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Lokales

22. November 2017 | 10:27 Uhr

Zu wenig Deichläufer

vom

svz.de von
erstellt am 09.Mär.2011 | 06:19 Uhr

Lanz | Die Vorbereitung und Einsetzung der Deichläufer beim Hochwasser im Januar bezeichnet Siegmund Mackel als eine "Katastrophe". Der Lanzer Gemeindevertreter kritisiert mehrere Punkte. So sei die durch Gemeinde und Amt erstellte Liste der Deichläufer nicht aktuell gewesen. "Zum Teil befanden sich darauf Leute, die mittlerweile verstorben sind", sagte Mackel.

Die Bereitschaft der Einwohner, den freiwilligen Dienst überhaupt zu übernehmen, sei rapide gesunken. Um ihn abzusichern, seien vorwiegend Rentner eingesprungen. "Es ist doch unverantwortlich, einen 69-Jährigen nachts auf die 17 Kilometer lange Strecke zu schicken, aber genau das ist geschehen", so Mackel weiter. Einige Deichläufer hätten gar nicht gewusst, worauf sie zu achten haben.

Die gesamte Situation sei teils chaotisch gewesen. Der vom Amt Lenzen offiziell Beauftragte für die Koordinierung der Maßnahmen sei überfordert gewesen. Diesen Eindruck bestätigten mehrere Gemeindevertreter. "Ich halte eine Auswertung für dringend angeraten", sagte Siegmund Mackel.

Seine auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung gehaltene Einschätzung teilt auch die Abgeordnete Ilse Peukert. Der anwesende Einwohner Jürgen Ebel, selbst Deichläufer, pflichtete den Gemeindevertretern bei.

Die Vorwürfe seien protokolliert und ausgewertet worden, so Amtsdirektor Axel Wilser. "Der subjektiven Einschätzung kann ich nur in Teilen zustimmen", sagte Wilser. Die Liste der Deichläufer werde nicht ständig aktualisiert, in der Tat standen darauf zwei mittlerweile Verstorbene.

"Die Anforderungen an den Deichläuferdienst haben wir in der Gemeinde Lanz erfüllt", so Wilser. Art und Umfang werde durch das Landesumweltamt festgelegt. Fachberater seien vor Ort, würden alle Deichläufer in die Lage einweisen. "Deshalb bestreite ich, dass Deichläufer nicht wussten, worauf sie zu achten haben", so Wilser weiter.

Die Bereitschaft der Bürger zum Dienst sei in der Tat ein Problem. Es werde für die Gemeinden schwieriger, ausreichend Personal zu stellen. "Deshalb überlegen wir, wie künftig mit solchen Situationen umzugehen ist." Eine Idee sei, Deichläufer aus Gemeindeteilen zu gewinnen, die nicht direkt an der Elbe liegen. In der Gemeinde Lanz ist Lütkenwisch der einzige Ortsteil direkt am Deich. Aber niemand könne zum Dienst verpflichtet werden, Freiwillige sind notwendig.

Parallel zum Amt überarbeite der Landkreis die Maßnahmen zur Deichverteidigung. Überprüft werde in diesem Zusammenhang der Deichläuferdienst. Überlegungen zielen darauf ab, die Alarmstufen zu verändern, so dass erst bei höheren Pegelständen Läufer eingesetzt werden. Offen sei auch, ob diese wie bisher die gesamte Strecke ablaufen müssen. Hintergrund der Überlegungen ist der sehr gute Zustand des Deiches nach seiner Sanierung.

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