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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

17. Oktober 2017 | 07:57 Uhr

Kirche : Zurück im neuen (alten) Domizil

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Gemeindehaus der evangelischen Kirche nach zweijähriger Sanierung fertiggestellt. Pastorenehepaar froh und erleichtert über das Ende ihres „Exils“

von
erstellt am 24.Feb.2015 | 22:00 Uhr

Enrico und Grit Koch, der Lübzer Pastor und seine Frau – und selbstverständlich auch ihre beiden Kinder Emma und Albrecht – sind zurück. Zurück in ihrer Wohnung im Gemeindehaus. „Endlich wieder zuhause“, freut sich Enrico Koch, „wir sind so erleichtert, dass die Sanierung endlich abgeschlossen ist.“

Weil das Gemeindehaus von Grund auf saniert werden musste, war die junge Familie zwei Jahre im „Exil“: Anfang 2012 war festgestellt worden, dass das Holz im Gemeindehaus stark mit Hylotox belastet war. Vor allem im oberen Stockwerk. Hylotox ist DDT-haltig (Dichlordiphenyltrichlorethan) und ein Mittel zur Holzkonservierung. Seit den 1950er Jahren war es im Osten Deutschlands eingesetzt worden, um Moderfäule, Klopfkäfer oder auch den gemeinen Hausbock zu bekämpfen. Auch im Lübzer Gemeindehaus, das ein unter Denkmalschutz stehender Fachwerkbau ist. Eine Hiobsbotschaft, an dessen Eröffnung Pastor Koch nicht gern zurückdenkt. Denn nach vier Jahren, die die junge Familie damals bereits in der Pfarrstraße 1 wohnte, war sie nicht ohne gesundheitliche Folgen geblieben. „Meine Frau und ich hatten uns untersuchen lassen, unseren Kindern haben wir das erspart. Aber wir hatten das Zeug bereits im Blut“, erzählt der Pastor.

Vergessen sind die widrigen Umstände nicht, doch überwiegt jetzt die Freude über die baulich wie gesundheitlich geordneten Verhältnisse. 720  000 Euro aus Mitteln des Kirchenkreises Mecklenburg, verteilt auf zwei Bauabschnitte zwischen Mai 2013 und Anfang dieses Jahres, die von der Kirchgemeinde Lübz mit 20  000 Euro aus Eigenmitteln aufgestockt worden waren, machten es möglich. Im einstigen Wirtschaftsgebäude, in dem bei Baubeginn noch ein alter Wasserkessel stand und einst wohl auch Tiere standen, findet sich heute der Gemeinderaum. Wärmegedämmt, mit neuen Fenstern, moderner Heizung, separatem Eingang, behindertengerechter Toilette über den Flur, Einbauküche und freundlichem Mobiliar ist er großzügig. „40 Leute gehen hier rein“, sagt der Pastor, „von so etwas haben wir früher nur geträumt.“ Einziger Wermutstropfen: Die behindertengerechte Rampe, die bei milden Temperaturen schon vor Weihnachten hätte fertiggestellt werden können, ist noch immer Provisorium. „Dank der Treppenbau- und Zimmereifirma Thomas Grube haben wir aber wenigstens das“, sagt Koch und ist schon gespannt auf die Reaktionen am kommenden Freitag, wenn hier zum ersten Mal der Seniorenkreis stattfinden wird. „Nun, ich glaube es wird den Leuten ganz sicher gefallen.“

Zugunsten des Anbaus mit Gemeinderaum musste auch der Grundriss der Pastorenwohnung verändert werden. Etwa ein Viertel sind Flur und Toilette zugeschlagen worden, weshalb auch der Wohnbereich umgeordnet werden musste. Der Dachstuhl, vom anfangs beschriebenen DDT-haltigen Hylotox am stärksten betroffen, ist heute nicht mehr nutzbar. „Vom Rest des Hauses wurde er deshalb auch komplett hermetisch abgeriegelt“, erklärt Enrico Koch. Wer rauf muss, erreicht ihn nur über eine Schleuse.

Geliebäugelt hatten die Kochs mit ihrer Rückkehr schon im letzten September. „So war’s ursprünglich geplant“, erzählt der Pastor. Dann aber sei ein Problem aufgetreten: Der im Haus eingezogene Estrich trocknete nicht; auch nicht als Industrietrockner verwendet wurden. „Niemand konnte sich das wirklich erklären“, ärgert sich Enrico Koch über den fast sechsmonatigen Verzug. Zweimal hatte er die Kündigung der angemieteten Wohnung zurücknehmen müssen. „Zum Glück ist uns der Vermieter entgegengekommen.“

Eine offizielle Einweihung des Gemeindehauses wird es geben, allerdings dauert’s bis dahin noch: Sie soll am 5. Juli gefeiert werden – bei einem Festgottesdienst mit vielen Gästen und allem Drum und Dran…

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