Nach Ende der Südbahn : Zukunft: Bürger ruft, Bus kommt

Rufbusse werden die Fahrgäste zur Linie 77 bringen.
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Rufbusse werden die Fahrgäste zur Linie 77 bringen.

Nach dem letzten Rettungsversuch der Südbahn konzentriert sich der Landkreis auf den Aufbau eines Rufbus-Systems

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06. Januar 2016, 12:00 Uhr

Rufbus, was ist das? Die Skepsis steht vielen Fahrgästen des Öffentlichen Personennahverkehrs ÖPNV ins Gesicht geschrieben. Dabei könnte das so genannte Rufbus-System dem ländlichen Raum eine kleine Mobilitäts-Revolution bescheren. Die Region zwischen Parchim und Plau am See soll nach dem Aus für die Südbahn Pilotprojekt für den gesamten Landkreis werden.

Die Idee hinter dem Konzept, das der Landkreis Nordwestmecklenburg jetzt mit Jahresbeginn eingeführt hat: Ein Netz von Hauptlinien, die im Ein- oder Zwei-Stunden-Takt bedient werden, durchzieht den Kreis. Rufbusse wären dann die Zubringer, die Fahrgäste aus Dörfern abseits der Fahrstrecke zu den Hauptlinien bringen. Damit wären die Bewohner nicht mehr auf den Takt der Schulbusse angewiesen, zahlreiche Dörfer wären auf einen Schlag neu mit dem ÖPNV verbunden.


Sieben Tage die Woche kommt der Bus


Ungewohnt für die Fahrgäste: Der Rufbus kommt nicht automatisch, er will angerufen werden. Landrat Rolf Christiansen (SPD): „Es ist ganz einfach. Bis zu einer bestimmten Zeit vor Abfahrt wählen die Bürger eine Nummer. Das System erkennt dann den Bedarf und organisiert den Zubringer.“ Je nach Anzahl der Fahrgäste kann das ein Taxi oder auch ein Kleinbus sein.

Stefan Lösel, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim, hatte vor dem Haushalts- und Finanzausschuss des Kreistages für das Rufbus-System geworben: „Rufbusse und Anruf-Sammeltaxis sichern flächendeckend die Erschließung der Dörfer. Die Fahrt zum nächstgelegenen Zentrum oder zum Umstiegspunkt in das Taktnetz ist dann sieben Tage die Woche möglich.“ Zwischen Parchim und Plau betrifft es 40 000 Einwohner, davon 16 000 abseits der Hauptstrecke.


Linie 77 als Vorreiter für das neue System


Die Region bietet sich deshalb als Pilotprojekt für den gesamten Landkreis Ludwigslust-Parchim an, weil es hier schon die Linie 77 gibt, die Parchim mit Plau am See verbindet. Sechs Rufbuszonen nördlich und südlich der Strecke werden den Anschluss sichern. Konkret haben Bewohner von Neuhof Ausbau oder Redlin dann auch nach 16 Uhr die Chance, den Bus nach Parchim oder Plau zu nehmen.

Als funktionierendes Beispiel führt VLP-Geschäftsführer Stefan Lösel den Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt an. Dort führte der kommunale Verkehrsbetrieb das System 2008 ein. Nutzten es im ersten Jahr 40 000 Fahrgäste, verdoppelte sich die Zahl innerhalb von drei Jahren. In Salzwedel zahlen die Bürger für den Rufbus den normalen Fahrpreis.

So ist die Hoffnung der Planer, dass die steigenden Fahrgastzahlen auch höhere Einnahmen bescheren. Allerdings kostet das System besonders in der Anfangsphase Geld. Später rechnen Experten für den ehemaligen Südbahn-Bereich für den Landkreis mit Kosten von 150 000 Euro pro Jahr. Andererseits ließe sich dieselbe Summe gegenüber dem konventionellen Linienverkehr auch wieder einsparen.

Dass doch noch einmal Südbahn-Züge auf der vom Land abbestellten Trasse rollen, schließt Landrat Christiansen mittlerweile aus: „Keine der im Kreistag vertretenen Fraktionen will Kreismittel für die Südbahn einsetzen.“ Der Ersatz Linie 77 wird offenbar gut angenommen. Vize-Landrat Wolfgang Schmülling: „Die Fahrgastzahlen steigen.“

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