Lübz : Windräder „spargeln“ Region zu

Mittlerweile bis zu 200 Meter hohe Windkraftanlagen verändern das Landschaftsbild.
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Mittlerweile bis zu 200 Meter hohe Windkraftanlagen verändern das Landschaftsbild.

Scharfe Töne in Lübzer Stadtvertretung: „Veralberung der Bürger!“

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14. April 2018, 05:00 Uhr

Neues zum Thema Windenergie: Die Stadtvertreter haben auf ihrer jüngsten Sitzung bei jeweils zwei Gegenstimmen mehrheitlich dafür votiert, den diesbezüglichen Flächennutzungsplan ihrer Kommune zu ändern. Daraus ergeben sich Verschiebungen im Bebauungsplan für den Windpark Lübz/Werder im nordwestlichen Stadtgebiet zwischen Werder, Greven, Beckendorf, Lübz und Ruthen. Bei beidem geht es um die frühzeitige Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung.

Grundsätzliches Problem ist, dass es gegenwärtig in Mecklenburg-Vorpommern noch immer keine einheitliche Regelung zum Bau von Windkraftanlagen gibt. Es gelten nur Festlegungen auf Bundesebene. Dort spielen jedoch Kriterien wie etwa der einzuhaltende Abstand zu geschlossenen Siedlungen (1000 Meter bei Landesplanung) überhaupt keine Rolle. „Es geht bei überregionaler Betrachtung mehr um Lärm, was sich für Menschen, die neben einem Windpark leben, als negativ erweist, denn die mit 200 Metern mittlerweile doppelt so hohen Anlagen wie die alten sind leiser als die kleineren“, sagt Fred-Jan Salomon, Leiter des Fachbereiches Bau bei der Stadt Lübz und im Amt Eldenburg Lübz. Theoretisch darf in der gegenwärtigen Situation also noch näher an Wohnhäuser herangebaut werden.

Als zusätzlich fatal erweise sich für unseren Bereich der Umstand, dass das Oberverwaltungsgericht Greifswald die vom Planungsverband Westmecklenburg – ein Zusammenschluss der Kreise Ludwigslust-Parchim, Nordwestmecklenburg und Schwerin – angebotenen Flächen für den Bau von Windrädern 2011 wegen rechtlicher Probleme gekippt hat.

Um sich nicht dem beschriebenen Bundesrecht auszusetzen und die Entwicklung in geordnete Bahnen zu lenken, hatte die Stadt Lübz ein eigenes Planverfahren eingeleitet, das die schärferen Kriterien berücksichtigt. Bei der Suche nach Flächen, die für den Bau von Windkraftanlagen geeignet wären, habe man in der Gemarkung Lübz letztlich nur zwei gefunden, sagt Salomon: In der Nähe zum bestehenden Bereich bei Werder (65 Hektar) und eine deutlich kleinere (32 Hektar) bei Gischow. Sie werde jedoch aus jetziger Sicht ausscheiden. Weil Lübz dann von allen Seiten von Anlagen umgeben wäre, was nicht sein darf.

Jürgen Kahl (Die Linke) machte seinem Ärger Luft: „Das ist ein Veralbern der Bürger! Was haben sie davon? Gar Nichts! Für mich ist es eine Mafia, die hier arbeitet, und deshalb werde ich auf jeden Fall dagegen stimmen.“ Diese harten Worte wollte Gerd Vorhauer (Wählergemeinschaft Broock/Wessentin) nicht so stehen lassen. „Mafia ist eindeutig zu hart gesagt. Was stimmt, ist, dass wir uns nicht noch mehr zuspargeln lassen dürfen“, sagte er.

Auf die Frage Kahls, was der Bürger von den Windparks habe, antwortete Bürgermeisterin Gudrun Stein, dass sich zum Beispiel Einnahmen durch die Verpachtung öffentlicher Flächen positiv auswirken könnten. Bewusst werden müsse man sich, dass die Erzeugung umweltfreundlicher Energie in Deutschland höchste Priorität besitze. Generell ablehnen lasse sich zum Beispiel die an Kommunen gestellte Forderung, Eignungsflächen nachzuweisen, nicht. Momentan müsse man daran arbeiten, sich noch so viel wie irgend möglich an der Gestaltung zu beteiligen. Ganz oben bleibe die Hoffnung, nicht von Windrädern eingekreist zu werden.

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