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Stadtgeschichte : Zum Schnacken auf die „Lügenbank“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Eine kleine gemütliche Runde von Rentnern trifft sich jeden Nachmittag zum Plaudern und Kaffee trinken

Ein kleiner Spatz badet in einer kleinen Schale. Alle Augenpaare sind auf ihn gerichtet. „Der war gestern doch auch schon da“, sagt Elisabeth Sontopski. Sie gehört zu einer kleinen Runde in der Goldberger Langen Straße 5-7, die es sich auf ihrem Hinterhof gemütlich gemacht hat. Jeden Mittag und Nachmittag verbringen die Damen hier und schnacken – auf der Goldberger „Lügenbank“, wie Inge Kollwitz die Bank scherzhaft nennt. „Nein, wir erzählen uns keine Lügengeschichten. Wir unterhalten uns über Dieses und Jenes. Vor allem aber sprechen wir über Koch- und Kuchenrezepte. Und wenn einer von uns lügt, das sehen wir ihm sofort an“, verrät die Rentnerin. Und von „anno dazumal“ sprechen sie ebenfalls – Stadtpolitik interessiert die Damen nicht mehr so.

Die Wohnungen in der Langen Straße gehören zur Wohnungsgesellschaft Goldberg. „Wir haben einen sehr guten Kontakt zur Wohnungsgesellschaft. Frau Lackmann ist sehr sympathisch“, verdeutlicht Elisabeth Sontopski, die jetzt seit einigen Jahren mittlerweile in Goldberg ihr Zuhause hat. Vorher hat sie mehr als 60 Jahre lang in Steinbeck gelebt. „Ich war es, die die Bank und den Tisch mitgebracht hat“, erzählt sie weiter. Die Damen sind eine wirkliche Gemeinschaft, nicht nur, dass sie sich jeden Mittag verabreden, hier hilft auch Jeder Jedem. „Wenn eine ihre Wäsche draußen aufgehängt hat und die andere merkt, dass sie trocken ist, nimmt sie diese auch gleich ab“, erläutert Inge Kollwitz.

Erst vor einem halben Jahr nach Goldberg gezogen, ist Liesel Stendel. Vorher hat sie in Soltau gewohnt, doch ihre Tochter holte sie in die Mildenitzstadt – auch sie gehört zur Runde.

Immer wieder zwitschert es in den Bäumen, der kleine Spatz ist verschwunden. Es herrscht Stille am Tisch. „Wir schweigen uns manchmal auch an“, erzählt Elisabeth Sontopski. Zahlreiche Blumen haben die Mieter gepflanzt, sie haben es sich schön gemacht. „Wir freuen uns jeden Morgen, wenn wir aufstehen und die schönen Blumen sehen“, sagt Inge Kollwitz. Das Mittagessen ist langsam beendet. Es wurde gegrillt. Leckere Bratwürste und Toast sowie selbstgemachte Kräuterbutter wurden verspeist. „Bald geht’s ans Kaffeetrinken“, sagt Inge Kollwitz. „Nun lass uns mal erst mal Mittag machen“, sagt Christel Engel. Auch sie gehört schon seit einigen Jahren zu der illustren Runde. „Wir genießen einfach unser Leben“, verrät sie. Auch mit den übrigen Nachbarn besteht ein freundliches Verhältnis. „Die Jüngeren kommen auch schon mal her, wenn sie Feierabend haben und begrüßen uns“, erzählt Elisabeth Sontopski.

So plätschern die Tage vor sich hin. Jede bringt mal einen Kuchen für den Nachmittag mit, jede erzählt etwas aus ihrem früheren Leben – doch keine von den Damen könnte es sich jemals vorstellen, aus Goldberg oder der Region wegzuziehen. Warum auch? Hier haben sie alles, was sie brauchen – einen netten Platz zum Verweilen und ein freundliches Miteinander obendrauf.


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