Fahrschein-Wirrwarr in Nordwestmecklenburg : Zentraler Busbetrieb bleibt Wunsch

Die Kreisstadt Wismar: Dort wird der Eigenbetrieb Nahverkehr den öffentlichen Personennahverkehr koordinieren.zeigert
Die Kreisstadt Wismar: Dort wird der Eigenbetrieb Nahverkehr den öffentlichen Personennahverkehr koordinieren.zeigert

Einen regionalen Busbetrieb im gesamten Landkreis für den ÖPNV wird es auch ein Jahr nach der Gebietsreform noch nicht geben. Folglich müssen sich die Bürger bei drei unterschiedlichen Busunternehmen informieren.

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19. September 2012, 11:35 Uhr

Grevesmühlen | Einen regionalen Busbetrieb im gesamten Landkreis für den öffentlichen Personennahverkehr wird es auch ein Jahr nach der Gebietsreform mit Wismar noch nicht geben. Folglich müssen sich die Bürger allein im Nordwesten bei drei unterschiedlichen Busunternehmen über Tourenpläne, Fahrzeiten und Sonderausweise informieren.

Die Aufgabenbündelung scheint aus Kreissicht kompliziert. Landrätin Birgit Hesse verwies gestern gegenüber der SVZ auf die Fragen zur Vermögensauseinandersetzung wie sie aktuell mit Wismar vor dem Abschluss stehen. Hesse: "Wir sind bei den Fragen zum öffentlichen Personennahverkehr einen wesentlichen Schritt vorangekommen." Mögliche Ziele, wie ein alleiniges kommunales Unternehmen im Nordwesten, könne man verfolgen, wenngleich solch ein Projekt "sich nicht ohne private Unternehmen realisieren lässt", betont Hesse.

Klar geregelt scheinen die Personalfragen. Stefan Lösel, bislang Betriebsleiter Eigenbetrieb Nahverkehr des Landkreises Nordwestmecklenburg, soll auf Vorschlag der Landrätin jetzt zum Leiter des Eigenbetriebes Nahverkehr Nordwestmecklenburg und Hannelore Hartmann als seine Stellvertreterin bestellt werden. "Das macht Sinn. Beide sind Wegbereiter und kennen sich besten aus" , so Hesse.

Ein Jahr nach der Gebietsreform mit der Hanse- und neuen Kreisstadt Wismar wird der Kreistag am morgigen Donnerstag auch die Teilvermögensauseinandersetzung um Busse und Betriebsstätten wie den Zentralen Busbahnhof Wismar absegnen. "Uns liegt ein öffentlicher Vertrag zur Unterzeichnung vor", sagt die Landrätin. Grund: Der Landkreis wird künftig im Stadtgebiet von Wismar die Aufgaben des öffentlichen Personennahverkehrs wahrnehmen.

Zur Sicherstellung der Aufgaben hat der Landkreis den Eigenbetrieb Nahverkehr Nordwestmecklenburg gegründet. Der nutzt bereits Betriebsstätten, Busbahnhöfe und Fahrzeuge im Hoheitsgebiet von Wismar. Was fehlte, war ein Vertrag und der soll nun besiegelt werden. Der klärt zugleich Fragen der Finanzierung.

Zirka 100 000 Euro monatlich erhält der Eigenbetrieb Nahverkehr Nordwestmecklenburg künftig an Zuweisungen und Zuschüssen für laufende Verbindlichkeiten. Für den Betriebshof in Wismar werden 60 000 Euro jährlich sowie 36 000 Euro monatlich für Nebenkosten fällig. Zur Nutzung des Zentralen Omnibusbahnhofes in Wismar legt der Kreis gegenüber Wismar 25 000 Euro oben drauf und beteiligt sich nun mit jährlich 75 000 Euro an den laufenden Kosten.

Klar geregelt ist die Übereignung der Linienbusse. Die Aufwendungen belaufen sich auf 761 000 Euro bei 753 000 Euro Kreditverbindlichkeiten. Somit werden 8 000 Euro an Wismar gezahlt. Weitere 95 000 Euro werden nach Rechnung des Kreises für die Übereignung sonstiger Vermögensgegenstände fällig.

Landrätin Birgit Hesse stufte die Vereinbarung gestern als Erfolg und richtungweisend bezüglich der Auseinandersetzungen mit der Hansestadt ein. Kritik wurde gegenüber dem Land laut, denn der "Gesetzgeber hat die Kreise bei der Vermögensauseinandersetzung allein gelassen und lediglich Hinweise, aber keine verbindlichen Regelungen erlassen", betont Hesse. Damit sei nachvollziehbar, dass jeder Verhandlungspartner in erster Linie seine Interessen vertritt. "Angesichts der komplexen Themenfelder brauchen wir einfach Zeit. Es geht nicht um wenig Geld", so Birgit Hesse.

Das trifft insbesondere bei der nun nicht fristgerecht laufenden Klärung der Vermögensfragen bei den Schulen wie Gymnasien zu. Hesse: "Schulen und Sporthallen stehen außen vor." Im Auftrag des Städte- und Gemeindetages werden Gutachter die Bewertung der Immobilien vornehmen, bevor Wismar und der Nordwestkreis nach der "Hochzeit" im September 2011 erneut am Verhandlungstisch Verträge zur Regelung der Vermögensfragen ausarbeiten.

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