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Blindes Vertrauen: Sina und Kasira : Zwei verbundene Seelen

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Sina Eberhardt aus Sandhof ist 20 Jahre jung und schon Autorin. Ihr erstes Buch „Ebony Kasira“ handelt von einem starken Motiv: Gefühle sind manchmal stärker als der Tod. Jetzt erschien ihre Erzählung.

svz.de von
erstellt am 24.Dez.2012 | 10:04 Uhr

Sandhof | Glänzend schimmert die Kette am Hals von Sina Eberhardt. Das silberfarbene Metall schlängelt sich empor, formt Buchstaben - bis es einen Namen ergibt: Kasira. Es ist der Name ihrer Vollblut-Araberstute, der Name ihrer besten Freundin. Ein paar dunkelbraune Strähnen von Sina verdecken zunächst den Namen, doch auf die Kette angesprochen, nimmt sie den Anhänger in die Hand, dreht ihn zwischen ihren Fingern. Ein Lächeln zeichnet sich dabei in ihrem Gesicht ab, ihre Mundwinkel ziehen sich - wie von Geisterhand - nach oben. Es geschieht etwas mit der 20-Jährigen: Sina Eberhardt denkt an ihre Stute, an das Tier, das ihr alles bedeutet, auch ihre blau-grün-grauen Augen leuchten vor Glück. Ebony Kasira bedeutet mehr als nur ein Name, ist mehr als nur ein Pferd, denn die Stute ist auch Namensgeber für Sina Eberhardts erstes Buch.

Es passiert einfach. Szenen, Sätze tauchen plötzlich in ihrem Kopf auf, wollen zu Papier gebracht werden. In der Nacht, am Tag, beim Spazierengehen, beim Reiten kommen Sina Eberhardt tausende Gedanken in den Kopf - Geschichten, die ihr auf ähnliche Weise passiert sind, werden von der jungen Autorin weitergesponnen. "Wenn ich unterwegs bin und einen Einfall habe, dann versuche ich den Gedanken festzuhalten, bis ich zu Hause bin und alles aufschreiben kann", erklärt die 20-Jährige. Dann setzt sich Sina Eberhardt an ihren Computer und schreibt drauf los. "Langsam werden mehrere Seiten daraus, die Geschichte entsteht automatisch. Ein Konzept habe ich nicht wirklich, denn oftmals ist die Geschichte im Kopf bereits fertig, nur das Schlusskapitel fehlt."

Schon als kleines Mädchen spinnt Sina Geschichten in ihrem Kopf, bringt sie irgendwann zu Papier. "Beim Schreiben fühle ich mich frei." Schon immer geisterte ihr der Gedanke im Kopf herum, einmal ein Buch zu schreiben. Die Erzählung "Ebony Kasira" bringt die Sandhoferin zu Papier, als ihre Vollblut-Araberstute krank ist. "Kasira hatte eine Knochenzyste. Es war sehr langwierig. Lange Zeit durfte ich nicht zu ihr." In dieser Zeit hat Sina Eberhardt vor allem eines - Angst. Angst um ihre Stute, Angst davor, ihre beste Freundin zu verlieren. "Als es hieß, wir ziehen nach Rügen, habe ich immer gesagt, ,wenn ich ein Pferd mitnehmen würde, dann Kasira." Dieser Wunsch ging dann auch in Erfüllung. Aus Angst entstand Glück. Vor zwei Jahren - an Sinas 18. Geburtstag - bekam Sina von ihren Eltern die Vollblut-Araberstute geschenkt. "Es war unglaublich, als ich die Urkunde von Kasira in meinen Händen hielt. Gar nicht zu beschreiben, dieses Gefühl. Sonst ahne ich immer, was für ein Geschenk ich bekomme." Zu ihrem größten Glück haben ihre beiden Großmütter dann noch die Operation an Kasiras linker Hinterhand bezahlt. "Mittlerweile hat sich alles zurückgebildet. Kasira ist zwar immer noch ein bisschen empfindlich an der Stelle, aber das geht", erklärt Sina Eberhardt.

