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Lokales

15. Dezember 2017 | 07:27 Uhr

Zu viel Urlaub? MV sagt Nein

vom

svz.de von
erstellt am 20.Aug.2010 | 07:05 Uhr

Schwerin | Schluss mit dem Freizeitspaß: Wirtschaftsverbände machen Deutschlands Arbeitnehmern den Urlaub streitig. Künftig sollen Beschäftigte mit vier statt bisher sechs Wochen Urlaub pro Jahr auskommen. "Sechs Wochen sind zu viel, vier Wochen reichen völlig aus", forderte Ursula Frerichs, Chefin des Unternehmerverbandes mittelständische Wirtschaft (UMV) gestern und erntete damit in Mecklenburg-Vorpommern sowohl in der Wirtschaft als auch bei Gewerkschaften und der Politik harsche Kritik.

Die Freizeit geht auch dem Verband mittelständischer Wirtschaft (BVMW) zu weit. Verbandschef Mario Ohoven plädierte für eine zeitweilige Absenkung des Urlaubsanspruchs - auf fünf Wochen. "Wir müssen unsere Besitzstände zurückschrauben, könnten die Vier-Wochen-Regelung auf Probe einführen, um den Aufschwung zu unterstützen", erklärte Frerichs. Ohoven fügte hinzu: Der Mittelstand habe wieder volle Auftragsbücher, da werde jeder gebraucht.

Der Vorschlag löst bei Arbeitnehmern in MV Kopfschütteln aus. Längere Arbeitszeiten, kürzerer Urlaub, weniger Lohn: Beschäftigte im Osten sind seit Jahren schlechter gestellt als Arbeitnehmer im Westen. Für die Mehrheit der Beschäftigten in MV würden ohnehin nur der gesetzlich verankerte Urlaubsanspruch von 20 bzw. 24 Tagen gelten, erklärte DGB-Regionalchef Thomas Fröde gestern in Schwerin: "Leistungen abzubauen, wenn es der Wirtschaft gut geht, das ist nicht nachvollziehbar." Angesichts der zunehmenden Belastung gehe es eher um eine Erweiterung der Urlaubszeit. Bei mehr Arbeit müssten mehr Beschäftigte fest eingestellt werden, forderte Fröde. Auftragsspitzen könnten zudem mit befristeten Einstellungen bei gleicher Bezahlung oder auch Zeitarbeit bewältigt werden. Allerdings habe die Leiharbeit bereits dramatische Ausmaße angenommen. In einigen Firmen sei fast jeder Dritte Beschäftigte ein Leiharbeiter, so Fröde.

Kritik auch im Unternehmerlager: Mit der Verkürzung der Urlaubszeiten könne die Wirtschaft nicht gesunden, distanzierte sich die Vereinigung der Unternehmensverbände MV von dem Vorschlag. Im Gegenteil: Der Urlaub sei zur Erholung da, sagte VUMV-Arbeitsrechtler Edgar Wonneberger. Die Arbeitsbelastungen führten heute bereits zu psychosomatischen Belastungen der Beschäftigten. Da müsse es im Interesse der Firmen sei, dass sich die Mitarbeiter ausreichend erholen könnten. Außerdem wäre das Tourismusland MV in erheblichem Maße davon betroffen, wenn die Freizeit verkürzt würde. Die Mittelstandsverbände können mit ihren Urlaubsplänen nicht einmal im Handwerk landen. Die Urlaubszeiten über die durch Gesetz gegebene Untergrenze von vier Wochen hinaus sei Ergebnis von Tarifverhandlungen, erklärte Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin. "Das sollte auch so bleiben." Für das Problem des Fachkräftemangels seien überzeugende Konzepte und keine "unausgegorenen Scheinlösungen" notwendig. Hummelsheim: "Darüber hinaus könnte sich die Forderung nach Reduzierung des Urlaubs als Bärendienst am Mittelstand erweisen, wenn dies höhere Gehaltsforderungen nach sich ziehen würde."

Kürzere Urlaubszeiten, die Diskussion sei "weltfremd", kommentierte Wirtschafts- und Arbeitsminister Jürgen Seidel (CDU) den Vorschlag. Wer eine solche Debatte führe lasse Zweifel an der Ernsthaftigkeit aufkommen. Gerade in den letzten Monaten habe das Verhältnis von Arbeitgeber und -nehmer dazu geführt, dass die Unternehmen die Krise gut überstanden hätten. Es sei falsch, das jetzt zu gefährden, meinte Seidel.

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