppen sollten mit einer Rampe ausgestattet sein, mehrstöckige Wohnbauten mit einem Aufzug. Außerdem sollten die Türen innerhalb der Wohnungen so breit sein, dass auch Personen in Rollstühlen oder mit rollenden Gehhilfen, sogenannten Rollatoren, passierbar sind. Badezimmer sollten mit Stützgriffen oder Haltevorrichtungen ausgerüstet sein.

Die Hagenower Wohnungsbaugesellschaft hat das Problem frühzeitg in den Blick genommen. Ab 2006 hat sie vier Häuser mit je 23 altersgerechten Wohnungen gebaut. Alle Wohnungen seien zügig vermietet gewesen, weiß der Geschäftsführer der Hagenower Wohnungsbaugesellschaft, Michael Hasche. Auch das ein Indiz dafür, wie groß der Bedarf an Wohnungen mit seniorengerechter Ausrichtung ist.

In Zusammenarbeit mit der Volkssolidarität bietet die Hagenower Wohnungsbaugesellschaft im Wohnpark "Uns Hüsung" Betreutes Wohnen. Laut Hasche zeige die schon jetzt große Nachfrage, wie dringlich die Schaffung von seniorengerechtem Wohnraum in Zukunft sei. "Wir planen weiter in diese Richtung und werden in den kommenden Jahren zusätzliche altersgerechte Wohnungen schaffen", so der Geschäftsführer zu den Plänen der Wohnungsbaugenossenschaft. In den kommenden drei Jahren sollen etwa 100 Wohnungen teils um-, teils neu gebaut werden. Den finanziellen Rahmen der Baumaßnahmen beziffert Hasche auf fünf Millionen Euro.

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