Zu wenig Leute in der Biosphäre

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26. April 2010, 06:57 Uhr

Rühstädt/Potsdam | Zu einem Dauerbrenner wächst sich die Personalsituation in der Verwaltung des Unesco-Biosphärenreservats in Rühstädt aus: Seit 1. April sind sechs der derzeit acht Planstellen besetzt, davon vier voll, eine eigentlich volle Stelle mit einem 20-Stunden-Vertrag. Auf einer weiteren Position befindet sich eine abgeordnete Mitarbeiterin aus dem Geschäftsbereich des brandenburgischen Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft, deren Entsendung zum 31. Dezember dieses Jahres ausläuft. Die Situation könnte sich weiter verschärfen, wenn im Oktober die Freistellungsphase eines in Altersteilzeit gehenden Kollegen beginnt.

Eine ernüchternde Bestandsaufnahme des Kuratoriums des Biosphärenreservates - vor allem auch vor dem Hintergrund, dass es bereits vor rund drei Jahren Kritik wegen der mangelnden Personalausstattung hagelte. Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm (Bündnis 90/Die Grünen) äußerte seinerzeit im Rahmen der Unesco-Evaluierung: "Es darf nicht im Verborgenen bleiben, dass das Schutzgebiet im Vergleich zu den anderen Biosphärenreservaten die wenigsten Mitarbeiter hat." Dietmar Schulze, seinerzeit Staatssekretär im brandenburgischen Umweltministerium, antwortete Behm: "Es gibt eine personelle Zielstruktur und die wird auch eingehalten."

Die Situation sei prekär, räumt Kurt Augustin ein. Der Abteilungsleiter Service des Landesumweltamtes verdeutlichte auf Nachfrage des "Prignitzers" aber auch, dass alle Stellen erhalten bleiben und auch besetzt werden sollen. Auf einen Termin wollte sich Augustin indes nicht festnageln lassen. "Die Gründe, wegen derer wir in Rühstädt keine stabile Einheit etablieren können, sind strukturbedingt." Offene Stellen dürften wegen des Personalüberhangs in anderen Ressorts, beispielsweise in der Forst, nur intern, also innerhalb der Landesverwaltung, ausgeschrieben werden - zumindest im ersten Schritt. Gelinge die Besetzung auf diese Weise nicht, könne über das Finanzministerium die externe Ausschreibung beantragt werden. Je kleiner die Außenstelle, um so schwieriger gestalte sich die Besetzung, sagt Augustin und ergänzt, dass es durchaus geeignete Leute im Überhangtopf des Landes gebe, sie aber nicht nach Rühstädt gehen würden.

Der Arbeit im Biosphärenreservat fällt der anhaltende Notstand in vielerlei Hinsicht auf die Füße. Die Nicht-Nachbesetzung der Stellen für nachhaltige Tourismusentwicklung sowie Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit hätte beispielsweise zur Folge, dass die Beteiligung an der Kampagne "NaturTourismus" ab 2011, initiiert von der Tourismus-Marketing-Gesellschaft Brandenburg (TMB), sterben würde. Eine Vielzahl anderer Projekte, wie Naturerlebnisroute, Wassertourismus, Grünes Band, Elberadweg oder Storchenstraße läge auf Eis. "Das bisher praktizierte Verfahren, die Stellen vorübergehend durch befristete Abordnungen oder interne Umsetzungen zu füllen, bewährte sich in der Regel leider nicht. Durch ständig wechselnde Bearbeiter sind negative Signale in die Region und darüber hinaus gesendet worden", formuliert es Kuratoriumsvorsitzender Frank Schröder in einem Schreiben an Umweltministerin Anita Tack..

Gegenüber dem "Prignitzer" bekräftigte Kurt Augustin: "Wir kümmern uns intensiv."

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