Bürgerinitiative : Zum zweiten Mal oben Flagge gezeigt

Trotz des angehängten Zuges gab es selbst so gut wie keine Stehplätze mehr.
Trotz des angehängten Zuges gab es selbst so gut wie keine Stehplätze mehr.

Die Bürgerinitiative demonstriert erneut gegen die Bahnschließung in Schwerin. Der Minister ist zurückgetreten. Hunderte Unterschriften wurden in Staatskanzlei überreicht.

svz.de von
11. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Auch aus dem Raum Lübz sind gestern wieder viele Unterstützer der Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene Hagenow – Neustrelitz“ zur zweiten von ihr organisierten Demonstration vor dem Landtag mit Marsch durch die Schweriner Innenstadt gefahren. In dem aus diesem Anlass erneut von der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG) zur Verfügung gestellten Sonderzug saßen schon bei seinem Eintreffen auf dem Bahnhof so viele Menschen, dass es sogar fast schwierig war, einen Stehplatz zu bekommen.

Unabhängig von der erneut für viel Aufsehen sorgenden Aktion stieg auch die Klasse 6d der Regionalen Schule mit ihrer Lehrerin Elke Bensler ein, um im Rahmen eines Wandertages zur Schlittschuhbahn nach Parchim zu fahren. „Die Bahn muss unbedingt erhalten bleiben“, sagt die Pädagogin. „Wir nutzen sie öfter, um mit den Kindern etwas zu unternehmen. Mit Bussen wäre das schon deshalb nicht mehr so möglich, weil sie viel teurer sind.“ Auch an der Regionalen Schule stehe die absolute Mehrheit der Lehrerschaft hinter dem Engagement der BI und vor wenigen Wochen hätten beinahe alle der momentan gut 300 Schüler auf kleinen Karten für den Erhalt der unveränderten Bahnverbindung unterschrieben.

Zu den Demonstranten in Schwerin gehörte gestern unter anderem erneut Stadtvertreter Hans-Dieter Düwel. Wie die Bürgermeisterin sieht auch er die Bahn unter anderem als wichtige Verbindungsmöglichkeit zur Berufsschule in Parchim und darüber hinaus in die beiden größten deutschen Städte Berlin und Hamburg. „Ich persönlich habe zum Beispiel manchmal Arzttermine in Schwerin, zu denen ich am liebsten mit der Bahn fahre, weil ich dann deutlich entspannter bin und im Gegensatz zur Fahrt mit dem Auto zum Beispiel keine Rücksicht darauf nehmen muss, ob ich Medikamente eingenommen habe oder nicht“, sagt Düwel. „Ich kann das vom Ministerium vorgetragene Argument von zu wenig Fahrgastzahlen nicht bestätigen. Wenn ich mit der ODEG unterwegs bin, sind die Züge meistens voll.“

Ab 1978 war der Stadtvertreter Lehrer am Eldenburg-Gymnasium und zwischen 1990 und 2000 sein Leiter. Mittlerweile Rentner, bestätigt der Lübzer den großen Wert der Bahn für die schulische Arbeit. „Mit der seinerzeit von mir geleiteten Schachgruppe etwa sind wir so zügig und günstig bis nach Leipzig oder Wittenberg gefahren. Und egal, ob DDR oder jetzt: Der Wert dieses Verkehrsmittels ist unverändert hoch“, meint Düwel. Als befremdlich empfinde er den Umstand, dass gleichzeitig in verschiedenen Parlamenten (Kreis- und Landtag etwa) vertretene Politiker sich bei Abstimmungen über den Fortbestand der Bahnlinie „mal so oder so“ entscheiden: „Es ist schade, dass der Fraktionszwang die persönliche Überzeugung so massiv beeinflusst und die Abgeordneten unter Druck setzt.“

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