zur Navigation springen

Archäologie Lokal : Zeugnisse einer Grabower Zeitreise

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Archäologe Rolf Schulze fand ungewöhnliche Skelette und Überbleibsel aus dem Museum.

svz.de von
erstellt am 09.Dez.2015 | 12:00 Uhr

Ungewöhnliche Skelettfunde auf dem Areal vor der Kirche, sensationelle Entdeckungen bei der Untersuchung der Baugrube neben dem Rathaus – für den Schweriner Archäologen Rolf Schulze war der mehrwöchige Einsatz in der Stadt an der Elde eine besondere Zeitreise.

„Was die beiden Grabungen an verschiedenen Stellen betraf, war das aus archäologischer Sicht eine sehr interessante Sache. Bei den freigelegten Skeletten auf dem Areal des früheren Friedhofs, die aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen, konnte man anhand der sterblichen Überreste sehr viel über die Menschen aus jener Zeit erfahren“, so der erfahrene Archäologe. Aus den Funden und den unterschiedlichen Bestattungsritualen ist aus Sicht von Rolf Schulze viel über die Erfahrung und den Umgang mit dem Tod und den damaligen Glaubensvorstellungen abzuleiten. So berichtete der Archäologe von einem Toten, dem eine Sonderbestattung zuteil wurde.

„Dem Toten, es handelte sich um einen Jugendlichen von 13 bis 15 Jahren, hatte man einen Stein in den Mund gelegt zur Abwehr eines Nachzehrers.“ Nachzehrern wurde laut Aberglauben nachgesagt, dass sie im Grab ihr eigenes Leichentuch essen und dadurch den Lebenden ihre Lebenskraft entziehen. „Wenn man die Toten so vor sich sieht, dann können wir doch sagen, dass wir heute in einer privilegierten Zeit leben, weil damals viele vor ihrem 40. Lebensjahr starben und darunter auch viele Kinder waren.“

Zudem seien die Funde heimatgeschichtlich sehr interessant, weil es sich bei den Beerdigten um Vorfahren der jetzigen Grabower handelt. Die Skelette sind zum größten Teil sehr gut erhalten, auch die Überreste der Holzsärge. „Etwa 30 Skelette wurden geborgen, es sind aber auch viele im Boden geblieben, weil eine Umbettung im Zuge der Bauarbeiten nicht notwendig war.“ Als Fundgrube im wahrsten Sinne des Wortes erwies sich auch das Baufeld am Rathaus. Im Keller des Fachwerkhauses, in dem sich bis Ende des 2. Weltkrieges die Polizeistation und das alte Heimatmuseum befanden, wurden viele Porzellanfiguren gefunden. Auch eine Nähwerkstatt, die in den Inventarbüchern des Museums erwähnt wird, kam zum Vorschein. „In weiteren Schichten des Bodens aus dem freigelegten Keller haben wir Degen gefunden und auch viele Gegenstände, die aus dem Museumsbestand stammen.

So ist zum Beispiel die Nähmaschine aus der Werkstatt komplett restaurierbar. Ebenso würde ein geschickter Restaurator die metallenen Überreste der alten Grabower Zunftlade wieder in Form bringen können.“ Inzwischen sind alle Fundstücke dem Grabower Heimatmuseum übergeben worden. „Sie sind alle bei uns im Lager untergebracht“, war von Hannelore Huth, der Museumsleiterin zu hören. „Wir werden alle Teile in Ruhe sichten und schauen, was zusammengehört“, ergänzt Hannelore Huth. Und dann wird es 2016 vielleicht eine spezielle Ausstellung dazu geben.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen