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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

26. September 2017 | 04:10 Uhr

Kulturhaus Mestlin : Zwischen Auftrag und Eigenwille

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Kulturhaus Mestlin zeigt ab Samstag eine Ausstellung des Kunstarchivs Beeskow: „Bogensee 1983 bis 86, junge Kunst im Auftrag“

Roland Borchers, Axel Krause, Neo Rauch… das Kulturhaus Mestlin rüstet sich dieser Tage für eine Ausstellung junger DDR-Künstler. „Malt mal euren Vater bei der Arbeit“, erinnert sich Maler Horst Meyn aus Lüschow bei Goldberg an eines der geläufigen Motive des Kunstunterrichts in den 50er Jahren. Bereits der kindliche Zeichenstift trug zur Bebilderung einer Weltanschauung bei. Wer später ernsthaft Maler werden wollte, musste es ertragen, dass die Freiheit der Bildenden Kunst über die Kunsthochschulen der DDR in die Grenzen gewiesen wurde. In den 80er Jahren aber geriet auch das Malen nach Vorschrift ins Wanken. Die Abrüstungsinitiative „Schwerter zu Pflugscharen“, Montagsgebete waren Vorboten - das Volk begann sich vom Bild des Volks, wie es die Staats- und Parteiführung hegte, zu emanzipieren. Und die Lehrer an den Kunsthochschulen – wie Heisig, Tübke, Mattheuer, Sitte, um die bedeutenden zu nennen, - sie ließen ihre Schüler weitgehend frei, „waren ermüdet“, sagt Herbert Schirmer, Kurator der Ausstellung „Bogensee 1983 bis 86 - junge Kunst im Auftrag.

Wie sich der Übergang von der DDR-Staats- und Parteikunst zur staatsunabhängigen anfänglich in den Achtzigern abzeichnete, ohne dass die Beteiligten die zukünftige Tragweite dieses Prozesses hätten ahnen können, davon zeugt nun eine hochinteressante Ausstellung im Kulturhaus von Mestlin. Zum vierten Mal bereits arbeitet der Verein mit dem Kunstarchiv Beeskow zusammen. Hier haben die Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ihren Besitz an öffentlicher Kunst aus der Zeit 1949 - 1990 zusammengetragen. Ein reicher Fundus, von besonderer Aussagekraft nicht nur für Kunstfreunde, sondern ebenfalls für Historiker. „Zum zweiten Mal auch“, berichtet Claudia Stauß, Vorsitzende des Vereins Denkmal Kultur Mestlin, „arbeiten wir mit Herbert Schirmer zusammen.“ Der Kunstwissenschaftler und Kurator, der ab 1991 das Archiv aufbaute und bis 1998 leitete, arbeitet heute freiberuflich als Ausstellungsmacher, Kunstmanager und Autor. Zur Vernissage am Samstag, 11 Uhr, wird Schirmer die Ansprache halten, anschließend zum Gespräch mit Bernd Ludewig laden, der als Vermittler zwischen der FDJ-Hochschule am Bogensee und den Kunsthochschulen tätig war. Seine Aufgabe: Junge Kunst zur Ausgestaltung der prestigeträchtigen FDJ-Einrichtung in Brandenburg zu ordern. Aber diese junge Kunst hatte der Heroisierung des Arbeiter- und Bauernstaats bereits abgeschworen.

Am Beispiel der Bogensee-Werke fügt sich das Bild dieser Kunst „im Übergang“, wie sie hier einmal genannt werden soll. „Die konnten alle malen!“, sagt Schirmer über Roland Borchers, Axel Krause, Neo Rauch und die anderen, die in Mestlin mit großformatigen, farbigen Bildern vertreten sind, und weist auf ein Werk des Heisig-Schülers Bruno Griesel hin, das entfernt an die geisterhaften Figuren des belgischen Malers Ensor erinnert. Es trägt den Titel „Diskussion“. Ein solches Bild sei Jahre zuvor noch undenkbar gewesen, schließt der Kurator und schmunzelt: „Man ist fast geneigt, den FDJ-Zentralrat für eine tolerante Einrichtung zu halten.“

Die Ausstellung im Kulturhaus Mestlin zeigt mehr als 30 Gemälde sowie eine größere Anzahl von Lithographien und Radierungen. Flankiert wird die Schau von einer ausführlichen, reich mit Fotos bestückten Dokumentation zur Geschichte der FDJ-Hochschule Wilhelm Pieck am Bogensee, beginnend 1936.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag jeweils 11 bis 17 Uhr bis zum 3. September. Vernissage Samstag, den 15. Juli, 11 Uhr.


 

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