Ziegelei Benzin produziert wieder

<strong>Das Angebot </strong>der Ziegelei Benzin wird 2013 erheblich ausgeweitet.
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Das Angebot der Ziegelei Benzin wird 2013 erheblich ausgeweitet.

svz.de von
08. Januar 2013, 10:03 Uhr

benzin | Seit einem Jahr ist Ernst Englaender Eigentümer der Ziegelei Benzin. Für 2013 hat er sich vorgenommen, das schon jetzt beliebte Objekt zu einem kulturellen Magneten mit vielen neuen Sparten auszubauen. Die Vorbereitungen laufen bereits auf vollen Touren.

Bis April wurden das Arbeiterwohnhaus, das Verwaltungsgebäude und die Infrastruktur komplett saniert - Voraussetzung für alle weiteren Schritte. Geplant ist zum Beispiel, die Mecklenburger Bauernolympiade, das Brennerfest und Radrennen stattfinden zu lassen. "Jetzt können auch wir im Sommer nur in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht stattfindende Sparkassen-Giro-Rennen abhalten", sagt Englaender. "Dafür arbeiten wir mit der Sparkasse Parchim-Lübz, dem Verein Technisches Denkmal Ziegelei Benzin und dem Lübzer Sportverein zusammen. Es könnten bis zu 1000 Teilnehmer werden, auf jeden Fall mit Enthusiasten aus ganz Deutschland." Genaue Daten stehen noch nicht fest.

Neu im Programm sind auch Open-Air-Veranstaltungen mit Musik, Kabarett und Theater - dem Veranstalter zufolge ein "Potpourrie aus verschiedenen Kunstrichtungen". In den Räumen bilden künstlerische Werkstätten ein weiteres großes Feld. Ihre Leitung liegt in den Händen von Englaenders Schwiegervater Valerie Bigdaz, ein international bekannter Professor für bildende Kunst, mit dem sich Interessierte der Malerei widmen können. In der Scheune wurden eine Drechslerei und eine Schnitzerei aufgebaut. "Die Angebote sind offen für jeden, der Interesse und Spaß am Arbeiten in genannten Bereichen hat", so der Eigentümer. Eine Anmeldung ist ab sofort möglich.

Die Herstellung von Produkten aus Bio-Lehm, die wegen ihrer objektiv positiven Eigenschaften allgemein immer beliebter werden, bilden das nächste Standbein. In diesem Jahr beginnt zum Beispiel die Produktion von zu 100 Prozent ökologisch sauberen Baustoffen wie Leicht- und Volllehmsteinen (erstere mit geshredderten Hanfstielen versetzt), handgefertigten Boden- und bemalten Wandfliesen sowie Fliesenbildern. Auch in der Keramikabteilung, für die Englaender 400 Formen gekauft hat, stehen Interessierten die Türen offen. Sie können hier selbst töpfern, glasieren und eigene Produkte brennen.

Bereits wiederbelebt wurde das im Museumskomplex untergebrachte Restaurant, in dem schon Gesellschaften gefeiert haben. Seit Jahresbeginn trägt es den Namen "Tegularium Historische Ziegelei Benzin".

Englaenders Wunsch ist, dass das Museum in Obhut des Vereins bleibt, dem er auch das Archiv zur Verfügung gestellt hat. "Unsere Zusammenarbeit ist gut, was unbedingt so bleiben soll", sagt der gebürtige Krefelder. "Für mich stand immer fest, dass diesbezüglich alles an seinem angestammten Platz bleibt, denn es passt in unser Konzept. Hinter dem Restaurant hat der Verein einen Raum, in dem er sich entfalten kann. Schwierigkeiten sind das letzte, was ich möchte."

Ziel sei, die vielen Gebäude optimal zu nutzen, sie mit Leben zu erfüllen. Durch die Ziegelei solle die Region vor allem auch in künstlerischer Hinsicht vorankommen. Wenn wie gegenwärtig überall Budgets zusammengestrichen werden, sei es umso wichtiger, der Öffentlichkeit an anderer Stelle Türen zu öffnen. "Meine Philosophie ist, auf Gemein- wie Unternehmerwohl zu achten", so der Eigentümer. "Ich kann nicht die tollsten Dinge anbieten, wenn ich weiß, dass ich damit wirtschaftlich auf dem Bauch lande. In Schönheit sterben kann nicht das Ziel sein."

Englaender hat fünf Jahre lang in Moskau gelebt. Ende 2011 war er dort durch Zufall im Internet auf die zur Ziegelei gehörende Verkaufsanzeige gestoßen. "Ganz genau weiß ich es nicht mehr, aber maximal zwei Wochen später stand ich Benzin", berichtet der gelernte Kaufmann. Der kurz darauf abgeschlossene Kauf sei trotz des Wissens, eine Menge Geld investieren zu müssen ("Durch viel hier verbautes Holz zum Beispiel konnten Sie die Finger stecken") eine gute Entscheidung gewesen.

Neben den genannten Vorhaben komme einem Möbelstück schon jetzt eine in diesem Umfang vorher unerwartete Bedeutung zu. Das in der besonderen Atmosphäre des Cafés stehende, grün gepolsterte Sofa und die beiden dazugehörenden Sessel seien zu einem entspannten Treffpunkt für Menschen geworden, die in der Region etwas positiv bewegen, den sozialen Kitt verstärken möchten. Dazu gehöre auch, in Zukunft mehr die Jugend einzubinden.

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