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Kerstin Koch aus Sandhof : WunderBlume zuckert Blumenwunder

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Kerstin Koch aus Sandhof gründete in diesem Jahr ihr eigenes Unternehmen. Hinter „WunderBlume“ versteckt sich aber noch viel mehr als nur ihr Spitzname und hausgemachten Gelees oder Marmeladen.

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erstellt am 02.Okt.2012 | 12:30 Uhr

Sandhof | Als läge Schnee auf ihnen, doch noch immer stechen die kräftigen Farben der Blüten hervor. Rosa, Blau, Grün und Orange überzogen mit einem süßen glitzernden Glanz - Zucker eben. Ein Geschmackserlebnis sondergleichen, es prickelt im Mund, schmeckt süß und doch erfrischend. Wie beim Wein entfaltet sich der volle Geschmack der kandierten Pfefferminzblüte erst ganz zum Schluss - im Abgang und völlig überraschend. Ein Aha-Geschmackserlebnis gibt es auch beim Kosten der Holunder-Apfel-Marzipan-Marmelade. Die rote kräftige Farbe des Holunders lässt jedes Frühstücksbrötchen zum Höhepunkt des Tages werden. Die Säure des Apfels verleiht der Marmelade einen frischen Geschmack und mit der leichten Süße des Marzipans wird der Brotaufstrich abgerundet. Kandierte Blüten und Marmeladen gehören in das breite Sortiment von Kerstin Koch aus Sandhof. Erst vor wenigen Monaten gründete die 39-Jährige ihr eigenes Unternehmen, wird dabei auch vom Landkreis finanziell unterstützt. "WunderBlume" heißt ihre Firma und das aus gutem Grund. "Von vielen Freunden werde ich liebvoll Wunderblume genannt. Doch das allein gab nicht den Ausschlag, warum ich mein Unternehmen so genannt habe. Denn für mich ist die Blume an sich ein Wunder - dieses Werden und diese Vergänglichkeit", erklärt Kerstin Koch.

Versteckt unter einem Apfelbaum steht ein kleines Rehkitz. Es ist ein Geschenk, doch steht es auch für die Natur, die das Haus und den Garten von Kerstin Koch umgibt. 3000 Quadratmeter groß ist das Grundstück, dass die Existenzgründerin zusammen mit ihrem Freund vor vier Jahren in Sandhof entdeckte und kaufte. Der Garten erscheint als grüne Oase - 57 verschiedene Obstbäume stehen verteilt auf dem Grundstück. Nicht nur Äpfel können hier geerntet werden, sondern auch Pflaumen und Kirschen. Doch Freude bereiten Kerstin Koch vor allem die Apfelbäume. "Ich habe sie einmal bestimmen lassen. Es sind viele alte Sorten unter ihnen." In dieser ländlichen Idylle zieht sich die 39-Jährige gern zurück, denn hier findet sie Ruhe und Kraft. "Derzeit ist Brunftzeit, die Tiere kommen ganz nah an das Grundstück heran", erzählt die gelernte Restaurantfachfrau und Gestalterin für Grafik-Design. Zwei Berufe, die ihr jetzt sehr hilfreich sind. Mit Lebensmitteln arbeiten bedeutet auch eine große Verantwortung zu tragen. Das will Kerstin Koch, dafür hat sie sich entschieden und den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Sie lächelt immer wieder, wenn sie davon erzählt, wie sie die Idee zu ihrer WunderBlume hatte. "Ich habe hier in meinem Garten im Schaukelstuhl gesessen und all die Gänseblümchen im Garten gesehen. Und da war die Idee dann einfach im Kopf. Es liegt genau vor mir, die Natur, um daraus etwas zu machen." Die braunen Augen von Kerstin Koch strahlen. Sie ist angekommen, bei sich und in der Natur. Darauf legt die Existenzgründerin besonderen Wert - darauf, dass alles natürlich ist. "Keine kandierte Blüte geht hier raus, wenn ich nicht von der Spitzenqualität selbst überzeugt bin."

Bis zur Spitzenqualität aber dauerte es. Auch die Umsetzung war nicht von Anfang an klar. Doch jetzt passt es, ist in sich stimmig. Insgesamt sechsmal muss Kerstin Koch jede einzelne Blüte in die Hand nehmen. "Ich fange morgens damit an, die Blüten - sobald der Tau weg ist - zu pflücken." Danach werden sie mit einer speziellen - aber geheimen - Tinktur bestrichen und dann bezuckert. "Die Blüten sind dann zwölf bis 18 Monate haltbar", erklärt Kerstin Koch. Nach dem Bezuckern müssen sie trocknen - bei einer bestimmten Temperatur und Luftfeuchtigkeit, ebenfalls streng geheim. "Verraten wird nichts", sagt die 39-jährige Unternehmerin.

Kräutersalz, Rosenblütenzucker, Blütenessig, Marmeladen und Gelees sowie Blütenkränze, all das zaubert Kerstin Koch in ihrer - wie die Köchin sie selbst liebvoll nennt - Hexenküche. Für den anstehenden Herbst und Winter tüftelt die Unternehmerin bereits tatkräftig. "Ich probiere gerade einige Blütentees aus. Aus Sonnenblumen, Lavendel oder Dahlien - all diese Blüten sind auch essbar." Doch das braucht alles noch ein bisschen Zeit. Auch die Gestaltung einer eigenen Internetseite muss noch ein bisschen warten, schließlich steckt ihr Unternehmen noch in den Kinderschuhen. Kerstin Koch erledigt alles selbst- von A bis Z und ist dabei ihr eigener Chef. "Endlich kann ich mein Leben selbst bestimmen." Um ihre Produkte bekannter zu machen, fährt Kerstin Koch regelmäßig auf Märkte. Mittlerweile hat sich die 39-Jährige schon einen kleinen Kundenstamm aufgebaut und die Vorräte im Lager gehen langsam zur Neige. Doch Ideen hat die Unternehmerin genügend im Kopf - alle aber werden noch nicht verraten.

Neu gestaltet wird auch die grüne Oase. Anstatt Kartoffeln und Zwiebeln sollen zahlreiche Blumen gepflanzt werden - auf Hochbeeten. Lavendel muss auf jeden Fall dabei sein. Am schwierigsten gestaltet sich die Suche nach einem Bio -Lieferanten für essbare Rosenblüten. Doch den wird die Frohnatur sicherlich finden. Bis dahin werkelt WunderBlume in ihrer Hexenküche an neuen Rezepten, um aus farbenfrohen Blüten ein gezuckertes Blumenwunder zu zaubern.

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