Festspiele MV präsentiert „Junge Elite" : Zwischen Klavierklang und Saitenspiel

<fettakgl>Sein stetiger Begleiter:</fettakgl> das Violoncello. Im Alter von sechs Jahren begann Narek Hakhnazaryan sein Cellospiel. Hier im Duett mit seiner Mutter Gayane Akhnazaryan. <foto>Foto: Panknin</foto>
Sein stetiger Begleiter: das Violoncello. Im Alter von sechs Jahren begann Narek Hakhnazaryan sein Cellospiel. Hier im Duett mit seiner Mutter Gayane Akhnazaryan. Foto: Panknin

Ein besonderes Konzert begeisterte die Besucher der Dobbertiner Klosterkirche: Narek Hakhnazaryan spielte großen Finale seines Junge Elite-Konzertes beim ein Stück von Niccolò Paganini - auf einer einzigen Saite.

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13. Juli 2012, 10:00 Uhr

Dobbertin | Stille herrscht in der Dobbertiner Klosterkirche an diesem Abend. Kaum ein Atemzug ist zu vernehmen. Spannung liegt in der Luft. Der erste Teil des Junge Elite-Konzertes hat das Publikum bereits gefesselt. Vor allem der Künstler, Narek Hakhnazaryan, ein armenischer Cellist, hat sie in seinen Bann gezogen. In der Pause tummeln sich die Konzertbesucher in den Kreuzgängen oder im Innenhof herum. Zahlreiche Musikliebhaber sind an diesem Abend erschienen. Sie alle waren neugierig, was sie erwarten wird. Doch nach dem ersten Teil sind sie alle zufrieden. Haben bislang ein schönes Konzert gehört. Ein besonderes Konzert mit viel Tiefgang. Schubert, Chopin und Franck standen im Programm-Heft. Doch die Mehrheit wollte vor allem eines erleben: etwas Besonderes. Narek Hakhnazaryan erfüllte ihnen den Wunsch - beim großen Finale seines Junge Elite-Konzertes in der Dobbertiner Klosterkirche. Er spielte ein Stück von Niccolò Paganini - auf einer einzigen Saite.

Narek Hakhnazaryan gibt seiner Mutter Gayane Akhnazaryan ein Zeichen. Sie beginnt am Flügel zu spielen. Das Konzert ist an diesem Abend ein Besonderes - ein künstlerisch Wertvolles, ein musikalisch Anmutendes, doch vor allem ein familiäres Zusammenspiel. Das Klavierspiel der Mutter steht nicht im Vordergrund, sie nimmt sich zurück. Gayane Akhnazaryan beherrscht das Spiel am Klavier, beherrscht die schwarz-weißen Tasten des Flügels.

Zunächst liegt nur der Klang des Klavierspiels in der Luft. Narek Hakhnazaryan schließt die Augen, scheint ganz bei sich zu sein. Lebt die Musik. Sanft streicht er über die eine Saite seines Violoncellos. Wird dann kräftiger. Die Finger seiner rechten Hand gleiten mal schnell, mal langsam über die Saite. Narek Hakhnazaryan erzeugt auf einer einzigen Saite Töne - mal hoch, mal tief. Sein gesamter Körper bewegt sich. Das Zusammenspiel von Cello und Klavier neigt sich dem Höhepunkt zu. Dann plötzlich ist es vorbei. Bravo-Rufe ertönen in der Dobbertiner Klosterkirche, die von der Decke und den Wänden widerhallen. Der junge Armenier verbeugt sich - ihm ist anzusehen, dass er geschafft ist, spielt er doch mit vollem Körpereinsatz.

Die gesamte Klosteranlage in Dobbertin liegt wie eine Einheit am See. Ruhe, Stille zieht sich durch den Abend. Nicht zum ersten Mal ist diese Anlage Kulisse für die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Bereits zum siebten Mal sind die Festspiele MV in Dobbertin. Doch die Male davor haben die Konzerte immer draußen im Innenhof stattgefunden. Doch an diesem Abend sollte auch die Klosterkirche einmal im Mittelpunkt eines Konzertes stehen. Im Altarraum steht eine Bühne, darauf ein schwarzer Flügel - ein Steinway &amp; Sons. An diesem wird Gayane Akhnazaryan Platz nehmen und zu einer musikalischen Einheit mit ihrem Sohn, Narek Hakhnazaryan, werden.

Mit zwölf Jahren begann der heute 23-Jährige sein Violoncello-Studium - am Moskauer Konservatorium. Im vergangenen Jahr bekam der Armenier eine Goldmedaille und einen ersten Preis ausgehändigt. Denn er überzeugte die Jury beim 14. Internationalen Tschaikowski-Wettbewerb. Nicht nur die Jury des Wettbewerbs überzeugte Narek Hakhnazaryan, auch die Dobbertiner Konzertbesucher fesselte er an diesem Abend mit seinem außergewöhnlichen Spiel. Schon nach dem ersten Teil des Konzertes waren die Gäste begeistert von ihm. Hella und Alfred Brosch aus Bielefeld kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: "Es gefällt uns sehr gut. Die Akustik, aber vor allem der Musiker. Das ist bemerkenswert, wie er spielen kann." Seit vielen Jahren besucht das Ehepaar Konzerte der Festspiele MV. "Wir haben hier unsere Wahlheimat gefunden. Sind immer häufiger in Mecklenburg-Vorpommern", verdeutlicht Alfred Brosch. An diesem Abend mal allein zu einem Konzert gereist, ist Annamaria Düvel aus Güstrow. Denn sonst fährt sie immer in einer Gruppe zu einem Konzert - bestehend aus fünf Leuten. Doch dieses Mal sind alle im Urlaub, außer Annamaria Düvel, die den jungen Cellisten gar nicht genug loben kann. "Das Konzert ist großartig. Dieser Cellist ist einfach wunderbar. Seine Vertieftheit in die Musik ist einfach schön mitanzusehen."

Nach gut eineinhalb Stunden ist das musikalische Spektakel beendet. Die Musik klingt langsam und leise aus. Narek Hakhnazaryan und Gayane Akhnazaryan verbeugen sich tief vor dem Dobbertiner Publikum. Doch genug haben die beiden Musiker noch nicht. Gehen noch einmal von der Bühne ab, um dann zurückzukommen - für eine Zugabe. Wieder spielt der junge Cellist nur auf einer Saite - mit einem Lächeln im Gesicht.

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