Erfolgreiche Privatwirtschaft : Zwei hohe Jubiläen an einem Tag

Jubilar Alfred Schmidt (r.) mit Dieter Heine, der bereits seit 38 Jahren in seinem Unternehmen arbeitet
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Jubilar Alfred Schmidt (r.) mit Dieter Heine, der bereits seit 38 Jahren in seinem Unternehmen arbeitet

Alfred Schmidt und Gebhard Schulze aus Lübz feierten das 40- beziehungsweise 30-jährige Bestehen ihrer Firmen. Der Gewerbeverein gratulierte zu diesem besonderen Ereignis.

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04. Januar 2018, 05:00 Uhr

Besonderes Ereignis im Lübzer Wirtschaftsleben: Mit Taxi-Unternehmer Gebhard Schulze und Autohaus-Inhaber Alfred Schmidt haben zwei Geschäftsleute an einem Tag – vorgestern – das 30- beziehungsweise 40-jährige Bestehen ihrer Betriebe gefeiert.

Nach seiner Lehre als Kfz-Schlosser fährt Schulze zunächst Milchtanker beim Kraftverkehr, wo damals auch Taxen untergestellt sind. „Weil diese vernachlässigte Sparte jedoch nicht genug Geld einbrachte, sollte sie ausgegliedert werden“, berichtet der Lübzer. „Nach der Frage, wer sich vielleicht selbstständig machen möchte, habe ich mich beworben. Druckmittel war, dass ich einen Nachfolger besorgen musste, der weiter den Milchtanker fährt.“ Ihn findet Schulze in einem Gabelstaplerfahrer von der Brauerei, der den notwendigen Lkw-Führerschein besitzt. Nach Annahme des Vorschlags ist der Grundstein erfolgreich gelegt: Am 2. Januar 1988 erfolgt die Geschäftseröffnung im Privathaus in der Schulstraße 2 – unter für junge, kurz vor und nach der Wende geborene Leute unvorstellbaren Bedingungen. So hat Schulze beispielsweise zu Beginn kein Telefon, weshalb er im Flur einen Tisch aufstellt, auf dem Kunden ihre gewünschten Termine eintragen können. „Viele benutzten damals noch die altdeutsche Schrift, die öfter kaum zu entziffern war“, sagt Schulze. „Gott sei Dank hatte ich eine ältere Nachbarin, die mir in dieser Frage mehrere Male weitergeholfen hat.“ So wurde unter anderem gerade noch rechtzeitig eine Hochzeitsfahrt von der Kreiener Straße zum seinerzeit im ehemaligen Kino untergebrachten Standesamt bedient.

Schulzes „Fuhrpark“ besteht in der Anfangszeit aus nur einem Auto, einem gebrauchten, neu aufgebauten Wartburg.


Neues Gesetz zum Start genutzt

Selbstständigkeit war in der DDR keine Selbstverständlichkeit. Weil der Staat nach Aussage von Alfred Schmidt irgendwann gemerkt habe, dass er auf über Jahre „systhematisch niedergeknüppelte“  privatwirtschaftliche Initiative nicht verzichten könne, sei 1976 das Gesetz zur Förderung des Handwerks erlassen worden. Der heute 71-Jährige sieht darin eine Chance für sich und eröffnet am 2. Januar 1978 zunächst in der Lindenstraße mit einem Gesellen eine Autowerkstatt. Jeden Monat kommt ein weiterer Beschäftigter hinzu, bis die höchstmögliche Zahl von zehn erreicht ist.

1979 zieht das Unternehmen – seit dem 1. September jenen Jahres auch Wartburg-Vertretung – an den heutigen Standort in der Goethestraße um, wo eine ehemalige Scheune in eine Werkstatt verwandelt wird. Sie hat man in das jetzige, größere Gebäude integriert. „Der Kaufvertrag war inklusive Grundstücksvermessung und anderer Dinge binnen 14 Tagen unter Dach und Fach – heute undenkbar“, sagt Schmidt und lacht. „Ich erntete viel Zustimmung, hatte aber auch Gegner. Als sehr hilfreich hat sich stets erwiesen, dass ich viele gute Kontakte besaß.“

Obwohl Wartburg-Vertretung, darf das Lübzer Unternehmen keine Autos dieser Marke verkaufen und auch die Beschäftigtenzahl bleibt begrenzt wie oben genannt. Dessen ungeachtet werden in ihm jährlich zwischen 80 und 100 Wagen wieder aufgebaut – „sehr viel für Berlin“, so Schmidt wörtlich, für den Rostocker Überseehafen und die Volkspolizei ebenso wie auch für die Staatssicherheit.

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