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Regenwasserentsorgung in Lübz massiv gestört : Wurzeln wie Pfropfen in der Leitung

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Bau-Ingenieur Fred-Jan Salomon staunt trotz aller Fortschritte der modernen Welt immer wieder, wozu die Natur in der Lage ist. Jüngstes und eindrucksvolles Beispiel dafür war die Weide an der Archimedischen Schraube.

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erstellt am 19.Feb.2013 | 06:16 Uhr

lübz | Neue Baustoffe sind vielleicht nicht immer, aber auf jeden Fall sehr oft zumindest technisch besser als alte - ein Grundsatz, von dem unter anderem Fred-Jan Salomon, Leiter des Fachgebietes Bau beim Amt Eldenburg Lübz, überzeugt ist. Doch auch der erfahrene Bau-Ingenieur staunt trotz aller Fortschritte der modernen Welt ab und zu immer wieder, wozu die Natur in der Lage ist.

Jüngstes, geradezu eindrucksvolles Beispiel dafür war die Weide an der Archimedischen Schraube am Gerberbach. Ihre Wurzeln hatten es binnen weniger Jahre geschafft, in die seinerzeit neu verlegte Regenwasserleitung vorzudringen - durch eine Muffe, die grundsätzlich erst einmal so dicht ist, dass kein Tropfen Wasser von innen nach außen oder umgekehrt fließen kann. In dem Rohr läuft das Oberflächenwasser von der Plauer und Kreiener Straße sowie vom Ziegenmarkt zusammen und fließt anschließend in den Gerberbach, wobei schnell ein paar Kubikmeter zusammenkommen. Immer weniger Flüssigkeit gelangte jedoch in den kleinen Fluss, stattdessen wurde die Straße neben dem Baum zunehmend geflutet. Bei der Suche nach Gründen konnten die Fachleute bald Ergebnisse vorlegen: Sie ermittelten, dass die Wurzeln des Baumes die Leitung bereits auf einer Länge von rund 1,70 Meter komplett verschlossen hatten. "Stramm drin wie ein Pfopfen", sagt Salomon. "Dass Wurzeln auf der Suche nach Nahrung manches versuchen, war auch uns bekannt, aber wie massiv dies aussehen kann, hätte wohl niemand gedacht."

Die Stadtwerke öffneten die Leitung, entfernten die Wurzeln und stellten dann den Antrag, die Weide absägen zu dürfen. Diesem wurde stattgegeben und mittlerweile ist von dem Baum nur noch ein wenige Zentimeter hoher Stumpf übrig. Die Fällung hat ein Loch in das früher objektiv schöne Bild am Gerberbach gerissen. Auch Olaf Beck vom Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Lübz bedauert eigener Aussage zufolge diesen Schritt, doch es habe keine Alternative gegeben. Grund für die Entscheidung sei allerdings nicht nur das verstopfte Rohr gewesen: "Bei der Neugestaltung der Ecke in den 1990er-Jahren wurde unter anderem auch eine Rinne aus Kleinpflaster gebaut, die die Wurzeln bereits zerstört hatten und gerade auch Kinder und Jugendliche haben aus der Befestigung gesprengte Steine gern ins Wasser geworfen. Außerdem bestand die Gefahr, dass die Wurzeln langfristig gesehen auf die ebenfalls neu errichtete Ufermauer am Gerberbach solch einen Druck ausüben, dass diese Risse bekommt und letztlich eventuell nicht mehr zu halten wäre. Das mussten wir unbedingt verhindern."

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