Umschwung : Windenergie als Riese geplant

Windkraftanlagensollen konzentriert errichtet werden, um das Landschaftsbild nicht noch mehr zu belasten.  Fotos: Jens Büttner/Ilja Baatz
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Windkraftanlagensollen konzentriert errichtet werden, um das Landschaftsbild nicht noch mehr zu belasten. Fotos: Jens Büttner/Ilja Baatz

Derzeit Ausweisung von knapp 600 Hektar Eignungsfläche im Amt Eldenburg Lübz vorgesehen / Meinungsbildung in Gemeinden gefragt

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27. März 2015, 22:00 Uhr

Über seine Stelle in der Verwaltung des Amtes Eldenburg Lübz hinaus ist Gerd Holger Golisz auch Mitglied des so genannten Regionalen Planungsverbandes. Dieser beschäftigt sich unter anderem intensiv mit dem Thema Windenergie. Den Bürgermeistern aller Gemeinden des Amtes hat Golisz am Donnerstagabend Neuigkeiten zu diesem Thema eröffnet – konkret auch die, die ihre Kommunen direkt betreffen. Dabei ging es zentral um die Vorstellung von auf einer Landkarte eingetragenen „Potentialsuchräumen“. Gebieten also, in denen eventuell Windräder aufgestellt werden könnten.

Dem Plan zufolge gibt es im Bereich Kreien/Gehlsbach mit 166 Hektar das mit Abstand größte Eignungsgebiet, gefolgt von Obere Warnow/Granzin mit 155 und Goldberg/Passow/Werder mit 60 Hektar. Die ursprünglichen Werte betrugen 256, 216 und 145 Hektar, wurden im Laufe des Verfahrens wegen verschiedener Erkenntnisse also schon erheblich heruntergefahren. Golisz: „Man muss deutlich sagen, dass wir erst ganz am Anfang des Verfahrens stehen. Noch läuft die Prüfung. In welche Richtung es letztlich genau geht, kann man jetzt noch nicht sagen.“ So wurde zum Beispiel im Raum Lübz ein zunächst vorgesehenes Gebiet bereits völlig wieder herausgenommen.

Jetzt gehe es darum, dass sich die jeweiligen Gemeindevertretungen intensiv mit dem Thema beschäftigen, um eine qualifizierte Stellungnahme abgeben zu können – unentscheidend, ob pro oder contra. Unterstützung leiste neben Externen auch die Amtsverwaltung. Wenn für den Bau eines Windparks gestimmt werde, gelte es, die wirtschaftliche Beteiligung wie auch die Teilhabe der Kommune zu untersuchen. Nur Ja zu sagen oder andererseits eine schlichte Verweigerungshaltung einzunehmen, reiche auf jeden Fall nicht aus.

Golisz zufolge handele es sich um ein langes Verfahren. Mit der Rechtsfestsetzung sei voraussichtlich erst 2017/ 2018 zu rechnen. „Die Gemeinden werden vorab beteiligt. Die entsprechenden Unterlagen verschicken wir Ende April/Anfang Mai“, sagt er. Sehr wichtig sei, dass die Kommunen miteinander reden, wenn sich Suchräume über die Flächen von mehreren Gemeinden erstrecken. Dies ist mehrfach der Fall, unter anderem im Fall Kreien/Gehlsbach, Lübz/Kreien/Kritzow, Gallin-Kuppentin/Neu Poserin und Obere Warnow/Granzin, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Flächen, die nach gegenwärtigem Stand im Amt Eldenburg Lübz als Standorte für den Bau von Windenergieanlagen ausgewiesen werden könnten, sind insgesamt rund 570 Hektar groß.

Golisz zufolge sei Sinn der Planung, die Windräder konzentriert, und nicht am Rande jedes Dorfes ein oder zwei Anlagen zu errichten. Als Kriterium ist deshalb zum Beispiel festgelegt, dass die Mindestgröße eines Eignungsgebietes 35 Hektar und der Mindestabstand zur Wohnbebauung von Orten bis zum Siebenfachen der Anlagenhöhe betragen soll.

Die Liste der Ausschlusskriterien ist lang (41 aufgelistete Punkte), wobei sieben davon allein seltene Vogelarten (Schrei-, See- und Fischadler, Weiß- und Schwarzstorch, Wanderfalke und Rotmilan) samt Puffer um ihren Lebensraum herum konkret aufführen. Der Abstand liegt zwischen 1000 Metern und drei Kilometern. Eine Rolle spielt in diesem Bereich unter anderem auch die Berücksichtigung von Naturparks, Flugplätzen, militärischen Anlagen, Rohstoffsicherung, Küsten- und Hochwasserschutz, Gewerbe und Industrie, Waldgebieten ab zehn Hektar, Tourismusschwerpunkträumen, Binnengewässern ab zehn Hek-tar, gesetzlich geschützten Bau- und Bodendenkmalen sowie die „Vermeidung erheblich beeinträchtigender Umfassung von Siedlungen“.

In so genannten Restriktionsgebieten wird nach Einzelfall entschieden. In ihnen liegen Kriterien vor, die zwar grundsätzlich gegen die Festlegung eines Eignungsgebietes sprechen, doch im Einzelfall können die die Windenergie begünstigenden Belange überwiegen. Zur Abwägung können Vorbelastungen wie etwa Hochspannungsleitungen, Autobahnen und stark befahrene Bundesstraßen, Industrie- und Gewerbegebiete, schon vorhandene Windenergieanlagen und Funkmasten führen.

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