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Mission Olympic : Zum Abschluss scharfe Worte vom zweiten Sieger

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

6000 Euro an Stadt Lübz für Platzierung bei bundesweitem Städtewettbewerb „Mission Olympic“ überreicht - Kritik an mangelnder Achtung

svz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 09:00 Uhr

In ihrer Größenordnung hatte die Stadt Lübz im Rahmen des bundesweiten Sportwettbewerbs „Mission Olympic“ – organisiert von Coca-Cola Deutschland und dem Deutschen Olympischen Sportbund – den zweiten Preis gewonnen (wir berichteten mehrfach). Jetzt überreichte Ulrike Meier, Leiterin Kommunikation/PR des Verkaufsgebietes Ost der Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG, einen symbolischen Scheck über das dafür ausgesetzte Preisgeld in Höhe von 6000 Euro an Bürgermeisterin Gudrun Stein.

Die Verwaltungs-Chefin bezeichnet die Veranstaltung in erster Linie als das für 2013 herausragende und auch noch in Zukunft positiv wirkende, das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkende Ereignis in ihrer Stadt, brachte jedoch ebenfalls deutlich Kritik besonders an der Siegerehrungsveranstaltung in Berlin zum Ausdruck. „Mir wurde nicht einmal die Gelegenheit gegeben, dem Sieger zu gratulieren, was ein auch hier wichtiger Impuls gewesen wäre“, sagte sie. „Für eine von Profis organisierte Veranstaltung geht so etwas gar nicht!“ Auch den Hinweis der Kommission, mehr Senioren einzubinden, habe niemand verstanden: „Mehr ging nicht!“

Uwe Ohlrich, Lehrer im Lübzer Sportverein (LSV), untermauerte die Worte Gudrun Steins und hielt mit seiner Wut nicht zurück. „Dass man der Bürgermeisterin nicht einmal die Gelegenheit gab, ein paar Worte zu äußern und sie stattdessen auf der Bühne abfertigte, ist nicht zu fassen!“, sagte er. „Da war die Stimmung bei uns in der Halle weg, viele liefen sofort raus.“

Die in Berlin vorgenommene Siegerermittlung und Ehrung wurde auch nach Lübz in die große Turnhalle an der Regionalen Schule übertragen, wohin mehrere 100 Besucher gekommen waren. Die Übertragung sei Gudrun Stein zufolge von der Qualität her „eine Ka-tastrophe“ gewesen (sie war ausgerechnet auch an entscheidenden Punkten von zahllosen Unterbrechungen gekennzeichnet), sodass man als Notbehelf überall „die Handys gezückt und weitergereicht“ habe. Sie bestätigte, mit den Bürgermeistern der anderen beiden zweitplatzierten Städte Offenbach und Ibbenbüren „in die Ecke geschoben“ worden zu sein, woraufhin sich diese Gäste verwundert angeschaut hätten: „Auch das hat verhindert, das Ergebnis zuhause positiv zu erklären.“

Der LSV-Vorsitzende Michael Reinsch wertet Mission Olympic ebenfalls grundsätzlich als positiv, äußerte jedoch, dass man das letztliche Urteil der Jury in Lübz nicht verstanden habe. Als eine Ungerechtigkeit bezeichnete er den Umgang mit der von Lübz beachteten, von Montabaur jedoch missachteten, vom Veranstalter ausgesprochenen Richtlinie, keinen Bierverkauf anzubieten. „Solche Vorgaben sind überhaupt kein Problem, aus Sicht des Veranstalters völlig in Ordnung und wir kennen so etwas, aber dann muss damit überall gleich umgegangen werden!“, so Gu-drun Stein untermauernd dazu.

Die in der Runde gefallene Äußerung, Montabaur habe vielleicht auch deshalb bessere Chancen gehabt, weil es sich in der Vergangenheit schon einmal bewarb, und ob Bierausschank stattfand oder nicht, spiele überhaupt keine Rolle, sagt Uwe Kleinert, Projektleiter Mission Olympic bei der Coca-Cola Deutschland GmbH. Bestimmend seien der Umfang der gebotenen Aktivitäten im Verhältnis zur Stadtgröße, ihre Qualität und die Ergebnisse aus zwei Runden. Eine davon ist die Bewerbung, in der es zum Beispiel um die Bewegungsmöglichkeiten in der Stadt und die Zahl dort zur Verfügung stehender Sportstätten gehe. In der zweiten habe man Qualität und Quantität privater Projekte bewertet. Die aus beiden Runden gewonnenen Ergebnisse machten eine Hälfte der Gesamtwertung aus, die Veranstaltung selbst die andere.

Am Finale nahmen sechs Städte in drei Kategorien teil (Orte bis 25 000 und 75 000 Einwohner sowie darüber). „Wir haben es nie anders erlebt, dass jede dabei grundsätzlich ihr Bestes gibt“, sagt Kleinert. Anregungen, was man eventuell noch besser hätte machen können, habe jeder bekommen, so dass man sie nicht als spezielle Kritik oder ähnliches werten dürfe. Und die Bitte, keinen Alkohol auszuschenken, sei kein Bewertungskriterium. In Montabaur hätten nicht „überall Bierwagen gestanden“ und in Lübz habe gleichzeitig ein Jahrmarkt stattgefunden, der sicherlich auch nicht ohne Alkoholausschank gearbeitet habe. Die Bitte sei als Unterstützung der um den Sieg ringenden Städte anzusehen: „Die Erfahrung zeigt, dass bei Alkoholausschank kein Sport mehr getrieben wird.“

Was den auch in Lübz kritisierten Umgang mit den Vertretern der zweiten Sieger in der Stunde der Entscheidung betreffe, so sei man bisher nie anders verfahren (Mission Olympic gibt es seit 2007). Der Veranstalter nehme die gegebenen Hinweise jedoch ernst und wolle künftig unter Umständen anders verfahren, also zum Beispiel die beiden Bürgermeister der Finalstädte einer Kategorie gemeinsam auf die Bühne bitten. Darüber hinaus habe man die unterschiedlichen Fotos von den Teilnehmern im schon nicht mehr offiziellen Teil binnen weniger Minuten aufnehmen müssen: „Niemand sollte dabei benachteiligt werden, sondern das war knallhartes Fotografengeschäft.“

Sowohl Montabaur als auch Lübz habe man wegen ihrer Größe an einer Einwohnerzahl von 15 000 festgemacht. Die Wertung bei der Veranstaltung beruhe nicht auf der Besucherzahl, die man nur schätzen könne, sondern auf der Zahl der Aktivitäten. In Lübz habe der Wert bei genau 85 781, in Montabaur jedoch bei 131 799 gelegen – 53 Prozent mehr. „Und das wirkt sich natürlich aus!“, so der Projektleiter. „Hätte die Siegerehrung ein anderes Ergebnis als das jetzige gehabt, hätte man in Montabaur die Welt nicht mehr verstanden. Ich verstehe die Enttäuschung, aber wir haben eine fundierte Entscheidung getroffen.“

Das Finale sei in beiden Städten von sehr guter Qualität gewesen und bei Mission Olympic gehe es nicht in erster Linie darum, wer erster Sieger wird, sondern dem Sport wieder einen höheren Stellenwert zu verschaffen, dass Einwohner die Angebote in ihrer Stadt besser kennen lernen und den Zusammenhalt zu fördern. Besonders letzteres hatte auch Gudrun Stein als positiven Effekt genannt.

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