Leise schnaubt Ebony Kasira. Bläht die Nüstern. Genießt die Streicheleinheiten ihrer Besitzerin. Ein inniger Moment entsteht zwischen den beiden. Kasira berührt Sinas Wange - ganz leicht mit den Nüstern. Das sind die Momente, die die 20-Jährige besonders genießt. "Sie kommt von allein zum Kuscheln. Sie ist eine ganz Feine. Kasira beobachtet mich gern. Sie spiegelt mich", erklärt Sina. Ebony Kasira ist ein besonderes Pferd, ein Araber. Pure Eleganz strahlt sie aus. Die dunkle Mähne, der dunkle Schweif, die tiefschwarzen Augen, die einen tief im Inneren erfassen, wenn Kasira einen anblickt. Anmutig bewegt sie sich, wenn Sina mit ihr spielt. Schnelle Sprünge von rechts nach links und von links nach rechts, lassen Kasira freudig schnauben und wiehern. Ihr braunes Fell schimmert glänzend in der frühen Morgensonne. Die Ohren zeigen gespitzt in Sinas Richtung. Nicht immer nach vorn gerichtet, sondern immer dahin, wo Sina steht. Sanft berührt Sina ihre Stute am Hals, Ebony Kasira genießt diese Berührung. Es ist ein Moment zwischen zwei Freundinnen, zwischen zwei miteinander verbundenen Seelen.

Seite für Seite, Kapitel für Kapitel schrieb Sina Eberhardt - eine Geschichte, die mehr ist als nur ein Jugendbuch. Eine Erzählung, die tiefgründiger nicht hätte sein können. In dieser Zeit begleitet ein Mensch die junge 20-Jährige. "Meine Omi durfte alles von Anfang an lesen. Sie bedeutet mir sehr viel." Mit ihrer heute 93-jährigen Oma lebte Sina ein Jahr lang in Spanien - in Jávea, einer Hafenstadt im Norden der Costa Blanca. "Wenn ich schreibe, stelle ich mir immer die Stimme meiner Oma vor, wie würde sie das vorlesen. Das hilft mir ungemein." Das Motiv der Angst, das auch immer wieder im Buch auftaucht, war auch ganz zu Beginn bei Sina ein sehr starkes Gefühl. "Ich hatte zunächst drei Seiten geschrieben, als ich die Idee hatte, ein Buch aus dieser Geschichte zu machen."

Doch der Traum wird Wirklichkeit. Skeptisch haben Sinas Lehrer sie angeschaut, ein Buch als Leistungsprüfung. Eigenwillig, doch machbar - davon ist eine Lehrerin überzeugt: Heidrun Hinz. Die beiden verbindet eine besondere Geschichte. "Zunächst haben wir uns nie richtig verstanden, sind immer aneinander geraten, egal, wo wir uns getroffen haben. Vielleicht war es auch so ein Ost-West-Ding", versucht Sina Eberhardt die besondere Beziehung zu ihrer Lehrerin zu erklären. Denn ursprünglich stammt die 20-Jährige aus Bayern. "Als ich neu auf der Schule war, hatte ich noch blondes Haar. Vielleicht hat sie auch einfach gedacht, dass ich eine West-Tussi bin", so die Sandhoferin mit einem Lächeln im Gesicht.

In der Zeit, in der Sina Eberhardt ihr Buch schreibt, wird Heidrun Hinz zu ihrer Mentorin. "Mittlerweile verstehen wir uns sehr gut, haben immer noch Kontakt zu einander." Und das obwohl Sina seit Sommer ihr Abitur fest in der Tasche hat. Mit 15 Punkten hat sie ihre Leistungsprüfung bestanden - eine Eins Plus. Besser hätte es nicht laufen können. Doch vor der mündlichen Prüfung hatte sie Angst. "Ich musste mein eigenes Buch vor einem Prüfungskomitee verteidigen. Ein Graus, denn ich selbst mag nicht vorlesen." Vieles will die junge 20-Jährige noch erleben. Im kommenden Jahr geht es nach Kanada. Danach wird Sina Eberhardt ihr Studium aufnehmen: Philosophie und vielleicht etwas mit Journalismus. Und vor allem eines steht an - weiterhin Geschichten schreiben. Als Autorin sieht sie sich aber noch nicht. "Es ist alles noch ziemlich unwirklich für mich."

Weitere Ideen kreisen in ihrem Kopf. Erst vor kurzem schrieb Sina eine Weihnachtsgeschichte. Zeile für Zeile geht die Geschichte mehr ans Herz. Eine Weihnachtsgeschichte, die anrührt und einen mitnimmt auf eine Reise zu einem kleinen Engel. Doch die Geschichte wird nicht Sinas letzte gewesen sein, schon jetzt schreibt sie an ihrem zweiten Buch.

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