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14. Dezember 2017 | 23:33 Uhr

Käufer gefunden : Ziegelei Benzin in neuen Händen

vom

Das Bangen um die Zukunft der Ziegelei Benzin ist beendet. Der Betriebswirt Ernst-Ludwig Engländer hat die gut elf Hektar große Anlage gekauft und seine Vorstellungen gestern auf einer Pressekonferenz dargelegt.

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2012 | 10:25 Uhr

benzin | Das Bangen um die Zukunft der Ziegelei Benzin ist beendet. Der Betriebswirt Ernst-Ludwig Engländer hat die gut elf Hektar große Anlage gekauft und seine Vorstellungen gestern auf einer Pressekonferenz dargelegt. Der mit wichtigste Aspekt: Alles, was die historische Anlage als überregional bekanntes und beliebtes Ausflugsziel ausmacht, soll erhalten bleiben. Erweiterungen wird es im künstlerischen Bereich geben und Lehmziegel sollen in deutlich größerer Menge als bisher produziert, verbaut und vermarktet werden. "Im Gegensatz zum Vorgänger sind wir keine Beschäftigungsgesellschaft und haben dementsprechend andere Dinge im Sinn", sagt Engländer. "Wir sind nicht auf maximalen Gewinn orientiert, sondern haben sowohl Unternehmer- wie Gemeinwohl im Auge. Und das ist kein Spruch!"

Der Geschäftsmann hat 20 Jahre lang im Ausland gelebt - unter anderem in China, Korea, Pakistan, im Baltikum und schließlich fünf Jahre lang in Russland, wo er seine Frau Darya kennen lernte. Sie ist nicht nur Betriebswirtin, sondern auch Opernsängerin und hat bis jetzt für das russische Außenministerium gearbeitet.

Schwiegervater kommt als Künstler besondere Rolle zu

"Mein Schwiegervater von der Akademie der Künste in Russland ist als Maler und Keramiker ein herausragender Mann", sagt Engländer. "Er wird in unserer Firma eine besondere Rolle spielen." Der Name des Unternehmens ist sogar schon als Stempel verewigt und hat es in sich: Historische Ziegelei Benzin Technisches Denkmal und Museum der Lehm- und Backsteinstraße Gilden & Manufakturen GmbH & Co. KG.

Wie kommt man dazu, von Moskau nach Benzin umzuziehen? In Zeiten des Internets lägen die entferntesten Winkel der Erde nur einen Mausklick voneinander entfernt, so der neue Eigentümer. "Wir haben dieses Objekt per Computer gefunden und sofort beim ersten Besuch stand fest: Das ist unser Platz!", berichtet er. Dann habe ihn Ingeborg Dieterich, die ehemalige Geschäftsführerin der insolvent gegangenen Beschäftigungsgesellschaft Ziegelei Benzin mbH, "an die Hand genommen" und das gesamte Gelände gezeigt. Drei Monate später war der Kaufvertrag unterschrieben. Kontakt hatte Engländer auch schon zum nach wie vor existierenden Verein "Technisches Denkmal Ziegelei Benzin e. V.". Seine Einschätzung: "Wir passen zusammen. Jetzt wird über den weiteren Weg beraten. Ich habe ein gutes Gefühl, denn auch ich möchte eine Lösung im Sinne der Öffentlichkeit." Produziert werden soll im ersten Schritt unter anderem auch Fein- und Grobkeramik im künstlerischen Sinne, wofür der Schwiegervater des neuen Eigentümers zuständig sein soll. Weitere ins Auge gefasste Vorhaben sind die Erhaltung der Gaststätte und der Schreinerwerkstatt, die man an Holzarbeiten interessierten Menschen zur Verfügung stellen könne. "Wir machen die Tür für die Öffentlichkeit auf, was ich mir auch mit Keramik vorstellen könnte. Aber erst einmal wollen wir eine Sache richtig beginnen und uns nicht verzetteln", sagt Engländer, der sieben Mitarbeiter der "Kernmannschaft" - wie er sie nennt - übernimmt.

Sieben Mitarbeiter werden übernommen

Im Juni 2011 hatte Ingeborg Dieterich Insolvenzantrag gestellt. Zum damaligen Zeitpunkt stand unter anderem noch die langfristig angelegte Bezahlung von Krediten über 500 000 Euro aus, für die Gegenwerte unter anderem in Form von sanierten Gebäuden, Außenanlagen und Maschinen vorhanden waren. Die Stammeinlage der damals 13 Gesellschafter (die Städte Plau am See und Lübz waren die größten) in Höhe von insgesamt 114 000 Euro war durch die Insolvenz verloren. Viele Gemeinden hatten ihre Anteile allerdings schon im Herbst 2010 dem Landkreis mit der Hoffnung übergeben, dass er die Beschäftigungsgesellschaft übernimmt, was der Kreistag ablehnte.

Der Stadt Lübz gehört die Parkeisenbahn auf dem Ziegeleigelände. "Ich bin froh, dass auch mit öffentlichen Mitteln geschaffene Werte nicht verfallen und der Öffentlichkeit weiter zugänglich sind, was nicht selbstverständlich ist", sagt Bürgermeisterin Gudrun Stein, die einhakte, als sich Engländer zur aus der Runde vor ihm gestellten Frage nach dem Kaufpreis nicht äußern wollte: "Ich kenne keinen Gläubiger, der schreiend auf der Straße sitzt und versichere Ihnen: Es wurde nichts verschenkt."

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