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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

22. November 2017 | 04:56 Uhr

Denkmalpflege : Zurück zum Klang in Jugendtagen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die Restaurierung der knapp 100 Jahre alten Orgel in der Lübzer Stadtkirche hat begonnen. Ihre Qualität hatte sich durch mehrere Umbauten verschlechtert.

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2014 | 22:00 Uhr

Das lange, bange Warten, ob es gelingen wird, der Orgel in der Lübzer Stadtkirche ihr eigentliches Klangvolumen durch eine komplette Restaurierung zurück zu geben, ist vorbei. In dieser Woche haben Thomas Lang und seine Kollegen einer Orgelbaufirma aus Müllrose sowohl fast alle der knapp 2000 Pfeifen als auch die Tastatur samt sie tragender Konstruktion – den „Spieltisch“ – ausgebaut. Erstgenannte sind zwischen zwei Zentimeter und gut fünf Meter (das große C) lang. Die eckigen bestehen aus Holz, die runden aus Blech. Nur wenige der größten bleiben in der Kirche.

Vor jeder befindet sich unten ein kleiner Blasebalg, durch den Luft in die Pfeife strömt und sie einen Ton von sich gibt, sobald man die entsprechende Taste drückt. Das gesamte große Orgelgehäuse ist mit Luft (die Fachleute sagen „Wind“) gefüllt, die früher mechanisch hineingepumpt wurde. Heutzutage übernimmt dies ein Elektromotor.

„Vermutlich in den 1970er-Jahren hat man das Instrument in Lübz wesentlich verändert“, sagt Lang. „Pfeifenregister wurden einfach abgeschnitten und erhielten neue Namen, sodass sich der Klang der Orgel negativ verändert hat.“ Zudem blieb auch der Spieltisch von Umbauten nicht verschont. Dem modernen Zeitgeist entsprechend wurden hier nicht nur Luftrohre, sondern auch Holzteile entfernt, die den Fachleuten zufolge als Spielhilfen anzusehen sind. Anschließend war unter anderem keine besonders feine Regulierung der Lautstärke mehr möglich.

„Wir versetzen alles in den Originalzustand von 1915 zurück“, so der Meister. Außerdem werden zum Beispiel stellenweise ausgerissene und/oder verbeulte Blechpfeifen repariert, neu gestimmt und mit Silberbronze lackiert. Die Befreiung aller von Staub im Inneren verhilft ebenfalls zu besserem Klang. Ausgedient haben auch die nachträglich eingebauten hölzernen Kippschalter an der Tastatur. Hier werden wieder runde Exemplare aus beschriftetem Porzellan angebracht – den historischen Vorbildern entsprechend, die weiter unten noch zu finden sind. Lang zufolge wolle man in etwa einem Jahr alles wieder einbauen. Veranschlagt sind Kosten in Höhe von rund 150 000 Euro.

Der heute 36-jährige Meister wollte ursprünglich Restaurator im Holzbereich werden und entschloss sich dann, eine Lehre als Orgelbauer zu absolvieren. Eine seiner bisher beeindruckendsten Aufgaben waren Konstruktion und Bau einer neuen Orgel für das Puschkin-Museum in Moskau. Als ergreifend empfinde er es immer, wenn man ein Register nach dem anderen wieder einbaue und ein totgesagtes Ins-trument erneut in voller Größe erklingt: „Bei einer Orgel ist das besonders überwältigend.“

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