Lübz : Windkraft erneut Absage erteilt

Kaum noch ein Platz ohne Windräder: Die in der Dunkelheit wegen der Bestückung mit roten Leuchten blinkenden künstlichen „Wälder“ etwa in Richtung Goldberg oder am Stadtrand von Parchim wirken auf viele unheimlich.
Kaum noch ein Platz ohne Windräder: Die in der Dunkelheit wegen der Bestückung mit roten Leuchten blinkenden künstlichen „Wälder“ etwa in Richtung Goldberg oder am Stadtrand von Parchim wirken auf viele unheimlich.

Die Lübzer Stadtvertreter stimmen zum zweiten Mal gegen den Antrag, zwei neue Anlagen in Lutheran zu errichten.

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01. März 2018, 18:15 Uhr

Die Lübzer Stadtvertreter haben am Mittwochabend den nach nur wenigen Wochen erneut gestellten Antrag zum Bau von zwei neuen Windkraftanlagen im Ortsteil Lutheran wiederum einstimmig abgelehnt. Zuletzt hatten sie dies erst auf einer aus Termingründen einberufenen Dringlichkeitssitzung am 1. Februar getan. Dadurch wurde noch fristgemäß beschlossen, bei der Genehmigungsbehörde – dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt, kurz Staun – einen so genannten Rückstellungsantrag zu stellen. Laut Baugesetzbuch muss sie ihre Entscheidung um bis zu ein Jahr aussetzen, wenn zu befürchten ist, dass das Vorhaben mit den Interessen der betroffenen Kommune kollidiert, indem die Umsetzung eines von ihr erarbeiteten Flächennutzungsplans „unmöglich gemacht oder wesentlich erschwert“ wird. Zur Aufstellung des Plans hatte sich Lübz bereits im Juli 2016 entschlossen, um auch die Erzeugung von Windkraft laut eigener Aussage in Bahnen zu lenken.

Mit einem nur 12 Tage nach oben genannter Dringlichkeitssitzung datierten Schreiben beantragte das StAUN unter demselben Aktenzeichen bei der Stadt Lübz erneut ihre Zustimmung für die Errichtung der von Größe und Technik exakt gleichen Anlagen. Laut Erklärung von Bürgermeisterin Gu-drun Stein bestehe der einzige Unterschied darin, dass die Standorte um zehn beziehungsweise 20 Meter verschoben wurden: „Um sicherzugehen, dass unser Antrag auch für sie gilt, bitten wir Sie um erneute Ablehnung.“ Alle 15 anwesenden Stadtvertreter folgten diesem Weg ohne Diskussion.

Wird die Befürchtung angebracht, dass eine Baugenehmigung die von der Stadt vorgesehene Flächenentwicklung wesentlich erschwert oder sogar unmöglich macht, müsse die Planung sehr konkret gefasst sein. Eine Grundlage dafür sei schon der derzeitige Stand des „sachlichen Teilflächennutzungsplans Windenergie“ der Stadt Lübz.

Investor für den Bau der Windkraftanlagen ist die UKA (Abkürzung für Umweltgerechte Kraftanlagen) Nord mit Sitz in Rostock. Auf Nachfrage unserer Redaktion hatte das Unternehmen unlängst mitgeteilt, dass die bestehende Regionalplanung und der aktuelle Flächennutzungsplan der Stadt Lübz für den Planer den verbindlichen Rechtsrahmen darstelle, an dem er sich orientiere.

Auf die Frage, ob zum Beispiel auch die Bedenken vieler Einwohner in Lutheran eine Rolle bei der Entscheidung für die Investition spielen, antwortete UKA, dass man die Bedenken weiterhin sehr ernst nehme und diesen auch Rechnung trage. So sei mit dem geplanten „Repowering“ (Neubau bei gleichzeitigem Rückbau von Altanlagen) eine deutliche Reduzierung der Schallbelastung in der Umgebung verbunden.

Eng mit der Materie vertraut ist auch Fred-Jan Salomon, Leiter des Fachbereiches Bau beim Amt Eldenburg Lübz. Schon öfter hatte er geäußert, dass der Planungsverband Westmecklenburg gefordert sei, möglichst schnell Regelungen vorzugeben, und die Landesregierung müsse Ausschlusskriterien erlassen. Dazu gehöre, den Neubau von Windenergieanlagen in einer Entfernung von unter 1000 Metern zu Wohnbebauung auszuschließen, weil sie mittlerweile 200 Meter hoch sind. Dies sei seit langem bekannt und hätte längst passiert sein müssen – eine schon 2016 ausgesprochene Forderung...

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