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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

22. Oktober 2017 | 08:38 Uhr

Südbahn : Zum Schluss Technik-Faszination

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Bei den letzten Fahrten auf der Südbahnstrecke bewunderten viele Interessierte die ab Karow eingesetzte, 650 PS starke Dampflok. Die Organisatoren des Saisonverkehrs ziehen ein positives Resümee.

von
erstellt am 06.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Bernd Förster leistet körperliche Schwerstarbeit bei gleichzeitig höchster Konzentration und einer nahezu tropischen, ihn umgebenden Temperatur, als er die kurz von den restaurierten, ebenfalls historischen Passagierwagen abgekoppelte Dampflok auf dem gerade eben angefahrenen Malchower Bahnhof hin und her bewegt. Dies weiß kaum einer der dutzenden, schon lange dort wartenden, faszinierten Zuschauer – kein Wunder: Sie stehen rund zwei Meter unter der Ebene, auf der er läuft und sein Arbeitsraum lässt sich bei geschlossener Tür nicht einsehen. Grund für das Spektakel ist, dass die 1942 nach deutschem Baumuster in Rumänien gebaute Lok mit der Seriennummer 131.060 umgedreht und so bereitgestellt werden muss, dass sie in Richtung Alt Schwerin abfahren kann. Förster hat noch zwei weitere Männer zur Seite. Sie helfen dabei, die Technik zu bedienen, einer kann als Ersatzlokführer einspringen. Zwischen ihnen befindet sich der innen gut 400 Grad heiße Kessel, der Wasser verdampfen lässt, was für eine erstaunliche Motorenleistung von 650 PS sorgt.

Der Museumszug gehört den Berliner Eisenbahnfreunden, Förster ist Vorstandsmitglied des mit ihnen freundschaftlich verbundenen Vereins Historische Eisenbahn Westmecklenburg, der die Pendelfahrten zwischen Karow beziehungsweise Malchow und Alt Schwerin am vergangenen Wochenende organisiert hat. Als die anstrengende Arbeit erledigt ist, hat der Lüdersdorfer etwas mehr Zeit für ein Gespräch und lässt darin keinen Zweifel an seiner Einstellung zur Südbahn: „Wir wünschen denen, die sich für ihren Erhalt einsetzen, möglichst viel Erfolg!“

Am Sonnabend fanden die letzten Fahrten im Rahmen des an vier Wochenenden veranstalteten Saisonverkehrs auf dieser Strecke statt. „Natürlich haben wir sie so gewählt, um Anschluss an die Dampflokfahrten zu haben“, erklärt Rainer Raeschke, Mitglied der Bürgerinitiative (BI) ProSchiene. Offenbar eine sehr gute Idee: Im Triebwagen war schon ab Parchim nur noch schwer ein Platz zu finden. Insgesamt wurden bei den Sonderfahrten gut 500 Menschen befördert, davon allein vorgestern 260.

Zum Lübzer Bahnhof kam unter anderem auch Rainer Timm, Leiter des Amtes für Stadt- und Gemeindeentwicklung der Stadt Lübz und im Amt Eldenburg Lübz. Mitzufahren war ihm nicht möglich, weil er Bereitschaft hatte, aber es sei ihm eigener Aussage zufolge wichtig gewesen, dass die Verwaltung ihre Unterstützung zeige: „Das Thema Südbahn ist eine Herzensangelegenheit der Lübzer Bürger und der umliegenden Gemeinden. Die Bemühungen für die Wiedereröffnung in beide Richtungen dürfen nicht aufhören!“ Die erfolgreichen Sonderfahrten seien ein Zeichen an die Landespolitik, dass die Bevölkerung die Möglichkeit, mit der Bahn zu fahren, wolle und brauche. Die Verwaltung in Lübz unterstütze dies. Gar nicht hoch genug anerkennen könne man zudem das Engagement der Menschen, die sich seit langer Zeit unermüdlich für den Erhalt der wichtigen Infrastruktur einsetzen.

Als ein Beispiel für die von Timm genannten umliegenden Gemeinden äußerte sich auf Anfrage unserer Redaktion auch Holger Klukas, Bürgermeister von Gallin-Kuppentin, der in Gallin zustieg. „Besonders die älteren Einwohner meiner Gemeinde möchten die Bahn behalten“, sagt er. „Das höre ich zum Beispiel beim wöchentlich bei uns veranstalteten Kaffeetrinken und vor meinen Sprechstunden auch von vielen jüngeren Leuten. Das Rufbussystem ist zu kompliziert. Gerade Ältere sind damit überfordert.“ Die im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte gefundene Lösung für die Teilstrecke Malchow – Waren sei eine große Chance, den stillgelegten Teil zwischen Parchim und Malchow wieder zu eröffnen.

Unter den Fahrgästen hätten sich auch viele Urlauber befunden, die das Angebot zufällig nutzten, sagt Marcel Drews, Vorsitzender des Fahrgastverbandes ProBahn in Westmecklenburg. Besonders großes Interesse habe daran bestanden, mit dem Rad nach Plau zu gelangen. Schon jetzt könne man auf jeden Fall das Resümee ziehen, dass regelmäßiger Bahnverkehr auf jeden Fall in der Saison ein Erfolg wäre.

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