Plau : Wollte Plau Bergbau betreiben?

Ehemaliger Braunkohleschacht im Sonnenberg nördlich von der Vietings-Höhle (2017)
Ehemaliger Braunkohleschacht im Sonnenberg nördlich von der Vietings-Höhle (2017)

Vor rund 86 Jahren stießen Arbeiter bei Wasserbohrungen im Luftkurort auf Braunkohle. Gewonnen wurde sie dennoch nicht

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26. Januar 2018, 05:00 Uhr

Zu Beginn unseres Jahrhunderts wurde in der Nähe des ehemaligen Lübzer Krankenhauses eine Bohrung niedergebracht, bei der man beim Meter 47,7 auf harte Braunkohle stieß. Ähnlich war es in Plau am See, als man dort 1932 bei Wasserbohrungen auf Kohle stieß. Die Bohrungen waren auf dem Siedlungsgelände des Architekten Ladhoff in der Nähe des Plauer Sees. An mehreren Stellen fand man Braunkohle, stellenweise zwei Meter unter der Erdoberfläche, die stärkste Schicht war 60 Meter tief, doch von ansehnlicher Dicke. Professor Schuh vom Geologischen Landesamt untersuchte in Rostock die Zusammensetzung der Kohle. Das Untersuchungsergebnis war aber negativ, weil die Braunkohle infolge großer Beimengungen von Sand und Schlamm zu unsauber war. Die Mecklenburgische Zeitung vom 29. 9. 1932 schrieb: „Eine Kohlegewinnung, worauf sich manche Plauer Einwohner schon gefreut haben mögen, kommt somit leider nicht in Frage.“ Zum Glück, können wir heute sagen, so ist ein schönes Stück Natur erhalten geblieben.

Die Bohrung in Lübz war übrigens bis auf 71 Meter niedergebracht worden. Sand, Wasser, Steingeröll, Granit und Ton waren das Ergebnis. Die Kohleschicht hatte nur eine Mächtigkeit von 60 Zentimeter. Günstiger sah es bei Parchim aus: Im Sonnenberg wurde 1840 Vorkommen von Braunkohle entdeckt. Ihre Lagerung war folgende: ein Fuß Dammerde, zehn Fuß und sechs Zoll Grober Sand und Steine, 30 Fuß Sandige Alaunerde, 21 Fuß sehr fette Alaunerde, acht Fuß Braunkohle, ein Fuß Brauner Treibsand (1 Fuß = 0,291 m; 1 Zoll = 2,3874 cm).

1841 wurde am Fuß des Großen Vietingberges ein Schacht angelegt und Kohle gefördert. Immerhin wurde bis Ende Oktober 1841 eine große Menge Braunkohle gefördert. Drei große Scheffel gesiebter Braunkohle kosteten zehn Schilling, die Tonne Grus sechs Schilling, Grus galt als gutes Düngemittel. Die Kohle brannte aufgrund ihrer großen Feuchtigkeit schlecht. Lästig war auch der beim Verbrennen entstehende Geruch. Die Kohleförderung wurde eingestellt und der Schacht verfiel.

In der Notzeit nach 1945 entsann man sich der Braunkohle und brachte eine Bohrung nieder: In 11,8 m Tiefe gab es schwarze, kohlige Erde mit Glimmer, auch feste Stücke (7-14% brennbare Substanz). In 20,8 m Tiefe wurde zertrümmerte Braunkohle (36% brennbare Stoffe) gefunden, in 26,8 m Tiefe formlose Kohle, in 28,45 m Tiefe feste Braunkohle. Kohle ist nicht gefördert worden, man entschied sich für Torf aus dem Darzer Moor.

Wir sind deswegen so glänzend über das Vorkommen von der Bohrung im Herbst 1945 im Sonnenberg informiert, weil der Bohrkern auf dem Hausboden des verdienten Heimatforschers Walter Dahnke lag, der mit der Begutachtung beauftragt worden war. Sein Sohn, Walter Dahnke jun., hat darüber im Internet eine Darstellung gegeben. Der Diplom-Geologe, Günter Pinzke aus Schwerin, hat im Internet eine umfassende historische Zusammenstellung des Braunkohlevorkommens im Sonnenberg veröffentlicht.

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