Zoff um TV-Duell: Linke schaltet sich per Internet zu

<strong>Will in die Staatskanzlei, darf aber nicht zum Duell:</strong> Linken-Fraktionschef Helmut Holter (57).<foto>dpa</foto>
Will in die Staatskanzlei, darf aber nicht zum Duell: Linken-Fraktionschef Helmut Holter (57).dpa

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25. August 2011, 07:16 Uhr

Schwerin | "SCHÖNER mit uns", damit will die Linkspartei im Wahlkampf punkten. Doch nun fühlt sich ihr Ministerpräsidentenkandidat vom Wahlkampf ausgeschlossen. Und das ausgerechnet vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Wenn am nächsten Dienstag die Matadore von SPD, Ministerpräsident Erwin Sellering, und CDU, Innenminister Lorenz Caffier, zum Fernsehduell beim Norddeutschen Rundfunk aufeinandertreffen, dann ist Helmut Holter nicht dabei. Der NDR findet nämlich: Das Fernsehduell sei schöner ohne die Linkspartei. Und das sorgt schon seit Wochen für ordentlich Zoff hinter den Kulissen.

"Der NDR veranstaltet ein Duell, welches keines ist", poltert Links-Fraktionschef Helmut Holter. "Wenn sich zwei Regierungsparteien streiten und der Chef der Opposition im Landtag nicht dabei ist, was soll da herauskommen?" Für Holter ist das weder ein Angebot an die Zuschauer, noch ein Angebot an die Wähler. "Mit Demokratie hat das nichts zu tun. Demokratie lebt vom öffentlichen Wettbewerb."

Jetzt schlägt die Linke zurück: Weil ihr Kandidat vom TV-Duell ausgeschlossen ist, schaltet sie aus einem Studio in ihrer Rostocker Parteizentrale ihren Spitzenkandidaten live und online zu. Holter will sich direkt in das Frage- und Antwortspiel von Sellering und Caffier einschalten. Der Coup: Gregor Gysi moderiert das linke Event am nächsten Dienstag von 21 bis 22 Uhr unter www.die-linke-mv.de.

Vorausgegangen war ein Disput und Schriftwechsel zwischen Gysi als Chef der Bundestagsfraktion und NDR-Intendant Lutz Marmor. Dieser begründet: "Letztlich entscheidend für die Einladung zum TV-Duell ist aus Sicht des NDR die Einschätzung, welcher Spitzenkandidat neben dem Amtsinhaber eine Chance hat, Ministerpräsident zu werden." Holter habe zudem ein Angebot für die Sendung "DAS" angenommen. Das bringt die Linke auf die Palme. "In Sachsen wurde der Vertreter der SPD zum Duell eingeladen, die aber weniger als 10 Prozent der Stimmen erhielt", schreibt Gysi zurück. Auch in Berlin gibt es beim RBB vor den Wahlen ein Spitzenduell zwischen SPD und CDU und eines zwischen SPD und Grünen, keines jedoch mit der Linken.

Andreas Cichowicz, NDR Chefredakteur Fernsehen, der die Sendung moderiert, hält dagegen: "Für die CDU besteht am ehesten die Chance, den Vorsprung der SPD wettzumachen. Dagegen erscheint dies für die Linkspartei nicht realistisch. Da andererseits die CDU bereits eine Koalition mit der Partei Die Linke ausgeschlossen hat, kann Die Linke ihren Kandidaten auch nicht mithilfe der CDU ins Amt des Ministerpräsidenten wählen lassen."

Die Linke würde zielgerichtet vom öffentlich rechtlichen Rundfunk ausgeschlossen, sagt Gysi. Das klingt nach Krieg. Holter droht: "Es gibt eine Zeit nach dem 4. September. Wir werden uns mit dieser Haltung auseinandersetzen." Landeschef Steffen Bockhahn sieht sogar "den Auftrag des NDR-Staatsvertrags nicht erfüllt". Nun mache die Linke ihr eigenes Angebot.

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