Kritik an Schwesig : Zu viele Fotos, zu wenig Inhalt?

Die Sozialministerin kennt die Macht der Bilder.
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Die Sozialministerin kennt die Macht der Bilder.

Mit handgewebter Einkaufstasche und Bio-Schal posierte Ministerin Manuela Schwesig für einen Fairhandel-Katalog. Mit einem Luftpunktgewehr für den Behindertensport ließ sie sich auf einer Pflegemesse ablichten.

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26. Mai 2011, 07:13 Uhr

Schwerin | Mit handgewebter Einkaufstasche und Bio-Schal posierte Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) vor wenigen Tagen für einen Fairhandel-Katalog. Mit einem Luftpunktgewehr für den Behindertensport im Anschlag ließ sie sich am Mittwoch in Rostock auf einer Pflegemesse ablichten. Nun geht die stellvertretende Vorsitzende der Bundes-SPD sogar ins kalte Ostseewasser: Am Montag lässt sich die 37-Jährige bei einem Notfalltraining von Seenotrettern aus dem Greifswalder Bodden retten. "Das ist kein Showtermin", beteuerte Ministeriumssprecher Rüdiger Ewald. Für die Ministerin sei der Tag einer ihrer sogenannten Praxistage, bei denen sie rausgehe und sich vor Ort informiere.

Die Opposition sieht das anders. "Frau Schwesig wird vom Steuerzahler nicht als Maskottchen oder Werbeträger bezahlt, sondern um die drängenden Probleme im Land zu lösen", sagte der sozialpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Ralf Grabow. Er erinnerte an den Psychiatrieplan für das Land, der auf sich warten lasse, und das Kindertagesförderungsgesetz. "Hier knirscht es heftig." Auch die Linke forderte von der Ministerin, sie solle vor lauter PR ihre Aufgaben nicht vergessen. Mahnende Worte kamen auch vom Koalitionspartner CDU. "Eine Rettungsübung sollte nicht zum PR-Gag umfunktioniert werden", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Wolf-Dieter Ringguth.

Schwesigs Ministeriumssprecher wies die Vorwürfe zurück. Das Ministerium finanziere die Ausrüstung von DRF-Luftrettung und Feuerwehr mit, sagte Ewald. Deshalb wolle sich die Ministerin vor Ort ein Bild von der Arbeit machen und damit auch das Engagement der Retter würdigen. "Dies geht nicht vom Schreibtisch aus in Schwerin." Auch vom SPD-Fraktionschef im Landtag, Norbert Nieszery, kam Rückendeckung. "Wenn die Sozialministerin ihre Popularität nutzt, um engagierten Projekten Stimme und Gesicht zu leihen, ist das absolut ehrenwert und ohne jeden Makel", sagte er.

Der Marketingexperte Jon Christoph Berndt aus München ist nicht sicher, ob der Wähler Auftritte wie das Fotoshooting oder den Sprung ins kalte Wasser honoriert. "Es ist zweifelhaft, dass sich diese Aktionen positiv auf das Markenprofil von Frau Schwesig auswirken", sagte er. "Alle Politiker haben einen Geltungsdrang", sagte Berndt. Im Grunde genommen sei dies auch in Ordnung. Schnell könne die Diskussion um die Person politische Inhalte in den Hintergrund drängen, gab Berndt zu bedenken. Er erinnerte an den bayerischen Umweltminister Markus Söder (CSU), der 2003 darüber klagte, dass das ZDF den Mainzelmännchen ein modernes Image verpasst hatte.

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