Zittern von Antrag zu Antrag

Ein Leben in der Schwebe: Alle paar Monate muss Nadine Bindrich (28) beim Jugendamt eine neue Ausnahmegenehmigung beantragen - für Tochter Fenja, die jetzt drei wird und deswegen eigentlich von der Tagesmutter in eine Kita wechseln muss. Unmöglich für die Langhagenerin, die in mehreren Schichten arbeitet - und dies auch weiter tun will.

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27. März 2009, 08:13 Uhr

Langhagen | Fenja wird am 13. April drei Jahre alt. Ein schöner Tag, wäre da nicht das Wissen von Mutter Nadine Bindrich darüber, dass das Gesetz von dort an anders ticken wird. Fenja, die jetzt tagsüber unter den Fittichen von Tagesmutter Silke Hoffstädt ist, soll laut Gesetz in eine Kindertagesstätte gehen. Unmöglich für Nadine Bindrich, die als ambulante Krankenschwester in Teterow zu unregelmäßigen Zeiten arbeitet: "Die Patienten bestimmen bei uns die Dienste." Für diese Fälle sieht das Kinderförderungsgesetz Mecklenburg-Vorpommern Ausnahmeregelungen vor. So heißt es vom Sozialministerium, dass die Tagespflege weiterhin gestattet werden soll, "sofern die Öffnungszeit der Einrichtung beziehungsweise der Zugang zu dieser aus Gründen der Erreichbarkeit unzumutbar ist". Und weiter: "Über die Bewilligung entscheidet der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe nach Prüfung der sozialen oder familiären Voraussetzungen des Einzelfalls."

Ansprechpartner für Nadine Bindrich ist das Jugendamt Güstrow. Dies hat geprüft und nun für ein halbes Jahr eine Ausnahmeregelung gestattet. Sachgebietsleiter Gerd Schumacher: "Wir behalten uns vor, den konkreten Fall immer wieder neu zu prüfen." Schließlich könne das Jugendamt nicht wissen, wie es in einem halben Jahr um die familiäre Situation steht. Das Sozialministerium Schwerin bezeichnet diese Verfahrensweise als "keine gängige Praxis". Zitat: "Sollten sich Änderungen in der familiären Situation (z.B. erwerbsbedingt) ergeben, ist der Leistungsberechtigte ohnehin verpflichtet, diese dem örtlichen Träger mitzuteilen."

Dass sich Nadine Bindrich einen weiteren Antrag sparen könne, weil eine Ausnahme eine Ausnahme bleibe, habe Schumacher so nicht gesagt. Er betont jedoch, dass das Jugendamt Eltern nur begleitet und deren Pflicht nicht ersetze und, "dass sich mit der Berufswahl schon entscheidet, wie man sein Leben gestalten möchte". Nadine Bindrich, die mit ihrem Partner vier Kinder - "meine, deine und unsere" - hat, will auf jeden Fall weiter arbeiten: "Hartz IV kommt nicht in Frage."

Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, habe Nadine Bindrich laut Schumacher "die gleiche Chance wie alle anderen Mütter, erneut eine Genehmigung zu bekommen". Davon ab stelle sich für sie weiter die Frage, warum die Vorschule bei Tagesmüttern - sie ist mit Grundlage für die Drei-Jahres-Regel - nicht den gleichen Wert wie die in Kitas hat. Schumacher: "Bei einer Tagesmutter sind familiengleich verschieden-altrige Kinder zusammen." Macht sie dann nur Vorschule mit einem Kind, fehle diesem das soziale Lerngefüge. Im späteren Leben müssten Kinder in einer Gruppe klarkommen und auch zurückstecken können.

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