Zettel mahnten zur Hygiene

Rainer Blumenthal vom  Stadtarchiv zeigt einen der Handzettel, die während der Ruhr-Infektionswelle im Herbst 1964 in Schwerin verteilt wurden. Rainer Cordes
Rainer Blumenthal vom Stadtarchiv zeigt einen der Handzettel, die während der Ruhr-Infektionswelle im Herbst 1964 in Schwerin verteilt wurden. Rainer Cordes

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30. Mai 2011, 08:53 Uhr

Schwerin | 23. September 1964: "Noch Quaran täne", so laute t an diesem Tag ein e Schlagzeile in unserer Zeitung. Der Inhalt des Artikels hat es in sich: Es geht um eine Sitzung der städtischen Seuchenkommission. "Im Stadtgebiet sind bisher drei Hilfs kran ken häuser eingerichtet, und zwar in der Kinderkrippe Schloßgartenallee 4, im Internat Paulshöhe und im In ternat in Krösnitz", heißt es in dem Bericht. Und weiter: "Durch die Mitarbeit von 60 Mediz instudenten der Rostocker Universität, durch Studenten des Pä dago gischen Inst ituts Schwerin sowie durch Studenten der Medi zinischen Schule Schwerin ist eine ordnungs gemäße Versorgung der in diesen Häusern untergebrachten Patienten gewährleistet. Die Einrichtung der Hilfskrankenhäuser ermöglicht, daß alle an Durchfall er krankten Menschen sofort eingeliefert und entsprechend behandelt werden können."

Angesichts der aktuell weiterhin steigenden Zahl von Infektionen mit dem gefährlichen EHEC-Darmerreger fühlen sich viele ältere Schweriner an die Welle von Ruhr-Erkrankungen erin nert, die im Herbst 1964 die Stadt er schütterte. Rund 2300 Personen seien seinerzeit betroffen gewesen, schildert Rainer Blumen thal vom Schweriner Stadtarchiv. Diese Zahl gehe aus dem Protokoll der Seuchenkommissionssitzung vom 11. November 1964 hervor.

Vor allem Kinder hätten unter Durchfall gelitten, sagt Blumenthal, der damals selbst Schüler war. "Ich kann mich noch darauf besinnen, dass bestimmte Schulen unter Quarantäne gestellt wurden und erkrankte Krippen-Kinder nicht nach Hause konnten." Per Handzette l seien die Bürger zum Einhalten von Hygienebestimmungen auf ge fordert worden, so der Archiv-Mitar beiter. "Jeder auftretende Durchfall ist z. Z. ruhrverdächtig, und jeder Bürger ist verpflich tet, das Auftreten von Durchfällen einem Arzt zu melden. Die Un terlassung dieser Meldung kann für den Betroffenen selbst und seine Um gebung schwerwiegende Folgen haben", stand unter anderem auf den verteilten Zetteln .

Zehn Patienten mit Darmkeim in den Helios-Kliniken

Fünf EHEC-Fälle sind dem Schweriner Gesundheitsamt bisher gemeldet worden, darunter zwei Verdachtsfälle. Insgesamt zehn Personen werden aktuell in den Helios-Kliniken in der Landeshauptstadt behandelt. "Sechs Patienten sind schwer erkrankt", sagte gestern Tanja Velter von der Helios-Unternehmenskommunikation. In vier Fällen litten die Betroffenen an dem so genannten Hämoly tisch-Urämischen Syndrom (HUS), einer besonders schweren Form der Infektion.

Die Stadt sei auf eine mögliche wei tere Ausbreitung des EHEC-Erregers vorbereitet, hieß es am Montag. Der Kommunale Pandemieplan werde ständig aktualisiert und fortgeschrieben. Auch in der derzeitigen Situation gäbe es eine enge Zusammenarbeit mit Einrichtungen des Landes und des Bundes. "Wir erhalten ständig die fachlichen Informationen vom Robert-Koch-Institut und dem Landesamt für Gesundheit und Soziales", so Stadtsprecherin Michaela Christen.

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