Rostock : Zoo-Zuschuss fehlt im Haushalt

Bauareal am Rostocker Zoo: Hier soll das Darwineum ab 2011 entstehen.NNN
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Bauareal am Rostocker Zoo: Hier soll das Darwineum ab 2011 entstehen.NNN

Schwerwiegende Abstimmungsprobleme innerhalb der Rostocker Stadtverwaltung gefährden die Finanzierung des Rostocker Zoos für das kommende Jahr. Auch der Zeitplan für Bau des Darwineums ist in Gefahr.

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09. Dezember 2010, 11:51 Uhr

Rostock | Schwerwiegende Abstimmungsprobleme innerhalb der Rostocker Stadtverwaltung gefährden die Finanzierung des Rostocker Zoos für das kommende Jahr. Wie gestern bei der Sitzung des Finanzausschusses öffentlich wurde, kursieren im Rathaus verschiedene Zahlen zum Budgetplan des Tiergartens.

Während der Wirtschaftsplan der Zoo-GmbH für 2011 eine Summe von etwa 3,5 Millionen Euro vorsieht, sind im Haushaltsplanentwurf nur 2,7 Millionen Euro vorgesehen. Der Mehrbedarf von circa 700 000 Euro ist nicht berücksichtigt. "Den haben wir mangels einer Deckungsmöglichkeit nicht in den Haushaltsentwurf eingestellt", sagte Corina Kamke, Leiterin des Kämmerei- und Finanzverwaltungsamts. Michael Dahlmann vom Amt für Management und Controlling der Hansestadt betonte indes, auf den bestehenden Mehrbedarf sei hingewiesen worden. Die unterschiedlichen Eckwerte, mit denen im Rathaus gearbeitet wird, bezeichnete der stellvertretende Ausschussvorsitzende Thoralf Sens (SPD) als "hochproblematisch".

Der Zoo hatte erst vor wenigen Wochen darauf hingewiesen, dass er für das laufende Jahr sowie für 2011 und 2012 mehr Geld benötigt als bislang vorgesehen - insgesamt etwa 1,3 Millionen Euro. Sollte eine Unterstützung durch die Stadt ausbleiben, steht nach Angaben des Zoo-Geschäftsführers Udo Nagel die pünktliche Eröffnung des Darwineums im März 2012 auf der Kippe. "Wir brauchen Geld, um den Umzug der Tiere vorzubereiten und das Marketing rechtzeitig anzuschieben", sagte er gestern. Eine von den Kommunalpolitikern ins Gespräch gebrachte mögliche Insolvenz ist nach der Aussage von Kämmereichefin Kamke für die Stadtverwaltung neu: "So etwas ist uns noch nicht vorgetragen worden." Zoodirektor Nagel bestätigte nur, dass für sein Haus Liquiditätsengpässe entstehen würden, wenn die Stadt nicht einspringt.

Attraktion soll Defizit wieder hereinwirtschaften

Der Zoo, der seit 2006 mit einem jährlichen Budget von 2,7 Millionen Euro auskommt, benötigt das zusätzliche Geld, um Begleitkosten für den Bau des neuen Menschenaffenhauses begleichen zu können. Darunter fällt zum Beispiel eine sichere Absperrung des Baugebiets. Außerdem soll ab Oktober 2011 mit dem Umzug der Tiere begonnen werden. Hier schlagen laut Nagel Kosten für zusätzliche Techniker und Pfleger sowie für Strom, Wasser und Futter schon weit vor dem Eröffnungstermin zu Buche. "Es ist einfach zu viel, was wir insgesamt schultern müssen", so Nagel. Zu schaffen macht dem Tiergarten auch ein Rückgang bei den Besucherzahlen. Verzeichnete er zwischen 1992 und 2008 noch einen stabilen Anstieg von etwa zwei Prozent, brach die Besucherzahl seit der Eröffnung des Ozeaneums in Stralsund ein. "Hinzu kam ein harter Winter. Da ist uns die Luft ausgegangen", so Nagel. Weil so die erwarteten Einnahmen ausblieben, können jetzt die Kosten nicht mehr abgefangen werden. Der Zoo-Geschäftsführer ist sich allerdings sicher, dass die Zahlen nach der Eröffnung des Darwineums um ein Drittel in die Höhe schnellen werden.

Dementsprechend will er die städtische Unterstützung ab 2013 wieder auf 2,7 Millionen Euro jährlich zurückfahren und ab 2018 die jetzt so dringend gebrauchte Finanzspritze zurückzahlen. "Das können wir erst, wenn die neue Attraktion richtig läuft", sagt der Zoochef. Das Großprojekt Darwineum kostet insgesamt 25 Millionen Euro. Die Finanzierung des Baus an sich ist durch Spenden und Gelder vom Land gesichert.

Über die erhöhten Baubegleitkosten hatte der Finanzausschuss gestern keine Entscheidung zu fällen. Letztlich beschließt die Bürgerschaft den Wirtschaftsplan zusammen mit dem Haushalt für 2011. Bis dahin, so die einhellige Meinung der Finanzbeauftragten der Bürgerschaft, müsse die Verwaltung einheitliche Zahlen vorlegen. "Es geht nicht, dass am Tisch des Finanzausschusses zunehmend Diskussionen geführt werden, die in die Verwaltung gehören", so FDP-Fraktionsvize Thomas Asendorf. Auch CDU-Fraktionschef Dieter Neßelmann machte seiner Verärgerung Luft: "Ich erwarte einen einheitlichen Vorschlag, der zwischen Oberbürgermeister und dem Senatsbereich Finanzen erarbeitet wird. Erst dann sind wir in der Lage, über das Problem zu befinden."

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