Zu wenig Klassen: Eltern wollen klagen

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18. Mai 2011, 06:39 Uhr

Pritzwalk | Beharrt das Potsdamer Bildungsministerium auf seiner Meinung, dass am Pritzwalker Goethe-Gymnasium im Sommer keine vierte 7. Klasse aufgemacht wird, die dort dann überzählig angemeldeten Kinder das Wittstocker Gymnasium besuchen müssen, wollen die betroffenen Eltern klagen. In der kommenden Woche soll es dazu ein Treffen mit einem Rechtsanwalt geben, erfuhr der "Prignitzer" gestern von Helge Reiter. Für das Pritz walker Gymnasium gibt es 89 Anmeldungen, zu viel für drei Parallelklassen, zu wenig für vier, so das Potsdamer Ministerium, das einen Frequenzrichtwert von 27 Schülern pro Klasse vorgibt.

Der Elterninitiative für eine vierte Klasse in Pritzwalk liegt seit dieser Woche ein Antwortschreiben von Brandenburgs Landtagspräsidenten Gunter Fritsch (SPD) vor. Doch auch darin heißt es, dass "das Ministerium nach Ihrem Schreiben keinen nachvollziehenbaren Grund" sieht, "der die erhebliche Unterschreitung des Frequenzrichtwertes in vier Klassen begründe". Reiter telefonierte daraufhin gestern mit dem Potsdamer Bildungsministerium, bat um einen Termin mit der Ministerin. Der sei aber, so die Aussage der Büroleiterin, aufgrund terminlicher Zwänge nicht möglich.

Auch die Reaktion der Prignitzer Landtagsabgeordneten auf das Anliegen der Eltern sei sehr unterschiedlich, so Reiter. Bis auf Holger Rupprecht (SPD) und Thomas Domres (Linke) habe es keine Rückmeldungen gegeben.

Der Schulausschuss des Kreistages Prignitz wartet bis heute auf ein Antwort aus Potsdam bzw. vom Staatlichen Schulamt Perleberg, nachdem er am 19. April per Resolution vom Potsdamer Bildungsministerium gefordert hatte, dem Staatlichen Schulamt Perleberg mehr Lehrerstellen zu bewilligen, damit am Pritzwalker Goethe-Gymnasium im Sommer vier 7. Klassen aufgemacht werden können. Dieses "Potsdamer Aussitzen auf Kosten der Schüler" könne man nicht hinnehmen, forderte Peter Hubatsch (FDP), der am Dienstagabend in Vertretung an der Ausschussitzung teilnahm.

Er, der selbst viele Jahre als Leiter des Staatlichen Schulamtes tätig war, betonte: "Wenn eine Bandbreite der Klassenstärke von 20 bis 28 reicht, dann sind 22 Schüler zulässig, dann muss man das Ministerium herzitieren". Die Reden der Politiker zur Bedeutung der Bildung scheinen für die Randregionen Brandenburgs nicht zu gelten. "Man schiebt die Verantwortung einfach den Eltern zu und lässt sie klagen", machte Hubatsch seinem Unmut Luft. Er forderte den Ausschuss auf, nicht länger auf Antwort aus Potsdam zu warten, sondern Druck zu machen, bevor die Bescheide an die Eltern ergehen.

Ausschussvorsitzender Andreas Giske (CDU) versprach, das Thema nicht erst im nächsten Kreistag am 9. Juni, sondern schon im Kreisausschuss am 26. Mai noch einmal zu thematisieren.

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