Freizeit : Zur Flamme wie zu Urzeiten

Das große Feuer spendet die Wärme.
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Das große Feuer spendet die Wärme.

Die Künstlergruppe „Hirschblau“ hat mit ihrem zweiten Angebot, dem Ferienprojekt „Feuerzeit für Kinder“, auf dem Grundstück von Claudia Ammann in Benzin für Begeisterung gesorgt.

svz.de von
07. Februar 2014, 09:00 Uhr

Ohne Feuerzeug und Streichhölzer, sondern wie vor tausenden Jahren zum Beispiel mit durch einen Feuerstein erzeugten Funken, Spänen und getrocknetem Samen vom Rohrkolben zur lodernden Flamme – das lernen 15 Sieben- bis Elfjährige aus der Region Lübz sowie aus Güstrow und Schwerin seit Mittwoch bis einschließlich heute im Rahmen des Ferienprojektes „Feuerzeit für Kinder“ auf dem Grundstück von Claudia Ammann in Benzin. Es ist das mittlerweile zweite Angebot der neu gegründeten Künstlergruppe „Hirschblau“, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Anwesen nach Rücksprache nicht nur Künstlern, sondern auch anderen zur Verfügung zu stellen, die zum Beispiel durch einen objektiv interessanten Vortrag mehr Menschen erreichen möchten, als es sonst möglich wäre. Die erste Veranstaltung beschäftigte sich mit musikalischer Improvisation. Informieren kann man sich über das Projekt auch per Internet unter www.hirschblau.net

Auf einer Veranstaltung in Hamburg hatte Steinbildhauerin Claudia Ammann die Diplom-Geographin und Naturerlebnispädagogin Heike Barth aus Bochum kennen gelernt, die das bis heute dauernde Angebot in Benzin leitete. „Die Kinder lernen dadurch auch, Dinge mehr zu schätzen“, sagt sie. Nicht ein Klicken und die Flamme ist da, sondern zunächst werden gemeinsam grobe Holzstücke in feine Späne zerlegt, weil zu Beginn nur sie brennen und eine Chance besteht, das Wasser zum Kochen zu bringen, mit dem die Kinder das Essen für alle kochen. Als ein kleines, Heike Barth bis zur Hüfte gehendes Mädchen stolz verkündet, dass sie auch Schnittlauch hinzufügen darf, folgt mit breitem Grisen: „Ich bin nämlich absolut Spitze in der Küche!“ Nur dass es hier draußen zumindest vor dem Hauptgang etwa fürs Stockbrot kein Messer und keine Gabel gibt, sondern alle Kinder selbst einen Ast absägen und ihn anschließend so bearbeiten müssen, dass man mit ihm etwas aufspießen kann. Darüber hinaus gilt es, das große Feuer in der Mitte im Auge zu behalten, das Wärme spendet. Einer der Höhepunkte besteht darin, dass aus der Feuerschale mit einer Zange ein Stück Glut genommen und auf das Holzstück gelegt wird, das jeder vor sich in der Hand hat. Allein schon durch die Hitze brennt sich die Glut ein, wodurch eine kleine Schale entsteht, aus der man letztlich trinken kann. Ohne entsprechende Behandlung würde das heiße Stück jedoch relativ schnell erlöschen. Lösung: Jedes Kind muss pusten und die Hitze so am Leben erhalten. Nicht jedoch zu doll, wiel dies wie auch der manchmal auffrischende Wind zur Folge hat, dass die Glut herunterfällt. Niemals zuvor war auf dem Hof von Claudia Ammann das Verlangen nach einem neuen Stück Glut so groß.

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