Landwirtschaft : „Winterschlaf“ auf dem Bauernhof

Ein starkes Team auf dem Bauernhof in Quetzin: Manuela und Michael Reichelt.
Ein starkes Team auf dem Bauernhof in Quetzin: Manuela und Michael Reichelt.

Nicht ganz, aber ein bisschen ist es so, erzählt Michael Reichelt aus Quetzin, der jetzt vor allem Geflügel und Tannenbäume verkauft

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05. Dezember 2014, 22:00 Uhr

Nebel liegt über den Feldern. Ruhe ist auf dem Bauernhof Reichelt in Quetzin bei Plau am See eingekehrt. Der Winter naht. Die großen Trecker und Maschinen stehen abseits des Wohnhauses. Unter den Autoreifen knirscht der feuchte Sand – der Weg von der B 103 führt direkt zum Hof von Manuela und Michael Reichelt. Bellende Hunde begrüßen die Ankunft von Besuchern. Manuela Reichelt ist sofort zur Stelle, sperrt die beiden Vierbeiner ein. Aus Rücksicht auf Gäste, die vielleicht Angst vor Hunden haben könnten. Im Stall kräht mehrmals der Hahn, das Gefieder muss wegen der Vogelgrippe im Stall bleiben. Für die Hausherrin kein Problem. „Dann fangen wir eben das Keulen ein bisschen früher als sonst an. Dicker werden die nicht mehr“, sagt sie und lächelt.

Es knackt und knistert im Hofladen der Familie. Das Feuer lodert im Ofen vor sich hin. Bevor Manuela den Laden verlässt, legt sie noch einmal ein paar Holzscheite nach. Kalt soll es den Gästen des Bauernhofes nicht werden. Denn auch im Winter kommen immer wieder Besucher, kaufen regional Frisches – vom Schwein, Huhn, Gans oder Ente. Bei Familie Reichelt gibt es auch im Winter immer wieder etwas zu tun. „Es wird jetzt schon ruhiger. Meine Frau fährt gern mal mit den Kindern weg. Ich mag nicht, mich zieht es nirgends hin“, verrät Michael Reichelt, vor ihm auf dem Tisch steht ein Kaffeebecher – Cappuccino mit Spezialmischung. Was da wohl besonderes drin ist? Das verrät der Landwirt aus Leidenschaft allerdings nicht.

Wieder kräht der Hahn. Er will wohl an die frische Luft, doch darf er leider nicht. Der Nebel liegt an diesem Tag dicht über dem kleinen Ort Quetzin. Auf dem Bauernhof von Familie Reichelt geht es dennoch geschäftig zu. Sohn Tino kommt mit schweren Stiefeln in den Hofladen. Er hat noch immer gut zu – schraubt an den Treckern und Maschinen rum. „Jetzt im Winter müssen einige Reparaturen gemacht werden – am Haus wie an den Maschinen“, erklärt Michael Reichelt. In seinen Kindern hat er tatkräftige Helfer gefunden – alle packen mit an. Auch in der Vorweihnachtszeit wird es bei den Quetzinern nie langweilig. „In unserem Hofladen verkaufen wir immer wieder unsere regionalen Produkte. Jetzt zu Weihnachten kommen auch viele und holen sich Geflügel bei uns ab“, erzählt der Landwirt. Für den Weihnachtsgänsebraten mit Apfelrotkohl. Doch viele finden jetzt auch den Weg zum Quetziner Hof wegen der Tannenbäume. „Wir verkaufen schleswig-holsteinische Nordmanntannen. Die sind die besten“, sagt Manuela Reichelt, als sie wieder zurück ist. Eine Stunde lang hat sie mit einer Freundin telefoniert. Das muss auch mal sein. Nicht nur auf dem Hof können jetzt die Weihnachtsbäume gekauft werden, sondern auch in genau einer Woche – bei der Plauer Weihnachtsstraße. „Wir stehen in der Steinstraße. 130 Tannen haben wir geordert“, so Michael Reichelt. Bei einem landwirtschaftlichen Kollegen seines Vertrauens – André Hoop aus Niendorf, bei Ludwigslust bringt ihm die Tannen vorbei. Eine schleswig-holsteinische Kooperation in Mecklenburg-Vorpommern. Denn ursprünglich kommt Michael Reichelt aus dem Nachbarbundesland aus Kiel, hat sich aber vor vielen Jahren in die mecklenburgische Idylle am Heidensee verliebt – ebenso in Ehefrau Manuela.

Gemeinsam bewirtschaften die beiden ihr landwirtschaftliches Kleinod. Über die Feiertage wollen Manuela und Michael Reichelt aber auch einmal Luft holen. Denn je nach Wetterlage beginnt die Saison auf dem Reichelt’schen Hof im März oder April. „Dann kommen auch die ersten Saisonarbeiter wieder zu uns. Und wir fangen an, den Acker für den Spargel vorzubereiten“, erzählt der Herr über Schweine, Enten, Gänse und Hühner. Auch die Wiesen mit Schnittblumen wird es im kommenden Jahr wieder geben. „Wir wollen uns bei all den Menschen bedanken, die die Blumenwiesen genutzt und vor allem honoriert haben“, sagt Michael Reichelt. Denn immer wieder gibt es welche, die sich einfach Blumen abschneiden und wegfahren – ohne Unrechtsbewusstsein oder Reue. Das ärgert ihn nicht nur, es macht ihn auch ein stückweit traurig. Gut gelaunt und frohen Mutes schaut das Ehepaar Reichelt dennoch auf das nächste Jahr. Trotz der vielen Arbeit. Ein bisschen „Winterschlaf“, wie Michael Reichelt die jetzige Zeit auf dem Hof nennt, geht vorüber und dann hat sich sicherlich auch der Winternebel verzogen. Und der Hahn kräht wieder draußen – und kündigt den neuen Tag an.


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