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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. September 2017 | 22:10 Uhr

Beerdigung : Zu Lebzeiten letzte Schritte planen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Bestattungsunternehmer Reinhard Westphal rät dazu, sich selbst und Angehörige durch Abschluss eines Vorsorgevertrages zu entlasten. Mehrere Modelle sind möglich.

von
erstellt am 17.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Als Eigentümer von vier Bestattungshäusern in Lübz, Goldberg, Crivitz und Schwerin hat Reinhard Westphal zwangsläufig jeden Tag mit dem Tod zu tun. Um für Hinterbliebene in einer der oft schwersten Lebenssituation ein zuverlässiger Anlaufpunkt sein zu können, habe auch er Professionalität entwickeln müssen. Eben weil es sich um einen menschlich gesehen überaus sensiblen Bereich handele, möchte der Lübzer das Wort Routine vermeiden. „Es wäre auch falsch, meine Arbeit so zu bezeichnen“, sagt er. „Bei kleinen Kindern etwa, die sterben und wo die Mutter weinend vor mir sitzt, leide ich mit und empfinde es selbst als sehr schlimm. Gefühle sind mir auch sonst nicht fremd, aber gerade Kinder sind dann doch etwas anderes als beispielsweise alte Menschen, die nur noch im Bett gelegen und niemanden mehr erkannt haben.“

Jeder Mensch ist einzigartig und so einzigartig ist auch jeder Abschied – ein Grundsatz in dem von Westphal geführten Unternehmen. Um ihn so gut wie möglich erfüllen zu können, gibt es das Angebot, noch zu Lebzeiten mit dem Beerdigungsinstitut einen Vertrag abzuschließen, in dem rechtzeitig alle Einzelheiten für die eigene Bestattung geregelt werden. „Der Wunsch danach ist allgemein groß. Einige wollen regeln, haben aber Angst vor dem Thema, andere legen bei solchen Gesprächen nicht nur die Trauerrede, sondern sogar auch die wortgenaue Zeitungsanzeige vor. Es ist sehr unterschiedlich“, berichtet Westphal. „Geklärt sein sollten Fragen rund um die Bestattung, denn dies entlastet auch die Hinterbliebenen, die sonst plötzlich Entscheidungen treffen müssen, die vorher nie Thema waren, dann erfahrungsgemäß aber plötzlich zu Unsicherheiten führen. Zu Angehörigen sagen Menschen oft nicht, wie sie bestattet werden möchten, was nicht heißt, dass sie sich darüber keine Gedanken machen und dies unter Umständen nicht sehr wichtig für sie ist.“ Eine Sorge: Die Kinder wohnen zum Beispiel weit weg und nach dem Ableben verwildert das Grab. Dann gibt es die Möglichkeit von Gemeinschaftsanlagen, die vom Friedhof verwaltet werden.

Gerade bei Jüngeren sei der zum Leben gehörende Tod leider nach wie vor oft ein Tabu-Thema, das selbst dann ausgeblendet werde, wenn zum Beispiel Eltern auf ihre Kinder zugehen und die letzten Schritte besprechen möchten: „Man will es als Jüngerer nicht im Leben haben, was in gewisser Weise auch normal ist. Man soll sein Leben ja genießen und nicht ständig an den Tod denken, aber nicht zuzuhören hilft nicht weiter – im Gegenteil. Es ist eine Sorge, die man ernst nehmen muss. Das Problem wird einmal gründlich durchgesprochen und dann ist es erledigt. Sonst rumort es im Untergrund immer weiter.“

Ob Sarg oder Urne, Lieblingslied oder Orgelspiel, große Feier oder kleiner Kreis sind die eine Seite. Eine Bestattung kostet unabhängig von den Äußerlichkeiten auch Geld. Damit ebenfalls dieser Aspekt für die Hinterbliebenen nicht zum Pro-blem wird, rät Westphal jüngeren Menschen dazu, eine so genannte Sterbegeldversicherung abzuschließen, bei der man nicht gleich den gesamten, sondern monatlich nur einen kleinen Betrag bezahlen muss. „Dies wird von vielen gemacht und fast jede Versicherung bietet es mittlerweile an“, sagt der 48-Jährige. „Gekündigt wurde so etwas noch nie.“

Ein anderes, vorwiegend von Älteren genutztes Modell ist ein mit dem Bestatter geschlossener Vorsorgevertrag, bei dem die für die Beerdigung errechnete Summe eingezahlt wird. „Ich zum Beispiel bestehe aber nicht vornehmlich auf dem Geld, sondern auf der Regelung der anderen Dinge“, so Westphal. „Das Geld muss man nicht mir geben, sondern kann es von einem Angehörigen verwahren lassen.“ Weitere Möglichkeit ist ein Treuhandkonto bei einer Bank, auf das niemand vor dem Tod Zugriff hat.

Gerade in ländlichen Regionen war es früher üblich, den Verstorbenen aufzubahren (auch in der Wohnung, heute nur kurz möglich) und so im Vorbeigehen von ihm Abschied zu nehmen. Westphal schätzt, dass dies auch heute noch in etwa 50 Prozent aller Fälle gewünscht werde. Er hat dazu eine geteilte Meinung: „Ein Mensch, der stirbt, verliert Ausstrahlung. Ich rate dazu, ihn lebendig mit warmer Hand in Erinnerung zu behalten. Anders ist es, wenn man sich zum Beispiel wegen eines Streits vorher lange nicht gesehen hat und den Wunsch hat, fürs eigene Verarbeiten noch einmal einen Blick auf den Verstorbenen zu werfen. Einige sprechen dann auch mit ihm oder legen einen Zettel mit in den Sarg.“

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