Mehrgenerationenhäuser in der Region : Zwischen den Fronten

Vermissen Unterstützung vom Land: Koordinatoren der 22 Mehrgenerationenhäuser in MV.
Vermissen Unterstützung vom Land: Koordinatoren der 22 Mehrgenerationenhäuser in MV.

Fazit des Koordinatoren-Treffens in Lübz: Mehrgenerationenhäuser brauchen finanzielle Unterstützung

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22. März 2018, 05:00 Uhr

Wenn es um die Zukunft geht, geht es immer auch ums Geld. Das war beim jüngsten Treffen der Koordinatoren von Mehrgenerationenhäusern (MGH) in Lübz nicht anders. Vierteljährlich tauschen sich die Vertreter der landesweit 22 Einrichtungen aus. Über Projekte, Konzepte, Ecken und Kanten der Finanzierung, Ideen und Strategien, die Häuser in sicheres Fahrwasser zu bringen.

Es gibt Ausnahmen, in aller Regel aber finanzieren sich MGH über ein 2007 aufgelegtes Bundesförderprogramm. 30 000 Euro pro Jahr und Haus kommen aus Berlin. Darüber hinaus – dazu mussten sich die Trägerkommunen verpflichten – ein jährlicher Obolus von 10 000 Euro aus den jeweiligen Stadtkassen. „Das Geld reicht nicht für die generationsübergreifende Arbeit und die Angebote, die wir machen“, sagt Brigitte Seifert, Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses Torgelow und MGH-Sprecherin. Die Runde pflichtet ihr bei. Die Koordinatoren, viele seit Jahren dabei, wissen, nicht die Personalkosten sind der Golem. In den MGH lag und liegt die Arbeit zu 80, 90 Prozent auf den Schultern ehrenamtlicher Mitarbeiter. Nur die wenigsten sind festangestellt.

Seit der Bund sein Förderprogramm für Mehrgenerationenhäuser auflegte, hält sich das Land bedeckt. Im Landeshaushalt werden mit einem jährlichen Budget lediglich Familienzentren berücksichtigt, sagt Brigitte Seifert. „Die Mehrgenerationenhäuser brauchen jedoch ebenso Unterstützung. Wir wollen, dass sich das Land da klar positioniert. Zum Beispiel mit 5000 oder auch 10 000 Euro pro Jahr und Haus.“ Die fehlende Berücksichtigung im Haushalt mag daran liegen, dass das Bundesprogramm einst vom „von-der-Leyen“-Ministerium aufgelegt wurde, die Familienzentren dem SPD-geführten Schweriner Landesministerium nahe stehen. Fakt ist, so die MGH-Sprecherin „unsere Häuser und die Familienzentren sind inhaltlich ganz ähnlich aufgestellt.“ Das Land profitiere demzufolge auch von beiden Einrichtungsformen. Sie bereichern die Angebote in den Sozialräumen für jedes Alter. Auch das gehöre zur Daseinsvorsorge.

Das Thema ist brandaktuell. Bis 2020 läuft das Bundesprogramm. Wie es danach weitergeht, weiß heute noch niemand zu sagen. „Wir sind interessiert an einer Verstetigung der MGH im Land, wollen möglichst komplett weg von projektbezogener Finanzierung und damit nicht zuletzt mehr Nachhaltigkeit nachgefragter Angebote“, so Kerstin Lorenz, Koordinatorin des MGH in Lübz und Teamleiterin. Wie das Lübzer halten auch alle anderen MGH unterschiedlichste Angebote generationsübergreifend vor. Von Anfang an läuft hier etwa der offene Treff mit Stadtfrühstück und Mittagstisch. Ein Ort, an dem man sich unabhängig von Alter und Herkunft treffen und austauschen kann. Es gibt die kulturelle Schiene mit Lesungen, Konzerten, Kabarett, kreative Angebote für alle Altersgruppen, die Kartenspieler, die Singegruppe, den Seniorentreff… Und die MGH investieren Zeit und Engagement in Projekte. „Die versuchen wir so zu gestalten, dass sie nach ihrem Ende problemlos fortgeführt werden können, sofern Interesse besteht“, so Kerstin Lorenz. MGH zum Selbstzweck? Nein. Anliegen ist es generell, mit den Angeboten und Projekten Interessen aufzufangen und umzusetzen. Die Stadt Lübz, Eigentümer des Hauses, macht seine finanzielle Unterstützung auch davon abhängig. Wichtiges Thema des Treffens war deshalb auch die Sozialraumanalyse als Methodik der generationsübergreifenden Arbeit. Welche wiederum Grundlage der Bemühungen aller MGH ist, in ihrem Sozialraum ein Angebot vorzuhalten, das tatsächlich nachgefragt wird. „Die MGH allein schaffen das nicht. Diese Analyse kann nur in Zusammenarbeit mit den Städten umgesetzt werden. Uns fehlen dazu nicht nur die Mittel, sondern auch die Fachleute und die Möglichkeit der wissenschaftlichen Auswertung“, so Kerstin Lorenz.

Um ihre Forderung ans Land an die richtige Adresse zu bringen, favorisieren die MGH-Koordinatoren einen parlamentarischen Abend. Die Landtagsabgeordneten Christian Brade (SPD) und Jörg Böhm (Die Linke) sicherten in der Lübzer Runde ihre Unterstützung zu.

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